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auf einmal die Gewissheites war derselbe Korb, den ich vor mehr als zwölf Jahren selbst geflochten, und Larissen am Geburtstage voll Blumen gebracht hattehell und erschütternd vor mir stand. In der heftigsten Bewegung ergriff ich den Korb, besah ihn einmal, gefunden?" Ich sah, dass sie einer Ohnmacht nahe war, ich strebte ihr zu helfen, ich wollte ihre Frauen rufen; "Lass," rief sie, mit kaum hörbarer stimme! "Lass uns allein." Hier brach ihr blick und stimme, und sie sank ganz bewusstlos an meine Brust. O ihr Götter, welch ein Augenblick! Nach so vielen Leiden, so langer Entbehrung schien sie im Augenblicke des Wiedersehens an meiner Brust zu vergehen! Was ich getan, um sie wieder zu erwecken, weiss ich selbst nicht mehr, kaum dass ich es damals wusste. Endlich schlug sie die Augen auf, sie sah mich an. – O Phocion! Was ist die Liebe, wenn sie nicht aus diesen Blicken sprach! Und doch

Ich schloss sie fest an meine Brust, ich sagte ihr Alles, was mir mein Herz eingab. Sie hörte mich stumm aber ohne Widerstreben an, ihr Auge hing unverwandt an den meinigen. Endlich brach sie in Tränen aus. "Du hast mich nicht vergessen, meine Larissa! du liebst mich noch," rief ich entzückt. Ihr blick wurde auf einmal finster, sie hob ihren Kopf von meiner Schulter auf, sie zog sich zurück, drückte mich mit dem Arm weg, und sagte mit dumpfer stimme: "Nein, ich darf nichtich bin verheiratet." Das Gewicht dieser Worte fiel auf mein Herz! Ich sah unser Unglück, den Abgrund, an dem wir standen. Aber Tiridates Hoffnungen strahlten durch die dunkle Nacht meiner Seele, ich näherte mich ihr wieder: Sollte denn keine Hoffnung zur Vereinigung sein, keine Möglichkeit? sagte ich mit neuem Mute. "Keine, keine," rief sie gewaltsam, und ihre Tränen verdoppelten sich. Ich drang heftig in sie, sich zu erklären. Sie schluchzte, dass ihre Brust bebte. Nach einer Weile erhob sie sich. "Agatokles," sagte sie mit himmlischer Güte, "verlass mich, dringe jetzt nicht in mich, ich bin unfähig, mit dir zu sprechen. Wenn du mich liebst, Freund meiner Jugend! so gönne mir Ruhe. Geh', ich werde mich zu fassen suchen. Sende mir in einer Weile meine Sclavinnen, dass sie mich zurückbegleiten. Ich fühle es, ich bin nicht im stand, das Haus zu erreichen." Ich wollte sprechen, ich wollte sie unterstützen. Mit gerungenen Händen und einem Blicke, der mehr sagte, als ihr bang geschlossener Mund, drang sie auf meine Entfernung. Ich verliess sie, und fand mich nach einiger Zeit in meinem Zimmer wieder. Erst lange darnach vermochte ich den begebenheiten, die mir wie ein Traum vorkamen, nachzudenken. Wenig tröstlich war, was Vernunft und überlegung mir sagten; dennoch schien es mir weder möglich noch nötig, jede Hoffnung aufzugeben. Wie viele Ehen sind mit Einwilligung beider Teile getrennt worden! Es ist nicht der Fall Sulpiciens, die jung und schön den jungen Gatten, dem sie freiwillig die Hand gab, der sein Glück in ihr findet, verlassen will, um dem später Geliebten zu folgen. Es ist die Jugendfreundin des Wiedergefundenen, der heilige Rechte an sie hatte, ehe Demetrius sie kennen lernte: es ist die junge Gemahlin des kalten Greisen, der unempfindlich für ihre Vorzüge und Tugenden, vielleicht nur seine Haushälterin in ihr schätzt. Mehr scheint ihm Larissa ja nicht zu sein, und wie bald ist so ein Platz in einem haus ersetzt, wo die Frau keinen Platz im Herzen des Mannes behauptet! So dachte ich, so denke ich noch, und glühte vor Verlangen, mit ihr zu sprechen, ihr diese Gründe an's Herz zu legen, über unser Schicksal mich mit ihr zu beraten. Phocion! Welch unbegreifliches Betragen! Welche erstarrende Kälte! Seit vorgestern habe ich sie, die mit mir in Einem haus lebt, die mich einst so sehr liebte, die mich noch zu lieben schien, die wissen m u ss , welchen Qualen sie mein Herz preisgibt, mit keinem Auge mehr gesehen! Ich weiss, dass sie sogar die Gärten, sonst ihren Lieblingsaufentalt, seitdem nicht mehr betreten hat, um mir nicht zu begegnen! Wie ist dies Benehmen zu erklären, wie zu verteidigen? Verdiene ich nicht einmal, dass man mit mir spricht, dass man sich die Mühe nimmt, die dunkeln Rätsel unsers Verhältnisses zu lösen, und nur wenigstens zu sagen: Lieber Freund! meine Liebe ist erstorben; das, was mich im ersten Augenblick erschütterte, war Ueberraschung, übrigens haben wir nichts mit einander zu besprechen, du nichts zu hoffen. Wie ist sie dazu gekommen, einem Greise, den sie nicht lieben kann, die Hand zu reichen? Was ist aus ihrer Familie geworden? Man gibt doch dem gleichgültigsten Bekannten aus der Vaterstadt, den man in der Fremde trifft, freundlichen Bescheid um alte Verhältnisse und Freunde. Ich will ja nichts mehr, ich will ja nichts mehr von Larissen, der Frau des Demetrius; nur die Tochter des Timantius, die Nachbarin soll mir erzählen, was aus der Gespielin meiner Kindheit, aus ihren Eltern, ihren Brüdern geworden ist. Das kann doch ihre Pflicht gegen Demetrius nicht verletzen.