durch die Macht des Cäsars getrennt werden, den Prinzen im ruhigen Besitz seines väterlichen Trons und deiner Hand sein, und dann sieh, wie lange die Flamme noch matt fortglimmen wird, die jetzt so ungestüm lodert!
So denken sie Alle – Alle – und diejenige, die einen Einzigen ausnehmen will, ist betrogen. Was sie aber betrügt, ist nicht der Mann – denn der Bösewichter, die aus Absichten Liebe heucheln, sind wenige – sondern ihr eigenes Herz, ihre aufgereizte Einbildungskraft, die es ihr unmöglich macht, den allgemeinen Geschlechtsbegriff auf den Einzelnen anzuwenden, die Eitelkeit, die ihr zuflistert, dass sie eine Ausnahme würde gefunden haben, weil – sie eine zu finden verdiente u.s.w.
Verzeih, Sulpicia! wenn dich mein Brief schmerzt; verzeih es der 'Freundschaft, die dich so gern vom Abgrund zurückreissen möchte; verzeih es den Erfahrungen, die ich gemacht habe, und liebe mich darum nicht weniger. lebe' wohl, teure Freundin! Wir sehen uns nächstens.
16. Tiridates an Sulpicien.
(I m v o r i g e n e i n g e s c h l o s s e n .)
Nikomedien, im Mai 301.
Meere und Länder trennen uns! Zwei unendliche Monate dehnen sich zwischen dem letzten glücklichen Augenblicke meines Lebens, und den unerträglichen Stunden, die ich hier Pflanzen gleich verträume! Was ist das Dasein ohne dich? Was ist das bedeutungslose Atmen einer Luft, in der dein Hauch nicht schwimmt, der langweilige Verkehr mit Menschen, von denen Keiner dich kennt, Keiner deine Göttergestalt gesehen, Keiner je das Glück gefühlt hat, den Ton deiner stimme zu hören? Sulpicia! Nur die Aussicht auf das Ziel, das meine angestrengtesten Kräfte jetzt zu erreichen streben, die Hoffnung auf die Befriedigung der edelsten Leidenschaften, deren die menschliche Brust fähig ist, gibt mir Stärke, hier auszuhalten. Was sonst als dies kann mich hindern, zurückzueilen, und in deinen Armen, an deiner Brust die Wonne der Götter zu fühlen? O der Anblick deiner Reize, der Wohllaut deiner stimme wird mit dem Leben nicht zu teuer bezahlt!
Und all' diese Fülle von Seligkeit wird mein sein! Bestreben niederer Eifersucht wird mir deinen Besitz streitig machen. Mein Arm wird den Tron meiner Väter erkämpfen, und ich werde ihn nur besitzen, um ihn mit dem schönsten weib der Erde zu teilen. Dann, Sulpicia! dann wird dein Geist seinen angebornen Platz behaupten, und dein königlicher Sinn in königlichem Wirken sich beglückt und beglückend fühlen. O eilt, eilt ihr Stunden! Steige früher, Titan, aus dem Flammenmeere, stürze dich früher in Tetis arme, und beflügle den trägen gang der Zeit, bis der helle Augenblick naht, der allein den Namen des Lebens verdient!
Ich schwärme, Sulpicia! meine Pulse fliegen, mein Blut kocht, mein ganzes Wesen entzündet sich bei dem Gedanken dieses Glücks. Dann bist du mein! und all' der unendliche Liebreiz deiner Gestalt, diese zauberischen Formen, diese anmutigen Bewegungen, dieser Ton der stimme, der in den innersten Tiefen meines Herzens wiederhallt, sind mein – mein ausschliessliches, unbestreitbares Eigentum! Lass mich abbrechen, lass mich ruhiger werden, sonst kann ich unmöglich den Brief endigen, und dir sagen, was du zu wissen brauchst!
Ich habe deinen Brief erhalten. Welche düsteren Bilder, welche quälenden Vorstellungen beunruhigen dich, meine Geliebte! Fürchte nichts, nichts für unsere Liebe, nichts für mein Leben! Den Gefahren der Seereise bin ich glücklich entgangen. Mehr als einmal drohte der Sturm unser Schiff an Felsen zu zerschellen, er durfte nicht. Der glückliche, der zur Wonne der Götter in deinen Armen bestimmt ist, durfte sein Grab nicht in den dunkeln Fluten finden, und kein Pfeil wird diese Brust treffen, in der dein Bildniss lebt. Diese Zuversicht steht fest in mir; mir ist, als könnte ich den Zufall kühn herausfordern, und versichert sein, dass seine ganze Tücke nichts gegen mein Glück vermögen wird. Du liebst mich, Sulpicia! du hast mich gewählt. Aus fernen Weltgegenden hat uns das Schicksal zusammengeführt, unsre Wege, die so verschieden lagen, vereinigt, mir in Cäsar Galerius einen Freund geschenkt, der das einzige Hinderniss unserer Vereinigung, deine Verbindung mit dem schwachen Serranus, zu heben vermag. Diocletians Politik macht ihn meinen Absichten geneigt, die Armee ist voll des besten Willens, in Armenien sind meine Freunde tätig gewesen, mein Volk liebt mich, es liebt nicht mich allein um meiner selbst willen, es segnet und ehrt noch die Wohltaten und weise Regierung einer langen Reihe von Vätern in dem letzten Sprössling des edlen Stammes. Das persische Joch hat auch den Nakken der einst Missvergnügten nun wund gedrückt, sie werden sich mit meinen Freunden vereinigen, sie werden viel – Alles wagen. Sage mir, Sulpicia! wo ist nun ein Grund zur Furcht für uns? Mutig, meine Geliebte! O lass mich die freudige Zuversicht, die meine Brust erfüllt, auch in deinen zarten Busen giessen, und dir Kraft erteilen, das einzige, was wir zu fürchten und zu tragen haben, die Qualen einer langen Trennung, standhaft zu erdulden.
A g a t h o k l e s ist nun auch mit mir in den Strudel des geschäftigen Lebens hineingezogen. Ich glaube, es ist sehr gut für ihn; denn die Musse liess seinem kräftigen geist zu viele Freiheit, in sich hinein mit verderblicher