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, dem holden vaterland, getrennt hätten, langten Tiridates und ich vor acht Tagen in Nikomedien an. Süsser Zauber der heimatlichen Gefilde! Wie sanft bewegst du unser Herz! Wie lieblich erscheint die Küste des Vaterlandes nach langer Abwesenheit! Zwar wirst du mir sagen, nach einer gefahrvollen Seereise wäre uns jedes Ufer erwünscht erschienen? Doch es ist nicht ganz so. Bei Erblickung dieser Hügel, die ich als Knabe bestieg, dieses Gestades, an dem ich so oft lag, um auge' und Gemüt an der Unermesslichkeit des Meeres zu stärken, und endlich des väterlichen Hauses, seiner nächsten Umgebungen, wo so Manches vorgefallen war, das noch jetzt süss und schmerzlich meine verödete Brust bewegtich fühle mich ergriffen, und ich schäme mich nicht, zu gestehen, dass ich die teuren Gegenstände mit einigen Tränen grüsste, die unwillkührlich über meine Wangen flossen. Auch Tiridates, obwohl noch fern von seinem vaterland, war durch den Anblick des asiatischen Ufers des nicht weniger bewegt, als ich. Wir umfassten uns, und schwuren ernst und heiter, uns selbst und dem treu zu bleiben, was wir für gut und recht erkannten. So sprangen wir an's Land, so eilten wir in die Stadt, in meines Vaters Haus. Er kam uns sehr freundlich entgegen. Die Gesellschaft des Prinzen, des Lieblings zweier Cäsaren, schielt ihm angenehm für sich, und ehrenvoll für mich. Ich gab mich, ohne weiter zu grübeln, dem Gefühl des Augenblicks hin, und genoss die Freude, meinen Vater so zuvorkommend und gütig zu sehen, mit vollen Zügen. Ich durchlebte einen frohen Tag. Am zweiten ging es schon anders. Wir sollten zum Diocletian. Mein Vater wollte mich ihm vorstellen. Auch Tiridates billigte diesen Schritt, und schien ihn notwendig zu finden. Mir widerte das Ansehen von Aufwartung und Untertänigkeit, das er durch die Umwege und feierlichen Anstalten bekam, die jetzt nötig sind, um sich dem Imperator zu nähern. Ich dachte an das alte Rom, an die Hof- oder Haushaltung der ersten Cäsarn, wie selbst der schlaue Octavian, der edle Marc-Aurel, der tugendhafte Pertinar, aus Biedersinn oder List des Volkes Meinung schonend, nichts anders als Roms erste Bürger schienenund mein Inneres empörte sich. Was musste da herumgeschickt, angefragt, gebeten, zubereitet werden! Selbst an unserer Kleidung wurde gemustert. Endlich schien meinem Vater Alles würdig und gehörig bestellt, und wir traten in sehr kostbaren Gewändern, von vielen Sclaven gefolgt, unsern Weg nach dem Palast an. Ich glühte vor Schaam und Unwillen. Ich glaubte in den Mienen jedes Vorübergehenden den verächtlichen Spott über unsere eigennützige Erniedrigung zu lesen. Mir war's, als schwebten in dem Augenblicke die Schatten der Ahnen um uns, und sehen verachtend auf die entarteten Enkel nieder, die sich knechtisch vor dem zu bücken gingen, den sie in ihren zeiten als einen ihres Gleichen behandelt hatten. Tiridates nahm es viel gelassener auf. An orientalische Sitte gewöhnt, bewegte ihn unsere Lage nur zu seinem Spott, mit dem er sich selbst nicht schonte. So kamen wir in den Palast. Durch eine Reihe Gemächer geführt, in denen asiatische Wollust und Pracht um den Vorrang stritten, liess man uns endlich in einem der Innersten unter einer Menge schimmernder Sclaven und Clienten wartenwartendrei tödtlich lange Stunden, undschickte uns in der vierten unverrichteter Dinge nach haus, weil der Augustus nicht für gut fand, uns vorzulassen. Nur der ausdrückliche Befehl meines Vaters, und mein fester Vorsatz, unser scheinbar gutes Einverständniss, so lange ich in Nikomedien bleiben musste, nicht zu stören, brachte mich dazu, am andern Morgen den erniedrigenden Versuch zu erneuern. Diesmal dankte ich's dem Einfluss des Tiridates, dass wir ziemlich bald vorkamen. Aber, o mein Phocion! Welche Wunden schlug meinem Herzen der blendende Schimmer, die empörende Eitelkeit, das lächerlichsteife Ceremoniel1 am hof dieser gekrönten Sclaven! Aus dem Staube der Dienstbarkeit durch eignen Genius, noch mehr durch Umstände und eine Denkart, der kein Mittel zu schlecht war, auf den Tron erhoben und befestigt, herrscht er mit einem Trotz und Uebermut über die zitternde Welt, der mit nichts als dem ungeheuren Glücke zu vergleichen ist, das ihn in seiner Laune erhob, und mit bisher beispielloser Treue hegt und pflegt. Nicht dass ich seine wahrhaft grossen Geistesanlagen, verkennte, nicht dass ich ihm die Stille nicht dankte, die während seiner Regierung das erschöpfte Menschengeschlecht geniesst: aber sehensehen muss man so etwas nicht in der Nähe, wenn man unparteiisch bleiben soll!

Er empfing uns ziemlich anständig; aber die Tiara, die von seinem haupt strahlte, der Tron, auf dem er hoch erhoben, sass, verengten meine Brust, und schlossen meine Lippen. Mein Vater führte das Wort. Er stellte mich ihm vor, er bat ihn um einen Platz unter den Truppen für mich. Ich liess Alles geschehen, ohne eine Sylbe zu sprechen. Mag mich der Tyrann für einfältig oder störrisch halten, mir gilt es gleich. Doch hat er mich zum Centurio ernannt, und übermorgen gehe ich mit Tiridates zum Heere ab. Hier brennt der Boden unter meinen Füssen. So ungewohnt meiner Denkart das wilde Leben im Lager sein wird, so wird mir doch dort im Freien, im Getümmel, besser sein, als hier.

Sisenna Statilius hat das Haus neben dem unsrigen wieder verkauft, es gehört einem unbedeutenden Bürger. Unter einem Vorwande