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unter.

So werde ich Nikomedien nicht mit fröhlichem Herzen wiedersehen, und unter trüben Vorbedeutungen naht sich mir zum zweiten Mal der Zeitpunkt, der jedem weib so wichtig ist, der jedes Mal über Leben und Tod entscheiden kann. Sollte ich dies Mal minder glücklich sein, als das erste Mal? Sollte das neugeborne, und das noch kaum lallende Kind mutterlose Waisen werden? – O die Trennung von ihnen und Agatokles ist das einzige, was mir jenen düstern Uebergang schrecklich machen könnte. Ich kann hier nicht glücklich sein ohne siewie könnte ich dort der Seligkeit geniessen?

Und wenn Gott über mich gebeutmit schaudernder Ergebung unterwerfe ich michdann sei du meinen Verlassenen Mutter, bis ihre reifern Jahre sie zu keiner unerträglichen Last mehr für ihren teuren, unglücklichen Vater machen.

Ich werde ruhiger sterben, wenn diese Aussicht mir die Trennung von meinen Lieben versüsst, ich werde mit dem Gefühl erfüllter Pflicht sterben, mit dem der Krieger im Schlachtfeld fällt. Ich sterbe in und wegen meiner Pflicht. So wenigstens erscheint mir der Tod eines Weibes über der Geburt eines neuen Menschen, eines Weltbürgers, eines künftigen Christen.

lebe' recht wohl, meine Geliebte! Aus Nikomedien schreibe ich dir nächstens, und ausführlicher. Unsere Reise gleicht diesmal einem Fluge, und schon kommt man, mich zu ermahnen, weil das Schiff, das uns an's bitynische Ufer bringen soll, die Segel lösen will. lebe' wohl!

101. Marcius Alpinus an Lucius Scribonianus.

Nikomedien, im April 305.

Die Würfel liegen, die Hand des Zufalls greift nach der Scheere, um das letzte Haar abzuschneiden, welche das blosse Schwert über den wichtigsten von Galerius Feinden aufgehoben hält. Doch ohne Bilder, mein Freund! denn ich liebe sie nicht, weil sie mich unbequem dünken, meine Gedanken, die nichts als klare Wahrnehmungen entalten, auszudrücken. Im vergangnen monat hat sich der kaum hergestellte Kaiser dem volk zum ersten Mal wieder gezeigt, und wer ihn lange nicht sah, hatte Mühe, ihn wieder zu erkennen. Seine Gesundheit ist ganz zerrüttet, seine Kraft gebrochen, dieser Schatten des ehemaligen Diocletians taugt nicht mehr zu dem Geschäfte, das einen starken Arm und ungeschwächten Mut fordert. Er fühlt es, oder ist klug genug zu tun, als fühle er's, undlegt die Regierung nieder. Die Welt wird das lächerlich ernste Schauspiel als eine wirkung hoher Philosophie, einer ruhmwürdigen Gleichgültigkeit gegen die höchsten Güter der Erde anstaunen, die Klugen werden insgeheim lachen oder fürchten, je nachdem sie zu einer Partei gehören, und Galerius allein gewinnt, denn seine Plane sind ausgeführt, und Maximian wird mit Diocletian zugleich den Purpur ablegen, Constantius ist nicht zu fürchten, so bleibt Galerius die herrschaft über die Welt so ziemlich sicher und allein, wenn E i n e r , nur E i n e r noch aus dem Wege geräumt ist, den seine Geburt, und mehr noch als diese, ein unternehmender Ehrgeiz zu einem fürchterlichen Nebenbuhler machen, obwohl er bis jetzt seine Plane und Ansprüche unter dem Schein vollkommener Ruhe und Gleichgültigkeit verbirgt. Er ist sein, doch gibt es Menschen, die ihn durchschauen, denn was hätte nicht schon Gold und Bestechung geoffenbart und bewirkt! Er muss fallen, wenn Galerius sicher sein soller wird fallen, denn er ist in der Hand seines Feindes, und dieser Feind ist in wenig Tagen unumschränkter Herr der Erde.

Das ist er klug genug, selber zu berechnen, und darum hat er seine Anstalten sehr zweckmässig gemacht. Jetzt, mein Freund! ist es für dich Zeit zu wirken, und deinen bescheidnen teil an dem grossen Plane zu nehmen. Wir wissen, dass in Chalcedon Anstalten zur heimlichem Abreise, oder vielmehr zur Flucht einer bedeutenden person gemacht werden; es ist ein Schiff bereit, und in dem haus eines gewissen Clemens, bei welchem sich seit jenem Edicte die Christen zuweilen versammeln, sind Vorkehrungen zu ihrem Empfange getroffen. Ueberdies wissen wir, dass in Constantius Ställen beständig gezäumte Pferde stehen. Wenn es Zeit sein wird, soll ein fliegender Bote dich benachrichtigen. Du als Präfect von Chalcedon umringst mit deiner Wache das Haus, in welchem gesetzwidrige Versammlungen gehalten werden, und was sich darin befindet, ist dein Gefangener. Du erstaunst über die Bedeutenheit der person, von deren Anwesenheit du keine Ahnung gehabt hast, und wenn er entlassen zu werden fordert, so entschuldigst du dich mit der Strenge deines Befehls, und der Sonderbarkeit des Falles. Du versprichst in aller Demut, sogleich nach Nikomedien zu schreiben, tust es auch, und für das Uebrige lass uns hier sorgen. Er soll Britannien, ja die Küste von Europa nie wieder sehen. Nun lebe' wohl, mache deine Sachen geschickt, und rechne auf die Dankbarkeit des künftigen Augustus.

102. Calpurnia an ihren Bruder Lucius.

Nikomedien, im Mai 305.

Das grosse Schauspiel ist vorüber, auf welches die Welt seit ein paar Monaten mit der gespanntesten Aufmerksamkeit wartete. Heute Morgens waren die Einwohner von Nikomedien, viele Fremde, die die Neugier oder Privatabsichten hierher gezogen haben, der ganze Hof, die Priester, die öffentlichen Autoritäten, Alles in grösstem Schmucke auf einer weiten Ebene vor der Stadt versammelt. Für die Augusta, des Cäsars Gemahlin, ihre Tochter, mich und einige angesehene Matronen war ein eigner Ort bestimmt, wo wir unbelästigt von dem Gedränge zusehen konnten. Das Erste, was mir hier in die Augen fiel, war Teophania,