tausend Missverhältnisse einer geteilten Gewalt zu heben.
Wenn dann die alte Regierungsform mit kühner Hand zerschlagen ist, folgen ihr die zertrümmerten Götzenbilder und Altäre, und ein neuer würdiger Cultus erhebe sich über der gereinigten Erde.
So steht das Bild vor mir, gross, erhaben, und alle Kräfte aufzubieten, die mir zu Gebote stehen, ist mir nicht allein Freude, ist, wie ich glaube, Pflicht, vom Schöpfer mir auferlegt, der mit diesen Kräften mir auch den Beruf zu diesem Werke gab. lebe' wohl!
Fussnoten
1 Zeitrechnung.
97. Tiridates an Constantin.
Amida, im März 305.
Die wichtigen Ereignisse, die sich bei Euch in Nikomedien zubereiten, und die noch wichtigeren Folgen, die daraus entspringen können, haben mich bestimmt, nach Bitynien zu gehen, wo ich in ungefähr acht Tagen einzutreffen hoffe. Die Gunst und die Macht des Cäsar Galerius hat bisher meine Rechte unterstützt und aufrecht erhalten; es kann sein, dass der künftige A u g u s t u s dieselben Gesinnungen beibehält, aber es kann auch sein, dass Politik oder Laune ihn umstimmen, und so glaube ich, dass es auf jeden Fall gut ist, bei der wichtigen Catastrophe gegenwärtig zu sein. Dir, mein Constantin, brauche ich die unbestreitbaren Ansprüche eines eingebornen Fürsten auf den Tron seiner Voreltern nicht an's Herz zu legen. Nicht bloss deine Gesinnungen gegen mich, auch deine Denkart im Allgemeinen bürgt mir dafür, dass du sie jederzeit ehren und anerkennen wirst; und so kann ich auch, ohne den Vorwurf der Heuchelei zu verdienen, dich versichern, dass ich es für eine sehr günstige Wendung des Schicksals ansehen würde, wenn es dich bei den bevorstehenden Veränderungen an einen Platz stellen möchte, auf dem dein gerechter schen Staates aufrecht erhalten, und die Ruhe der letzten zwanzig Jahre fortsetzen kann.
Meine Calpurnia war sehr vergnügt, als ich ihr meinen Entschluss mitteilte. Die Aussicht, ihren Vater, ihren Bruder, so viel werte Freunde wieder zu sehen, erfüllte sie mit so reger Munterkeit und Tätigkeit, dass sie selbst unter ihren Augen alle Anstalten zur Abreise treffen liess. Wir sind in Amida, wie du aus der Ueberschrift des briefes gesehen hast, und folglich an der Grenze des Reichs. Sobald Calpurnia und mein Sohn, den ich mitbringe, sich in etwas von den Beschwerden einer schnellen Reise erholt haben werden, setzen wir sie ununterbrochen fort, und denken in wenig Tagen dir mündlich zu sagen, wie sehr wir Beide dich lieben und schätzen. lebe' wohl!
98. Agatokles an Constantin.
Laureacum, im März 305.
Ein sehr verlässlicher Bote bringt dir diesen Brief, er entält die näheren Angaben von Allem dem, was du zu wissen verlangst, und was dein Vater dir melden lässt. Alles ist bereit, der Legionen in Gallien, Spanien und Britannien bist du durch deinen Vater sicher, hier in Noricum, durch Pannonien und ganz Dacien ist so viel geschehen, als möglich war, und du wirst mit mir zufrieden sein. Die Christen, die sich unter ihnen befinden, bindet Religion und gerechter Hass gegen ihren Verfolger Galerius an dich, die übrigen zieht das Beispiel der grösseren Anzahl und mehr noch die Zuversicht auf den jungen mutigen Führer dir nach, dessen Heldentaten die Fama von Carrhäs Gefilden, und aus den Gebirgen von Armenien bis hierher geschäftig trug. Sobald Diocletian den Purpur ablegt, und Maximian, wie es allgemein heisst, zu einem gleichen Schritte bewegt oder zwingt, sind dein Vater und Galerius Augustus, und du der Sohn des abendländischen, sein geborner, berufener, würdiger Cäsar. Mag Galerius sich in den Morgenländern, oder unter den illyrischen Bauern1 einen Nachfolger wählen, du hast ihn nicht zu fürchten. Der Geist der Zeit, der sich allgion hinüber neigt, ist auf deiner Seite, er kämpft mit deinen Schaaren, er zieht die Menschheit in dein Interesse, und vergebens stemmt die alte morsche Form sich das letzte Mal gegen die siegende Gewalt des bessern Neuen. Ja, er wird ausgeführt werden der schöne grosse Plan, den wir in stillen Stunden der Begeisterung entworfen; stolz blickt mein Geist auf den Anteil hin, den meine Anstrengung, meine Tätigkeit daran hatte, und nichts – gar nichts auf der Welt würde mir zu kostbar sein, um es nicht mit Freuden für die Sicherung desselben hinzugeben.
Seit ich den edlen Florianus sterben sah, schwebt das Bild – nicht der Marterkrone im gewöhnlichen Sinn, wie es oft übelverstandner Eifer und falscher Religionsbegriff sich ausmalt – nein, eines freiwilligen Todes zum Besten der Menschheit, zur Sicherstellung und Ausführung eines grossen, beglückenden Werkes mit schimmerndem Glanz vor meiner Seele.
Wie ich meine Teophania liebe, was sie mir ist, weisst du, und was ein Sohn, vom ihr geboren, meinem Herzen sein kann, welche Begriffe ich von meinen Vaterpflichten habe, kannst du dir denken, ohne dass ich nutzlose Worte verschwende. Mein ganzes Erdenglück ruht auf ihnen; so lange ich sie besitze, bin ich sicher, in jeder Lage glücklich zu sein, ohne sie ist keine Macht der Welt, keine Hoheit, keine Gewalt vermögend, mein Herz auch nur einen Augenblick zu rühren. Dennoch – ich habe mich geprüft, strenge, oft – in der Einsamkeit, und wenn ich sie in meinen Armen hielt – es gibt ein höheres, ein grösseres Gut, um dessentwillen ich auch ihnen entsagen könnte! Vielleicht traue ich mir zu viel zu, und fern sei der Frevel von