es nun, dass Aquilinus meine Absicht merkte, sei es, dass er gemessene Befehle von seinem Gebieter hatte – mit der grössten Urbanität und unter steten Versicherungen seiner achtung und seines Bedauerns, dass er meinen Wünschen nicht willfahren könnte, schlug er mir meine Bitten ab. Ich ging tief bekümmert weg. Am zweiten Tage liess er mich rufen. Mit glatten Worten und Schmeicheleien, die mich empörten, da ich sie für nichts anders halten konnte, als für die Hülle niedriger Bosheit und Tücke, sagte er mir, aus Rücksicht gegen mich, und aus wahrer achtung gegen seinen Gefangenen, dessen edles Betragen ihn innigst bewege, wolle er das letzte, das einzige Mittel versuchen, das ihm zu seiner Rettung bliebe, obwohl er gestehen müsse, dass er nichts Geringes wage, und diese Nachgiebigkeit ihm vielleicht bedeutenden Verdruss zuziehen könnte. Florianus sollte, wie schon Viele vor ihm in diesen Gegenden getan, seinen Glauben abschwören, der dem Galerius so verhasst sei, und er hoffe dann, dass der Cäsar dieses Opfer nicht mit Unwillen ansehen, und es ihm, dem Aquilinus, verzeihen werde, dass er ihn dafür frei gelassen, und das Leben geschenkt habe.
Was ich geantwortet habe, was ich antworten konnte, weisst du im Voraus, und auch Florianus tut, was ich und du nicht anders erwarten konnten. Aber der Wunsch, ein Leben, das er nicht mehr erhalten konnte, das er auch ohne diesen schimpflichen Preis längst nicht mehr zu erhalten wünschte, wenigstens nicht nutzlos hinzuopfern, bewog ihn zum Schein, sich jener entehrenden Bedingung zu fügen. Er täuschte mit schlauer Klugheit seine Verfolger, und erbot sich, an dem von ihnen bestimmten Tag öffentlich auf dem Forum der Stadt ihr Verlangen zu erfüllen. Das Gerücht von seiner Willfährigkeit, von dem Schauspiel, das man zu erwarten hatte, lief in Laureacum und der Gegend schnell umher. Es gelangte auch zu uns, und zu der unglücklichen Valeria. Wir glaubten es nicht, wir ahneten Etwas von dem Vorhaben des unglücklichen, edlen Mannes, ohne jedoch Alles erraten zu können. Valeria war am gewissesten, am hoffnungslosesten von seinem sichern tod überzeugt. Sie hatte durch List und Gold sich ohne unser Wissen schon ein Mal den Weg in seinen Kerker gebahnt, sie hatte verkleidet mit ihm gesprochen, ihr hatte er, so viel sie es fassen konnte, die Aufträge an dich mitgeteilt, und du wirst von mir erhalten, was ich durch dieses treue, bedauernswürdige Wesen, als ein heiliges Vermächtniss ihres über Alles verehrenden Freundes für dich erhielt.
Der Tag des grossen ängstlichen Schauspiels brach an. Noch muss ich dir vorher sagen, dass die Grausamkeit des Galerius und seiner Werkzeuge in diesen Gegenden bereits bedenkliche Folgen für das Christentum hatte. Viele haben lieber ihr Leben, als ihren Glauben geopfert, aber auch Viele – und wer kann dem grossen, meist ungebildeten Haufen dies wohl streng verargen? – Viele haben, müde der Neckereien, die ihr ganzes irdisches Glück zerstörten, geschreckt durch die unerhörten Martern, unter denen die Mutigern ihr Leben lassen mussten, das einzige Rettungsmittel ergriffen, das die List ihrer Verfolger ihnen liess – sie haben den Göttern geopfert, und solch Abschwörungen, wie man sie deinem verehrten Freunde zumutete, waren nichts Neues in dieser Zeit.
Desto nötiger, desto wirksamer war jetzt ein Beispiel, und zwar ein grosses, in die Augen fallendes, ein Beispiel an einem mann, den Rang, Verhältnisse und persönliches Verdienst ohne dies auf einen erhabenen Standpunkt gestellt hatten. Das mochte dein edler Freund wohl erkannt, und seinen Plan darauf gegründet haben. Eine unzählige Menge Volkes, und darunter sehr viele Christen, waren versammelt. Florianus erschien, im ganzen feierlichen Schmucke seines Standes, eine edle, ehrfurchtgebietende Gestalt, in der vollen Reise des männlichen Alters. Alle Augen waren auf ihn geheftet, Mitleid, Liebe, Neugier, Bewunderung und Missbilligung malte sich auf den Gesichtern, je nachdem sein Vorhaben oder die Vorstellung, die man sich von ihm machte, die Gemüter verschieden bewegte. Das Opferfeuer vor einem Götterbilde wurde angezündet, der Priester reichte dem Centurio das Rauchfass, und mit Anstand stieg er die Stufen hinauf, von denen er die Versammlung leicht übersehen konnte. Jetzt, statt zu opfern, wandte er sich gegen das Volk, und mit hinreissender Beredtsamkeit, und einem Ton der stimme, der tief in die Herzen drang, mit flammendem blick, die Glut des edelsten Zornes auf der dunkeln Wange, Hub er an, seinen Abscheu vor der ihm zugemuteten Handlung, die Niedrigkeit des Götterdienstes, die Würde seiner Religion, und die hohe Belohnung der mutigen Bekenner zu schildern. Der Präfect gebot ihm Stillschweigen, aber das Volk, das den kühnen Redner zu hören wünschte, überstimmte den Befehl. Florianus fuhr fort, er ermahnte seine Brüder zur Standhaftigkeit, er verwies sie auf ein besseres Leben. Da drangen die Prätorianer ungestüm von allen Seiten herbei, ein wilder Tumult erhob sich, der Präfect, von Zorn ausser sich, gab schnell Befehl zu seinem tod, die Wache bemächtigte sich des Gefangenen, der ihrer Wut überlassen wurde, das Volk suchte ihn zu befreien, aber seine Bemühungen waren vergeblich. Um keine Zeit zu verlieren, um keine Möglichkeit zur Rettung übrig zu lassen, schleppten die wütenden Soldaten ihn auf die brücke, und stürzten ihn von dort in die Fluten des Anasus, der eben von heftigen Regengüssen im Gebirge geschwellt, strudelnd und schäumend daher brauste, und sein Opfer gierig verschlang1.