es die Götter so gefügt hätten.
Das taten sie nun aber nicht, und so wurde ich zuerst aus der Vertrauten die Freundin, aus der Freundin die Geliebte, aus der Geliebten die Braut des edelsten, liebenswürdigsten Fürsten! Denn ich muss dir sagen, chen, als die Vertraute und Trösterin eines schönen Unglücklichen zu sein. Das Mitleid ist eine gar zu verräterische Empfindung. Wir wurden einander mit jedem Tage lieber, notwendiger, ich fand Zerstreuung und Freude in seinem lebhaften Umgange; er beweinte mit mir seinen Verlust, erzählte mir von den ersten Tagen seiner Liebe, seines Glückes, und fand es zuletzt unmöglich, ohne dieses Glück zu leben. Aeussere Umstände trafen nun auch zusammen. Des Augustus schnelle Abreise machte eine übereilte Erklärung nötig, wenn wir nicht mit unserer Verbindung bis zu Diocletians Wiederkunft, die vielleicht in einem Jahre Statt haben könnte, warten wollten. Du kennst die Verhältnisse der verbündeten Fürsten zu dem römischen Hof, du kennst Armeniens Lage in Rücksicht der Perser. Es liegt Alles daran, die Tronfolge bestimmt und unbestreitbar festzusetzen. Diocletian selbst schien dies zu wünschen. Die Zeit war kurz, Tiridates entschloss sich, er fragte mich, und konnte ich wohl Nein sagen? Was, um aller Götter willen, hätte ich gegen ihn einwenden können? Dass unsere Verbindung übereilt sei? Ach, ich kannte ihn seit zwei Jahren genauer, als wenn er diese ganze Zeit über sich um mich beworben hätte; denn ich sah ihn ohne Vorurteil, und er hatte keine Ursache, sich vor mir zu verstellen. Dass ich ihn nicht mit der leidenschaft liebte, die manche Menschen zum Glücke einer Verbindung für nötig halten? Das ist Grille. Ich achte ihn, weil er es durch tausend Vorzüge wohl verdienet, und seine Gestalt gefällt mir. Das ist Alles, was ich zu meinem Glücke bedarf. Meine Forderungen an Euer Geschlecht waren immer mässig. Milesische Mährchen kann man träumen, in der wirklichen Welt geht Alles anders zu.
Es ist überdies auch kein unbedeutender Vorzug, Königin, wenn auch nur Königin eines verbündeten Staates zu werden. Augustus gibt es höchstens zwei, und zwei Cäsarn; da ist nur Raum für vier Römische Jungfrauen oder Matronen. Auch ist der Augustus gewöhnlich nicht mehr in der Blüte der Jahre. Wie unbändig müsste der Ehrgeiz einer Römerin sein, die, wenn selbst Diocletian sich zugleich mit Tiridates um ihre Hand bewürbe, den alternden, rauhen Illyrier vor dem jugendlich blühenden Fürsten wählen könnte, den alle Grazien schmücken?
So ist denn mein Schicksal bestimmt, unwiderruflich, wenn nicht ausserordentliche Ereignisse dazwischen treten! Seltsam! Wenn ich mir das recht lebhaft denke, so wandelt mich eine Art von Grauen an. Heiraten – mein los in die Hand eines Mannes legen, ihm in ein fernes Land folgen, wo er unumschränkt gebeut, wo Niemand ist, der ihm Widerstand leisten darf – wahrlich, der Schritt ist ernst, so ernst, dass, hätte ich Alles das früher so bedacht, ich ihn vielleicht nicht getan hätte!
Nun ist nichts mehr zu ändern. Meine Verbindung ist öffentlich erklärt, der Augustus selbst hat über meine Hand entschieden. Tiridates ist trunken vor Freuden. Er liebt mich leidenschaftlich, und er ist keiner Verstellung fähig. Aber wie lange wird das währen? Und wie kann ich mich vor dem Loose meiner Freundin schützen, oder wie kann ich erwarten, ihm zu entgehen? Und auf diesen Punkt wird einst so Vieles ankommen. Hier ist es nötig, alle Kraft des Verstandes, alle Macht über sich und Andere, alle Erfahrung zu hülfe zu nehmen. Mein Schicksal wird in seiner Hand liegen, Niemand wird, Niemand kann sich meiner annehmen, ich muss mir selbst Alles sein, ich muss mich schützen, ich muss fest stehen, und das kann ich nur, wenn ich mich nie vergesse. Nie wisse, nie fühle er sich meines Herzens ganz sicher, und im uneingeschränkten Besitze desselben, nie verliere mein Geist die herrschaft über sein Herz. Zwar so lange er noch etwas zu wünschen, zu hoffen, zu fürchten hat, so lange er liebt, wird es leicht sein, auf ihn zu wirken; aber wie klug ich mich auch betragen mag, so wird die Zeit noch kommen, wo fremde frischere Reize, oder allmählige Gewöhnung diese Art von Zauber zerstören. Bis also die gefährliche Epoche eintritt, muss seine achtung für meinen Charakter, für meinen Verstand so fest gegründet sein, dass die Freundin keines von den Rechten verliert, die die Geliebte hatte, und seine Untreue nichts weiter für mich sein kann, als ein flatterndes Spiel, das ich ihm gern zu seiner Unterhaltung gönne.
Nie werde ich mich in die Angelegenheiten seines Reiches mischen, wenigstens nie unmittelbar. Sucht er in manchen Fällen den Rat der Freundin, kann es sein Herz erleichtern, wenn er seine Sorgen zuweilen in meine Brust niederlegt, so will ich ihm redlich tragen, und sorgen, und denken helfen. Nie werde ich meine engbegrenzte Sphäre verlassen; aber auch nie soll er vergessen, dass ich meinem schönen vaterland, dem Leben im Schoosse einer edlen ruhmvollen Familie, die mich zärtlich liebt, entsagt habe, um ihm in seine Gebirge zu folgen, und die Gattin eines barbarischen Tyrannen zu werden, wie sich Sulpiciens Vater ausdrückte. über einige dieser Punkte habe ich mit dem meinen mehrere ernste feierliche Unterredungen gehabt, und nie werde ich der weisen Lehren vergessen, die er mir mit Rührung, mit väterlichen Tränen gab.