, so bald nicht aus meiner Brust verschwinden wird. lebe' wohl!
Fussnoten
1 Stadium war ein Längenmaass der Alten. 2 Die Alten kannten den Gebrauch der Leinwand nicht so wie wir, sie bedienten sich meistens wollener Stoffe, wozu die Wolle oft auf ihren eigenen Gütern, von ihren Heerden gezogen, dann von ihren Sclavinnen gesponnen, gewebt, und zu dem verschiedenen Gebrauch, den man davon machen wollte, bearbeitet wurde. 3 Das warme Klima in den Ländern, welche die Griechen und Römer bewohnten, machte es ihnen notwendig, auf Schutz vor Hitze und Sonnenbrand in ihren Häusern zu sehen. Es waren also manche Gemächer, wie auch heute zu Tage in den Häusern der Morgenländer, die ihr Licht bloss von oben empfingen, und in welchen ein springendes wasser die Kühlung erhielt. 4 Die Alten gossen am Anfange der Mahlzeit ihren Göttern etwas Wein zum Opfer auf die Erde. Dies hiess die Libation. 5 Optimus Maximus, war ein gewöhnlicher Beiname des Jupiters.
84. Agatokles an Constantin.
Syntium, im auge. 303
Nicht an den Fürsten – der Genügsame bedarf dessen nicht – nicht an den Retter meines Lebens, das dem Sohne des Abendländischen Cäsars, wie dem unberühmten Sohne des Hegesipps nie Zweck, nur Mittel zu höheren Zwecken sein kann – aber an den geliebten, ewig teuern Freund, der mich im Unwillen verlassen, und nun seit Monden mich vergessen zu haben scheint, wendet sich mein Herz noch einmal. Gegen keinen andern Sterblichen würde ich diesen Schritt tun. Bei dir bin ich sicher, dass du, wenn auch deine Liebe gestorben ist, doch achtung für mich bewahrst, und mich nicht verkennst.
Ich kann nichts von dem bereuen, was ich getan habe, ich würde es noch einmal tun, wenn die gelegenheit wieder einträte: aber ich fühle, dass mein Leben selbst in Teophaniens Armen ohne dich nicht vollendet ist. Das schöne Urbild vollkommenen Seeleneinklangs, das mir in den Gefilden von Carrhä erhaben und stolz vor die Seele trat, ist entflohen, wie die meisten seiner Brüder. Ein verklärtes himmlisches Gebild, ist es zum Himmel zurückgekehrt, aus dem es stammte, nachdem es meine Brust eine Weile entkelt hatte. So musste es sein, und in der Verkettung der Dinge war auch diese Läuterung notwendig. Aber die Liebe ist zurückgeblieben, rein und warm, wie sie in meinem Herzen entsprang, als ich dich das erstemal sah. Ich schäme mich nicht, es dir zu gestehen, ich schäme mich nicht, als der erste die Hand zur Versöhnung zu bieten. Das, was bei gewöhnlichen Freundschaften das Zartgefühl von diesem Schritte abhalten könnte, deine und meine bürgerlichen Verhältnisse, kann bei uns nicht in Anschlag kommen. Für mich bist du nur Constantin, nur der, in dessen Brust ich die himmlische Flamme hell auflodern sah, an der auch mein Leben sich gern verzehrt.
Ich lebe in Syntium. Wo du dich jetzt befindest, weiss ich nicht bestimmt. Ich sende diesen Brief nach Nikomedien in den kaiserlichen Palast. In acht Tagen, wo immer du dich auf einer der deinigen, oder der kaiserlichen Villa aufhältst, kann ich Nachricht haben. kommt mir keine, so werde ich mich bescheiden, und mit der Kraft, mit der ich schon so Manches in diesem Leben ertrug, auch dies ertragen lernen; dich aber soll kein Wort, weder bittend noch vorwerfend, an alte Bande erinnern, die in demselben Augenblicke gegenseitig abgeworfen werden müssen, wo sie den Einen teil zu drücken anfangen. lebe' wohl.
85. Teophania an Junia Marcella.
Syntium, im Sept. 303.
Mein Leben ist still und einfach, und mag in den Augen der Welt wohl einförmig erscheinen, aber in seinem verborgenen Schoosse liegt ein Reichtum von kleinen begebenheiten, von reger Abwechselung für das Herz, die uns die geschichte manches Tages merkwürdig und unvergesslich macht.
Einen solchen Tag verschaffte uns neulich ein Besuch, den ich wahrlich nicht vermutet, von dem ich mir das Angenehme nicht versprochen hätte, das er mir gewährte. Calpurnia war bei uns. Ich kann dir nicht beschreiben, wie seltsam mir zu Mute war, als Agatokles in mein Zimmer trat, um sie mir anzukündigen. Ich fühlte, dass meine innere Bewegung sich in meinen Zügen malte; Agatokles bemerkte es wohl, und eine innige Umarmung sollte mich beruhigen. "Empfange sie gütig, meine Geliebte! Sie ist, trotz ihrer von uns verschiedenen Denkart, ein edles Mädchen." Ich fasste mich schnell. Dass Agatokles es wünschte, war mir genug, und dass sie ihn geliebt, verloren, und an mich verloren hatte, stimmte mein Herz zu ihrem Vorteil. Ich fühlte, dass ich in einer Schuld gegen sie war, und dass ich ihr durch die grössnen teil derselben abtragen konnte. So empfing ich sie, und was ich um meiner selbst willen gewünscht hatte, gelang mir vollkommen. Sie ward mir gut. O gewiss, zwei Herzen, die sich so genau, so innig in ihrer Liebe für ein Drittes begegnen, denen ein gleiches Urbild von Liebenswürdigkeit vorschwebt, können unmöglich anders, als ähnlich fühlen.
Wie ganz anders erschien sie mir nun damals, wie sie mich zum erstenmale sah! Noch war sie reizend im höchsten Grade, aber dieser Reiz hatte nicht mehr den Anstrich von Leichtsinn und Flatterhaftigkeit, der mich einst so empörte. Es war ein leichter Schleier von Ernst darüber gebreitet, und manchmal glaubte ich sogar ein Wölkchen der Wehmut in ihren