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Widerruf zu vermögen. Ich sprach mit unserm davon, er fand einige Bedenklichkeitener kann alten Hegesippus nicht wohl leiden. Aber für mich bekam mein Plan, je langer ich ihm nachsann, je mehr Reize, und so erhielt ich denn endlich halb durch Ueberredung, halb durch die Vorstellung, dass ein solcher Schritt notwendig sei, um Agatokles von der Ruhe meines Herzens zu überzeugen, die erlaubnis, mein Vorhaben auszuführen.

Ich kenne die alten Herren. Wenn sie für keine Frau oder Tochter mehr zu fürchten haben, finden sie eben keine so strenge Sitte, und ängstliche Verhüllung nötig, wie sie mancher junge Mann, wahrlich auch nur aus Eifersucht, von seinem Mädchen fordertund ich kleidete mich daher etwas weniger matronenmässig, als ich wohl ehedem zu tun pflegte, wenn ich seinen Sohn zu sehen hoffte. Es klingt lächerlich, dies zu sagen, aber können wir Weiber dafür, dass die Männer in der Jugend aus Selbstsucht eifersüchtig, und im Alter aus Selbstsucht verliebte Gecken sind? So sandte ich hin, und liess ihn um eine Stunde bitten, wo ich ihn sprechen könnte. Ich wusste, dass er das nicht annehmen, und selbst kommen wurde. Er kam auchnur etwas spät; aber als er einträt, sah ich die Ursache dieser Verspätung wohl ein. Der alte Herr hatte sich in grosse Unkosten von Pracht und Niedlichkeit gesetzt, er duftete wie alle Würzen Arabiens, und sein Bart (wenn es möglich ist, so war es ein falscher) hätte einer Büste des Plato Ehre gemacht. Verwunderung und Neugier malten sich auf seinem Gesicht, und ich sah, welche Mühe es ihn kostete, sie unter den Schranken der guten Lebensart zu halten. Aus Mitleid liess ich ihn nicht lange warten, sondern rückte so eilig, als es die etwas sonderbare Art meines Geschäfts erlaubte, mit meiner Bitte heraus. Sein Erstaunen wurde nun noch grösser, obwohl er sich bestrebte, es zu verbergen, und in diesem Erstaunen und einigen entschlüpften Worten las ich deutlich seine Meinung über mein verhältnis zu seinem Sohne, das wohl so ziemlich die Meinung der ganzen Stadt sein mag. Um so lieber war es mir, durch diesen Schritt ihn und die Welt vom Gegenteil zu überzeugen.

Ich sprach mit Wärme von den vorzüglichsten Eigenschaften seines Sohnes, seiner Schwiegertochter. (Ich vermochte das, Lucius, in einer Aufwallung von Grossmut, über die ich selbst erstaunte.) Ich suchte ihm darzutun, dass alle Schritte, die Agatokles bisher getan, nur Wirkungen derselben Tugenden und jenes allzustrengen Pflichtgefühls wären, das wir, auf andere Gegenstände angewendet, an einem Curtius, Cocles, Cato bewundert hatten. Ich liess ihn die Freundschaft des Armenischen Königs und Constantins Liebe für seinen Sohn, die achtung, in der er allgemein steht, im schimmernden Lichte sehen, und hinter diesem Schimmer sein eigenes Bild, auf das der Ruhm seines Sohnes keinen unbedeutenden Ganz warf. Im Eifer des Gesprächs waren die Locken Um meinen Nacken losgegangen, sie sanken auf die Brust herab, ich musste sie zurückstreichen, und verschob dadurch den Schleier, so, dass auf einen Augenblick ein teil des Busens sichtbar wurde. Ich strebte das Unglück zu verbessern, aber indem ich den Arm über die Schulter legte, fiel auch das faltenreiche Gewand zurück, und der Arm erschien beinahe ganz unverhüllt. Hegesipps Auge folgte leuchtend meinen Bewegungen, und er war auf einige Augenblicke so mit Schauen beschäftigt, dass er mir ganz verkehrt antwortete. Ich nutzte diese Stimmung, ich drang nun mit Bitten in ihn, und was früher Vernunftgründe nicht erschüttert hatten, fiel nun durch die vereinte wirkung eines rührenden Tons, einer flehenden Miene und eines Paars unverhüllter arme, die bittend gefaltet vor seinen Augen spielten. Ganz verklärt und mit jugendlicher Munterkeit sagte er mir, es sei unmöglich mir zu widerstehener müsste bekennen, dass ich etwas Grosses fordere, er habe sein Wort heilig verpflichtet, und hasse übrigens seinen Sohn nichtdoch einer solchen Vorbitterin sei nichts abzuschlagen, und Agatokles habe sein Glück nur mir allein zu verdanken. So ging er fort, um die Schrift zu holen, und war in einer halben Stunde wieder damit bei mir, Und nun in der Freude meines Herzens gab ich dem guten Alten einen recht kindlich dankbaren Auss, den er nun freilich nicht mit väterlicher Würde aufnahm, sondern mit aller Geckenhaftigkeit eines grauen Liebhabers. So lächerlich mir das war, so gab ich mir doch Mühe, ernstaft zu scheinen, und wir schieden als die besten Freunde.

Ich zeigte meinem Vater im Triumph die Schrift. Er schüttelte abermals den Kopf, und schien nicht zufrieden mit der ganzen geschichte. Indessen, das Grösste war geschehen, und ich wollte nicht auf halbem Wege stehen bleiben; so bat ich denn den Bruder, mich zu begleiten, und fuhr nach Syntium. Es sind über sechzig Stadien1. Wir fuhren mit anbrechendem Tage ab, um die Hitze zu vermeiden. Du kennst die Lage der Villa nicht, sie ist äusserst angenehm, nur etwas düster zwischen waldigen Hügeln versteckt. Wie wir näher kamen, wie ich die obere Säulenhalle zwischen den Cedern und Pinien hindurch schimmern sah, wie ich die Platanenallee erblickte, in der ich so oft mit Sulpicien gewandelt hatte, mit ihr, deren Rest vielleicht nun schon die Urne füllt, das Gittertor, an welchem ich vor einem Jahre die gegenwärtige Gebieterin der Villa tiefgebeugt gesehen und empfangen hatteda ward mir sonderbar zu Mut, und Tränen drangen in meine