treten? Sein Fanatismus, die Eitelkeit des Einen, die Schwäche des Andern, Alles muss sich vereinigen, um Plane zu zerstören, die weit klüger angelegt waren, als diese schwachen Seelen es je auch nur träumen konnten.
Sein Vater hat ihm verziehen, und Alles, was ich seit Monaten mit Verstand und Vorsicht bereitete, wird nun an dem langsamen Feuer häuslicher, kindlicher Zärtlichkeit schmelzen. Wer hätte auch an die ungeheuere Torheit glauben sollen, dass ein Mensch, der fünf gesunde Sinne hat, um die Einwilligung seines Vaters zum Besitz eines Weibes, das ihm jederzeit gewiss war, zu erhalten, ein Vermögen von mehr als hundert Talenten ausschlagen würde!
Als ich sicher war, dass Teophania nicht bloss in Nikomedien, dass sie unter einem dach mit ihm lebte, und mir den Schluss der Tragicomödie an den Fingern abzählen konnte, war es natürlicher Weise notwendig, Alles vorzukehren, was diese Verbinlange Zeit verschieben konnte, dass mir Musse und gelegenheit übrigte, allerlei andere Hindernisse herbeizuführen.
Hegesippus ist schwach, eitel – und darum sehr lenkbar. Er hatte im ersten Anfall des Zorns seinem Sohne den Fluch gegeben, als er von ihm hörte, dass er ein Christ sei; ich durfte also nur auf diesem Grund fortbauen, und tat es mit Klugheit und gutem Erfolg. Bei der Nachricht von der Gefahr seines Sohnes bekam zwar der schwache Alte eine Art Rückfall, aber ich machte ihm begreiflich, wie sehr er sein Ansehen vor der Welt und bei hof auf's Spiel setzen würde, wenn er jetzt nachgäbe, und den Sohn anerkannte, der sich geradezu als Rebell gegen den kaiserlichen Befehl gezeigt hatte, und ich brachte es dahin, dass er wenigstens öffentlich sich gar nicht um ihn zu bekümmern schien. Aber freilich, wie das bei Menschen dieser Art geht, ich konnte nicht hindern, dass nicht täglich ein Sclave heimlich in das Wittwenhaus abgefertigt wurde, der sich unter fremdem Namen nach allen Umständen des Sohnes erkundigen musste. Ich liess die Torheit hingehen, weil ich sie für unschädlich hielt; aber man soll keinen, auch nicht den unbedeutendsten Umstand ausser Acht lassen, besonders wenn man mit unzusammenhängenden Gemütern zu tun hat.
Ein Paar Wochen waren still vergangen, da erschien plötzlich Constantin, und wandte sich im Namen seines Freundes an Hegesippus, und bat ihn um seine Einwilligung, und seinen Segen zur Heirat. Der Alte war bestürzt, geschmeichelt, gerührt. Er hatte auf dies Zeichen von Liebe und Unterwerfung gar nicht mehr gerechnet, und Agatokles hätte den Botschafter nicht besser wählen können. Der Sohn des Abendländischen Cäsars, der als Client im Namen seines Sohnes, seines innigsten Freundes vor ihm stand! Zum Glück besann sich der schwachsinnige Greis noch so viel, dass er nicht auf der Stelle Ja sagte, sondern die Antwort den folgenden Tag zu geben versprach. Er liess mich rufen, ich war selbst überrascht. – Wer hätte diese neue Torheit von Agatokles vermuten sollen? Da er mir aber so gutmütig die Waffen gegen ihn in die Hand gab, wäre es Wahnsinn gewesen, sie nicht zu brauchen. Ich stimmte dem Alten, was überhaupt nicht schwer ist, und liess ihn in der Ferne eine Aussicht sehen, vor der ihm graute, sein Vermögen zum Nutzen und zur Emporbringung einen Secte angewendet, die er hasste und verachtete, die ihm schon so viel Herzeleid gemacht hatte. Der Entschluss war bald gefasst, Hegesippus gab seine Einwilligung, aber nur bedingungsweise – nur dann nämlich, wenn Agatokles allen Ansprüchen auf sein Vermögen entsagte. Ich konnte mir nicht denken, dass er diese Bedingungen eingehen würde, und eben so wenig, dass die andächtige Teophania, deren Einwirkung ich in jenem Schritte deutlich erkannte, sich entschliessen würde, ihm wider oder ohne des Vaters Einwilligung ihre Hand zu geben. Es war also vorerst ein Hinderniss zwischen ihnen und dem Ziele ihrer Wünsche aufgetürmt, und ich fing an gute Hoffnung zu nähren.
Da zerstörte der rasende Schritt des fanatischen Menschen den ganzen Plan. Er unterzeichnete die Entscheidung. Der Alte wurde gerührt, weichherzig. Er nahm den zurückgekehrten Sohn mit grösster Zärtlichkeit auf, und überschüttete die fromme Schwiegertochter mit prächtigen Geschenken. So sucht seine Erbärmlichkeit den Sinn der Bedingung, die er selbst gegeben hat, töricht zu umgehen. Wie verächtlich sind diese Geschöpfe!
Recht beim Lichte besehen, ist Agatokles vielleicht feiner als ich dachte; wenigstens hätte er sich, wenn er mich zu überlisten gesonnen war, nicht anders betragen können. Er hofft vielleicht, nachdem er nun einmal jetzt die Einwilligung des Vaters erschlichen hat, durch Unterwerfung und kindlichen Gehorsam eines Tages dem weichherzigen Alten auch noch die Erbschaft abzuschwatzen. Doch dafür soll sorge getragen werden. Leucippus, ein Neffe des Alten, der, wenn er ohne Kinder stürbe, sein natürlicher Erbe wäre, ist durch mich bereits von dem Fall unterrichtet, und hundert Talente Goldes, die ihm zufallen, verlohnen schon der Mühe, dass man dem Oheim mit Fleiss und Klugheit den Hof mache.
Doch nicht diese einzige Sache ist's, die meine Galle gegen ihn rege gemacht hat. Er hat mich vor einigen Tagen auf eine Art beleidigt und gereizt, die ich ihm zu vergelten mir fest und sicher vorgenommen habe. Die Zeit wird die gelegenheit herbeiführen, bis dahin bleibt Alles still und ruhig. Du weisst, dass ich mich seit jenem seltsamen Zusammentreffen Calpurnien von Neuem genähert habe. Sie ist schön, sie ist reich, ihr Vater hat bedeutenden Einfluss. Aber mein Gesicht schien ihr