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Constantin unwillig gab, und noch denselben Abend eilte ich, meine vollkommene Verzeihung selbst von meinem Vater zu erhalten. Ich liess mich in einer Sänfte hintragen; ich trat in's Atrium, und befahl dem Sclaven, mich zu melden. Der Anblick unserer Ahnenbilder, die in langen Reihen die Halle zierten, das Andenken an meine Jugend, an meine teure Mutter, an so manche Scenen, die hier vorgefallen waren, das Sonderbare meiner jetzigen Lage, vielleicht auch die höhere Reizbarkeit meines Wesens, eine Folge meiner überstandenen Gefahr, stimmten mich zu ungewöhnlicher Rührung, und als endlich, statt des Sclaven, den ich erwartete, um mich zu meinem Vater zu führen, dieser selbst mit sichtbarer Eile in's Atrium trat, auf mich zuging, und mit Mühe die tiefe Bewegung verbarg, die dennoch jede seiner Mienen verrietda überwältigte mich mein Gefühl, ich zog meines Vaters Hand an meine Lippen, eine Träne fiel darauf, ich war nicht fähig, meinen Dank auszusprechen; aber er verstand meine wortlose Rührung. Als er selbst sich gesammelt hatte, erkundigte er sich höchst gütig nach meiner Gesundheit, meinem Zustande, er fand mich noch sehr bleich und entkräftet, und fasste meinen Arm, um mich zu unterstützen, und in die inneren Gemächer zu führen. Er tat dies mit so sichtbarer Schonung meiner Wunden, dass ich wohl fühlte, er sei von meiner Lage viel besser unterrichtet, als er scheinen wollte. Ich war unaussprechlich gerührt, ich küsste seine Hand von Neuem, ich drückte sie an meine Brust. Er schien mit Gewalt seine eigene Bewegung zu unterdrücken, dennoch nannte er mich sein Kindeine Benennung, die lange nicht zwischen uns gehört worden warer liess mich an seiner Seite niedersitzen, er überhäufte mich mit allen Bequemlichkeiten und Erfrischungen, die er mir in diesem Augenblick verschaffen konnte, und entliess mich erst nach zwei Stunden mit dem Auftrag, ihm des andern Tages meine Braut vorzustellen. Des Instruments wurde nicht gedacht, es schien, als scheute sich mein Vater, seiner zu erwähnen. Irre ich nicht ganz, so waren hier Ratgeber und Freunde tätig, die ihn zu einem Schritte beredet haben, den er selbst vor seinem Gfühl nicht rechtfertigen kann.

So glücklich, so kindlich froh, als Teophania durch die Nachricht von meiner Aufnahme bei meinem Vater wurde, hatte ich sie niemals gesehen. Eine drückende Last schien von ihrer Seele genommen, sie scherzte, sie tändelte, und diese Aeusserungen einer schuldlos reinen Freude, je seltener sie bei ihr sind, gaben ihrem ganzen Wesen einen neuen eigentümlichen Reiz. Der Abend, den ich mit ihr zubrachte, war einer der schönsten meines Lebens. Sein Andenken wird, wie ein strahlender Stern, künftig durch meine Vergangenheit glänzen, und das Bild seines Glückes vielleicht manche trübe Stunde der Zukunft erhellen.

Am andern Morgen schickte mein Vater Larissen sehr kostbare Geschenke. Mehrere Sclaven brachten sie. Die väterliche Liebe wusste das selbstgegebene Gesetz zu umgehen; was dem Sohne nicht werden durfte, sollte die künftige Tochter erhalten. Es waren reiche Gewände, Geschmeide aller Art, köstliche Schleier u.s.w. Auf mein Bitten schmückte sich Teophania sogleich damit, und wir traten in Umgebungen, wie ich sie den Wünschen und Ansichten meines Vaters am entsprechendsten fand, unsern Weg zu ihm an. Er schien angenehm durch Teophaniens Gestalt und Betragen überrascht, das man ihm vermutlich ganz anders geschildert haben mochte. Er empfing sie als die witwe des Demetrius mit unverstellter achtung, und als seine künftige Tochter mit eben so unverkennbarem Wohlwollen. Mir trug er an, so bald ich ganz hergestellt, und der sorgsamen Pflege nicht mehr bedürftig sein würde, in seinem haus zu wohnen. Das war ich beinahe, und so nahm ich mit Dankbarkeit seine Güte an, so wenig mich die Entfernung von Teophanien freuen konnte, die vor der Hand bis zu ihrer Vermählung in dem Wittwenhause blieb. Ich begleitete sie also bloss zurück, und kehrte zu meinem Vater wieder, wo ich bereits meine gewohnten Gemächer mit allen meinen Sachen, die er schnell aus dem Quartier der Leibwache hatte abholen lassen, und noch überdies mit allen Bequemlichkeiten versehen fand, die meine Lage jetzt vielleicht notwendig machen konnte.

Mein Vater machte glänzende Anstalten zu unserer Vermählung. Teophania und ich hätten uns mit dem zehnten teil aller dieser Pracht begnügt, aber wir hatten uns vorgenommen, in allen solchen äusserlichen Dingen ihm, der hierin einen so grossen teil seines Glückes setzt, gar nicht zu widersprechen. Sobald Alles gehörig bereitet war, führte ich Teophanien, als meine Gattin, in das väterliche Haus. Heliodor hatte uns getraut; aber mein Vater äusserte sehr bestimmt, dass er die Braut seines Sohnes auf alt Römische Art in sein Haus aufzunehmen wünschte. Wir fügten uns auch diesem Wunsche, und so wurden Teophanien die Schlüssel des Hauses übergeben1, Feuer und wasser überreicht, die Sclaven vorgestellt u.s.w.; und bis auf das Opfer am Altar der Laren, das ihre Religion verbot, verrichtete sie Alles mit einem Anstand und einer Liebenswürdigkeit, die, das sah ich wohl, ihr das Herz meines Vaters gewann. Seit der schwere Druck des Unglücks nicht mehr auf diesem zarten Gemüte liegt, erhebt sie sich in stiller Heiterkeit, und einem reizenden Frohsinn, der sie zu einem von der ehemaligen Larissa ganz verschiedenen Wesen macht. Sie führt das grosse Hauswesen meines Vaters mit Leichtigkeit und Ordnung, und der frohe Greis scheint sich in dem Umgange