, erschien Tiridates, der rechtmässige Erbe, von den Römern unterstützt, in seinem vaterland. Alles eilte zu seinen Fahnen, und er war bereits wieder Herr seines Reichs, als die Zwistigkeiten in Persien, die seine Fortschritte bisher begünstigt hatten, sich zu seinem Schaden in einen Frieden auflösten, und er nun nicht mehr im stand war, das Erbe seiner Väter gegen die ungerechte Uebermacht der Perser zu verteidigen. Er floh zum zweitenmale aus seinem vaterland aber die Römer, welche wohl einsahen, wie wichtig und nützlich es ihnen sein würde, Armenien von Persien zu trennen, und ihm einen eigenen, ihnen ergebenen Bundesgenossen zum König zu geben, nahmen sich seiner gerechten Ansprüche auf's Neue an, und der Krieg wurde an Narses, König von Persien, erklärt.
8. Calpurnia an Sulpicien.
Rom, im Februar 301.
Ich habe deiner Ueberkunst wegen gestern mit Serranus sprechen wollen. Ich sandte zu ihm, aber er ist krank, und wirklich sehr bekümmert, dass er, wie sein erster Vorsatz beim Empfange deines Briefes war, dich nicht selbst abholen kann. Es waren wirklich schon alle Anstalten zu seiner Reise getroffen, als er krank wurde. Jetzt also komme ich, dich abzuholen, mein Vater hat es mir erlaubt, unser alter treuer Phödo, der Freigelassene meines Vaters, begleitet mich. lebe' wohl! in vier Tagen bin ich bei dir.
9. Agatokles an Phocion.
Rom, im Februar 301.
Tiridates geht nach Mailand zum Cäsar Maximian, von da nach Nikomedien. Zum persischen Kriege werden eifrige Zurüstungen gemacht, in ihnen sieht Tiridates den Keim seiner künftigen Grösse, die Hoffnung unumschränkter herrschaft über das Reich seiner Väter. Galerius scheint ihn zu lieben, wenn Menschen, wie er, oder Cäsarn überhaupt, lieben können. Auch Diocletian ist ihm nicht abgeneigt. Sein schlauer Geist sieht in des Tiridates gegründeten Ansprüchen einen schönen Vorwand, den Uebermut der Perser, die ihm sein Reich vorentalten, zu demütigen. Narses trotzt auf ungeheure Heere, auf seines Ahnherrn Saphor allzugünstiges Glück, und die Cäsarn, eingedenk Valerians1 schimpflicher Gefangenschaft, und seines entehrenden Todes, brennen, die alte Schmach in Perserblut abzuspühlen. So stehen beide Völker einander gegenüber; und nach der vorigen Niederlage des Galerius ist das Auge der Welt auf diesen entscheidenden Kampf gleicher Kräfte ängstlich geheftet. Auch meines, Phocion! und höher schlägt mein Herz bei dem Bilde künftiger Schlachten, grosser Ereignisse, verhängnissvoller Taten, die
Aber nicht allein des Vaterlandes Schicksal, auch das Schicksal des Freundes ist's, was mich diesmal lebhafter als je für diesen Krieg bewegt. Tiridates Glück hängt davon ab. Ich liebe ihn, seine Ansprüche sind gerecht, der Ausgang kann mir nicht gleichgültig sein. Er gründet noch manche andre Hoffnung auf den Fortgang seiner Waffen, die ihm wohl sehr teuer, nach meiner Meinung aber nicht eben so gerecht ist. Sulpicien, die er mit unaussprechlicher Heftigkeit liebt, denkt er durch eine Scheidung, die er durch die Einwirkung des Galerius zu erhalten hofft, ihrem mann zu entziehen, und dann auf den armenischen Tron zu erheben. Es ist Alles unter ihnen verabredet und sicher bestimmt, nur Zeit und gelegenheit wird erwartet. Mir ist diese Sache widerlich, und ich würde einen vorzüglicheren Ruhm darin finden, gar nicht im Geheimnisse zu sein, wo abraten vergebens, und zustimmen wider meine Denkart ist. Nicht viel besser, als der Plan zu einem Raube, scheint mir diese Verabredung, durch überdachte Maassregeln einem mann dass zu nehmen, was rechtmässig sein ist. Mag immer Serranus Sulpiciens schätzbaren Eigenschaften kein gleiches Verdienst entgegen zu setzen haben, und mit eben so viel Leichtsinn als Schwäche über Gebühr an armseligen Vergnügungen hängen – sie ist nach den Rechten der Väter, nach ihres Vaters Willen, mit ihrer eigenen Zustimmung sein Weib geworden, und soll es bleiben, bis gegenseitige Uebereinkunft beider Gatten ein Band, zu lösen für gut findet, das nicht länger mit ihrem Wohl bestehen kann. Tritt einst dieser Fall ein, dann mag sie aus seinem haus in das eines Andern übergehn.
Was noch mehr als diese heimliche Falschheit mich innerlich verdriesst, ist der Leichtsinn, mit welchem Calpurnia in diesen Plan eingeht, und ihn, so viel sie kann, unterstützt. Was könnte dieses Mädchen sein, wenn nicht allzugrosse Leichtigkeit der Denkart, und ihr Hauptgrundsatz, dass Behaglichkeit und Vergnügen der einzige und letzte Zweck unsers Daseins sind, sie über manches Erhabne und Ernste so spielend wegführte. Sie hat viele achtungswerte Vorzüge, sie ist eines hohen Grades vom Menschenliebe, von Freundschaft fähig, manches Opfer sogar bringt sie mit festem Willen und heiterm Sinn, und mitten in dieser würdigen Stimmung geht sie mit unbegreiflichem Leichtsinn zu Torheiten und Aeusserungen über, die mein Gefühl tief verwunden. Aber sie ist schön, Phocion! Sie ist das schönste Weib, das ich je gesehen habe. Das fühle ich, und zürne mir selbst, dass ich es so tief fühle. – Wenn sie, hingegossen auf ihr Ruhebett, die goldne Leier im Arm, durch Ton und Gesang meiner Sinne bezaubert, oder in begeisterter Stellung, noch unendlich reizender durch den seltenen Ernst, der ihre Züge erhebt, schöne Stellen aus unsern Dichtern declamirt, oder endlich, was ich zwar nur ein einziges Mal sah, im pantomimischen Tanz, wie eine Luftgestalt, daherschwebt, und in jeder Bewegung tausend namenlose Grazien entfaltet; o Phocion! wie schön ist sie dann! Nur einmal, wie ich dir sagte,