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schöne Warme, der innige Anteil an meinem Wohl, der wie ein milder Sonnenstrahl aus dieser Strenge hervorbrach, sein blick, der bald strafend, bald freundlich auf mir ruhte, bewegte mich wunderbar. Es erhob sich ein unruhiger Kampf in mir, ich wusste nicht, ob ich ihm zürnen, ob ich von seiner Freundschaft gerührt werden sollte. Das allein fühlte ich dunkel, was dein Brief so deutlich aussprichtso hätte ich nicht von ihm empfangen werden, d i e s e gespräche hätten in unserer Lage nicht geführt werden sollen, wenn Alles gewesen wäre, wie es sollte! Der letzte Grund aller meiner Empfindungen war Schaam und gekränkter Stolz, dem es an schicklichem Anlass zum Ausbruch mangelte. Er deutete das Unentschiedene meines Benehmens falsch, er glaubte, mein Verstand schwanke zwischen meinen und seinen Vorstellungen, indessen Stolz und Zuneigung in meinem Herzen stritten. Er zog mich näher an sich, er beschwor mich um meiner selbst willen, um des Anteils willen, den er, so lange er mich kannte, an meinem w a h r e n Glücke genommen habe, meine Ansichten zu berichtigen, und ernstaft über so wichtige Gegenstände nachzudenken. Ich wurde gerührt, ich drückte seine Handich weiss nicht, Sulpicia, wozu der Mann mich in diesem Augenblicke hätte bereden können! Es war ein seltsames verhältnis von mir zu ihm. Nicht Erwie ich es sonst gewohnt war zu sehenIch war der untergeordnete, der zurechtgewiesene, der nachgebende teil, und eine stimme in der innersten Tiefe meines Herzens erhob sich immer lauter und lauter, um mir zuzurufen, dass ich noch nie so glücklich gewesen war, als in diesem Augenblicke. Was war das, Sulpicia? Welche wunderbare, welche unerhörte Erscheinung! Ich setzte mich neben ihn, meine Hand ruhte in der seinigen, sein glühendes Auge, die seine Röte, die beim lebhaften gespräche sein blasses Gesicht überflog, sein rundlächelnder Mund, unser ganzes verhältnisach, Alles war so anziehend, so gefährlich! Zur guten Stunde rettete mich Urania! Man meldete den Prinzen. Ich warf Mantel und Kappe über. "Du kommst doch Morgen wieder?" rief er mit einem Tone, der mehr als freundlich war. "Gewiss, gewiss, mein teurer Freund!" Ich drückte seine Hand, und entfloh schnell neben Constantin vorbei, der bereits durch den Porticus herauf kam.

Kaum war ich, verloren in tausend süsse Vorstellungen, ein Paar hundert Schritte gegangen, als die verhüllte Gestalt, die mir schon zweimal gefolgt war, schnell auf mich zutrat, mich bei der Hand fasste, und mit einer bekannten stimme sagte: So trifft man die spröde Larissa, in dieser Kleidung, und um diese Zeit? – Der Name wirkte in diesem Augenblicke schrecklich auf michich vergass, dass ich verborgen bleiben wollte. – Larissa! rief ich, fuhr empor, und sah den Fremden erstaunt an. Er warf in eben dem Augenblicke seine Kappe abund so gerechte Götter! Marcius Alpinus stand vor mir, der Mensch, von dem ich unter allen Sterblichen am letzten und unliebsten entdeckt werden wollte! Auch er schien betroffen, mich zu erblicken, es war deutlich, dass er Jemand andern zu sehen gehofft hatte! Also Larissen. Also lebte siealso war sie in der Nähe! Ich fühlte, dass mir eine Ohnmacht nahe war. Marcius Betroffenheit gab mir Zeit, mich zu sammeln. Ob er die wahre Ursache meiner Verkleidung erriet, weiss ich nicht, aber ich habe Grund es zu glauben, obwohl der schlaue Höfling sein genug war, mir eine vollendete Beschämung zu ersparen. O er war sich nur zu gut bewusst, dass er die Faden des Gewebes, das ihm ein unseliger Zufall in die Hand spielte, dadurch nur fester um mich zog! Er bot mir seine Begleitung anwie konnte ich sie ausschlagen? Es lag mir auch zuviel daran, durch ihn etwas Bestimmteres von dieser Larissa zu erfahren. Er hatte sie in Nicäa, unter dem Namen Teophania kennen gelernt, und ich müsste mich sehr irren, wenn sie nicht einigen Eindruck auf ihn gemacht hat. Wie sie den Händen der Goten und dem tod entgangen ist, wusste er nicht zu sagen, oder wollte es nicht. Genug sie lebte, und trieb mit seiner Kunst ihr Spiel so lange und so geschickt, bis sie endlich, ohne sich bloss zu geben, in Agatokles Nähe, und zu der Möglichkeit gekommen war, ihre alten Ansprüche geltend zu machen. Er hat ihr in Nicäa nachforschen lassensie spielte die Spröde, entfloh ihm, um ihn mehr zu reizenund liess sich endlich hier von ihm finden. Die Heuchlerin!

Ich schlief die Nacht wenig. Entgegengesetzte, quälende Empfindungen durchkreuzten mein Innerstes. Ich beschloss, meinem Vater die ganze Sache zu entdecken. Er nahm sie so auf, wie ich besorgt hattenicht hart, aber streng. Was mich am tiefsten verwundete, war die Wahrnehmung, dass nicht meine Neigung für Agatokles, nur mein gewagter Schritt seinen Tadel erregte. Eine unverhehlte achtung, eine väterliche Zuneigung sprach sich unwillkührlich in seinen Aeusserungen aus, und ich fühlte mit tiefem Schmerz, dass ihm dieser Schwiegersohn vor allen Andern lieb gewesen wäre.

Spät am Abend dieses Tagesdu kannst denken, dass ich nicht mehr zu Agatokles gingliess sich Constantin melden. Sein Besuch ist eine solche Seltenheit in unserm haus, dass mich unter den jetzigen Umständen