Ich weiss nicht mehr, was ich gesagt habe, aber bei dem Namen Larissa fuhr mein schöner Knabe plötzlich empor, vergass seine Verkleidung, sah mir starr in's Gesicht, und – stelle dir meine Verwunderung, mein Erstaunen vor – es war die reizende Calpurnia!
Sie schien eben so betroffen über meinen Anblick und ihre Entdeckung, als ich. Sie wollte stolz und verächtlich tun, aber es gelang ihr nicht gegen einen Mann, der sie in dieser Kleidung, und auf diesem Wege getroffen hatte. Sie fühlte die Blösse, die sie mir gegeben hatte, und wurde artiger. Dass Larissa lebte, und hier in Nikomedien, und wahrscheinlich in der Nähe ihres Jugendfreundes wäre, war ihr sehr unerwartet. Es erschreckte sie, das sah ich deutlich, und ich benützte diesen Schrecken. Ich erzählte ihr Manches, das wenigstens so hätte sein können – von Agatokles Treue zu Larissen, von manchem Schritt, den er getan haben könnte, und – vielleicht auch getan hat. Sie wurde zusehens stiller, nachdenklicher. An ihrem haus beurlaubte ich mich von ihr, und erhielt mit vieler Artigkeit die erlaubnis, unsere langst abgebrochene Bekanntschaft wieder zu erneuern, und sie zu besuchen. Was wollte sie auch Anders? Sie ist in meiner Macht, ich weiss ein geheimnis von ihr, das sie nicht gern laut werden lassen wird, sie muss mich scheuen. So knüpfen sich leise Fäden an, und wir wollen sehen, wohin sie führen.
Zwei Tage später erfuhr ich denn auch, dass meine Vermutungen nicht ganz ungegründet gewesen waren, und Teophania in dem Wittwenhause lebte, wohin man Agatokles nach seiner Verwundung gebracht hatte. natürlich hatten sie sich erkannt, und alle alten Verhältnisse waren wieder hergestellt. Ich hätte nicht geglaubt, dass die Bestätigung einer Sache, die ich als längst geschehen oder wenigstens als nächstens geschehend, betrachten musste, mich so tief reizen könnte. Ich wurde ärgerlich, ich fühlte, dass Teophania, vielleicht ihrer Sonderbarkeit wegen, mir mehr war, als die schöne Calpurnia, und ich entwarf meinen Plan. Er darf sie nicht besitzen – dies zu verhindern soll meine sorge sein.
Indessen auch Calpurnia ist schön, ihr Vater Proconsul, und von mächtigem Einfluss, und ich werde vorsichtig genug sein, um über Teophaniens ungewissen Besitz ein so nahes reizendes Glück nicht zu verscherzen. Ich denke immer, es sollen sich Beide vereinigen lassen. Nächstens hörst du mehr und bedeutenderes von mir. lebe' wohl!
77. Calpurnia an Sulpicien.
Nikomedien, im März 303.
Hat ein Gott dir mein Geschick geoffenbaret? Ist dir, als du nahe an der Pforte der Unterwelt warst, die Gabe der Weissagung verliehen worden? Ja, meine Hoffnungen sind zernichtet, und die schwarze Gestalt ist mein böser Dämon – sie ist – das Aergste, was für mich auf Erden lebte!
Dein Brief hat mich sehr traurig gemacht. – So waren auch meine trüben Ahnungen über dein Schicksal wahr! Du standest am rand des Grabes, und ich bin getrennt von dir, und viele Tage vergehen, bis ich Nachricht von dir erhalten kann! Längst kann ein unglücklicher Zufall die günstige Kunde Lügen gestraft haben, die ich vielleicht in diesem Augenblicke mit Freuden lese, und indem ich mit Vergnügen an deine Besserung glaube, hat ein neuer Anfall dich in Gefahr gesetzt.
Du sprichst von meinem verhältnis zu Agatokles mit düsterm, aber nur allzu wahrem Tone. Ja, es ist entschieden – für immer, und unwiderruflich! Wenn ich hier noch zweifeln oder hoffen könnte, würde ich dem Wahnsinnigen gleichen, der sich einbilden könnte, das Schiff, das er in diesem Augenblick vom wenig Tagen wohlbehalten mit günstigem Winde in dem Hafen einlaufen. Jetzt erst, Sulpicia – jetzt, wo Alles klar und entschieden ist, fühle ich, dass der Eindruck tiefer war, als ich glaubte!
Larissa ist gefunden, sie und Teophania sind eine person. Nun ist mir ihr ganzes Betragen in Syntium, seine Bewegung, als er ihre Briefe sah, seine Nachforschungen nach der rätselhaften! Fremden begreiflich, in der sein ahnendes Herz die frühe Geliebte erriet. Sie lebt jetzt mit ihm in einem haus, sie pflegt seine Wunden, sie ist den ganzen Tag um ihn, er wird sich unauflöslich mit ihr verbinden, er wird sein ganzes Glück in ihren Armen finden, und die übrige Welt wird aus seinen Blicken verschwinden.
Beim Jupiter! Eine seltsame geschichte! Und warum muss die Laune des Schicksals mich, gerade mich in das wunderbare Geschick dieser schwärmerischen Menschen verwickeln? Warum musste ich ihn kennen lernen? Ich war so glücklich vor diesem Zeitpunkt. Habe ich ihn nach Rom beschieden, ihn angezogen, dass ich nun so bitter gestraft worden?
Du wirst dich erinnern, dass ich mich belauert glaubte, aus Vorsicht nahm ich das nächste Mal Phädo und seinen Sohn mit mir. Ich fand Agatokles wirklich gebessert, seine stimme war stärker, sein blick heiterer, aber mit der Kraft des Körpers schien auch die ganze Strenge seiner Gesinnungen wiederzukehren. Er hatte des Gespräches vom vorigen Abend nicht vergessen, er fing davon an, er drang mit hohem Ernst in mich, dem Höchsten und Heiligsten, wie er die Vorstellungen von unserer Bestimmung, der Zukunft, dem Schicksale nennt, meine ganze Aufmerksamkeit zu widmen. Die Harte in seinen Aeusserungen überhaupt, sein Tadel meines L e i c h t s i n n e s , wie er es nannte, hätte mich aufbringen können. Aber die