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zu ungleich sein, als dass er nicht erliegen müsste. Doch bis sich dies Alles entscheidet, kann mancher Zufall tückisch dazwischen treten. Ein Jahr, vielleicht noch länger, kann darüber hingehen; denn Diocletian, der Rom noch nicht als Kaiser gesehen hat, will seinen Triumph noch vorher dort feiernund übereilt darf nichts werden.

Du siehst, dass mir das Glück zu lächeln anfängt, und es bleibt sich im Kleinen wie im Grossen treu. Die andächtige Larissa war mir, wie du weisst, entflohen, gerade in einem Zeitpunkte, wo ich sie als Christin und Hausgenossinvielleicht als Mitverschworne des verdächtigen Lysias in meine richterliche Gewalt zu bekommen, und natürlicher Weise nur um einen hohen Preis zu entlassen dachte. Wie leicht wäre es gewesen, ein unbekanntes geschöpf wie sie, in den Augen der Welt, und zuletzt in ihren eigenen, als schuldig erscheinen zu machen! Aber, wie gesagt, sie war entflohen, und keine Spur von dem Wege zu finden, den sie genommen hatte.

Endlich erfuhr ich, dass der alte Priester, mit dem sie nach Nicäa gekommen war, sich hier aufhalte, und dass ihn auf der Reise ein junges Frauenzimmer begleitet habe. Es ward mir je mehr und mehr unzweifelhaft, dass es Teophania war, dass sie in Nikomedien sei; aber alle Nachforschungen konnten nichts entdecken, wo und in welchen Verhältnissen sie hier lebe. Indessen kam der unruhige Tag, wo die christlichen Kirchen zerstört wurden. Agatokles, der sich schon einige Zeit vorher als ein Mitglied dieser Secte bekannt und geweigert hatte, sich gegen sie gebrauchen zu lassen, trat auch jetzt als ihr Verteidiger auf, und ward ein Opfer seiner Tollheit, und seine andächtigen Mitbrüder brachten ihn in ein Haus vor der Stadt, in welchem einige alte christliche Weiber in frommem Müssiggang beisammen leben. Bei dieser gelegenheit zählte ich nun sicher daraus, die verborgene Teophania zu entdecken, die, wenn auch sonst nichts in der Welt, doch wenigstens die Gefahr ihres Freundes bewegen würde, ihren Schlupfwinkel zu verlassen. Ich hielt mich daher viel in der Gegend dieses Hauses auf, und sieh da, am Abend des folgenden Tages, als es schon ganz dunkel geworden war, sah ich eine schlanke Knabengestalt, sorglich in Mantel und Kappe verhüllt, mit einem etwas ängstlich trippelnden Schritt, von einem alten Mann begleitet, aus dem haus treten. Die ganze Haltung des vermeinten Knaben, eine zarte weibliche stimme, die dem Begleiter etwas leise zuflüsterte, Alles erregte Verdacht in mir, und die Mutmassung, dass es Teophania sei, die in dieser Verkleidung den geliebten Freund besuchte, ward mir beinahe zur Gewissheit. Ich folgte ihr auf dem fuss nach, aber unter dem Stadttor verlor ich sie unter einem grossen Haufen von Menschen, der sich hin und her drängte, und mich lange Zeit von ihr entfernt hielt. Als ich aus dem Gewühle war, sah ich keine Spur mehr von ihr, es war Nacht geworden, und ihr Entkommen eben so begreiflich, als ärgerlich für mich.

Ich war nun noch begieriger geworden, etwas Bestimmtes zu erfahren. Am nächsten Tage Abends stellte ich mich wieder auf die Lauer, und richtig kam mein verkleidetes Bürschchen desselben Weges. Ich vernahm wieder die weibliche stimme, obwohl ich nicht verstehen konnte, was sie sagte, und ging ihr voll Neugierde nach.

Innerhalb des Tores sähe ich sie durch einige kleine Strassen bis in ein unscheinbares Haus gehen, ich ziehe mich zurück, um nicht gesehen zu werden, und wie ich vermuten kann, dass sie in dem Zimmer ist, erkundige ich mich um die Bewohner. Das Haus gehört einem kleinen Kaufmann, der ein Christ ist, und bei dem sich seit der Zerstörung der Kirchen einige dieser Fanatiker versammeln, um ihre Ceremonien und Opfer zu halten. Ich wartete eine Weile vor dem Tore, es kamen nach und nach Menschen von allerlei Alter und Stand, die alle geheimnissvoll eingelassen wurden, und ich schloss daraus, dass eben jetzt eine solche Versammlung gehalten würde, bei welcher die andächtige Teophania zu erscheinen nicht versäumen konnte. Alles schien sich natürlich und höchst wahrscheinlich an einander zu reihen, und ich beschäftigte mich in meinem Hinterhalte bereits mit Entwerfung verschiedener Plane, wie ich die gesetzwidrige Versammlung auseinander stäuben, und Teophanien zugleich in meine Gewalt bekommen könnte. Unterdessen war es spät geworden, es kam Niemand mehr, ich hörte das Tor von innen verschliessen, und da ich nicht so lange warten wollte, bis die andächtige Gemeinde auseinander gehen würde, verliess ich meinen Posten mit einem süssen Gefühl naher Rache, und mit einem Kopf voll Anschläge und Plane. Meine Ungeduld liess mich kaum den folgenden Abend erwarten. Ich war entschlossen, Teophanien geradezu anzureden, und mich ihrer ersten Bestürzung zu bedienen, um zu erfahren, was ich vermutete. Nicht weit vom haus begegnete sie mir, von zwei Sclaven begleitet, vermutlich weil sie bemerkt hatte, dass man ihr auflauerte. Sie ging sehr schnell. Ich betrachtete ihre Gestalt aufmerksam, und je mehr ich sie betrachtete, je mehr überzeugte ich mich, dass dieser vermeinte Jüngling ein verkleidetes Weib sei. Dass sie etwas kleiner als Teophania schien, irrte mich nicht, denn ich mass es der männlichen Kleidung bei, und so trat ich bei einem Gebüsche, weit von den Häusern, wo es ganz einsam war, plötzlich auf sie zu, fasste sie bei der Hand, und redete sie als Larissa an; denn ich glaubte meiner Sache ganz gewiss zu sein.