der Freude seines Freundes. – "Nein, mein Agatokles!" sagte er lächelnd, "sie lebt wirklich, du hast sie wieder, und ich freue mich herzlich darüber." Er fasste meine Hand: "Ich habe dich schon gestern erkannt – du fühltest es wohl, ob du es schon nicht gestehen wolltest." Ich lächelte, und bat ihn, der sorge für seinen Freund diese Zurückhaltung zu verzeihen. Agatokles nahm jetzt unsere beiden hände in seine Linke, und drückte sie herzlich. "O mein Constantin! meine Larissa! – Meine Teophania! denn so will ich dich fortan nennen, mit diesem Namen wurdest du für mich wiedergeboren. So war es auch kein Traum, als ich deine Gestalt in der ersten Nacht zu sehen, deine stimme zu hören glaubte? O wie konntest du so hart sein, mir dies Glück durch vier lange Tage zu entziehen, und so kalt in meiner Nähe leben, ohne dich zu verraten?" Ich errötete. "Wenn Constantin dir den Brief ganz gelesen hat – sagte ich endlich – so weisst du" – Das war nicht geschehen. Agatokles Ungeduld hatte nicht so lange gewartet. Jetzt las Constantin – ich fühlte, dass heisser Purpur mein Gesicht bedeckte, meine Tränen flossen, und doch war ich selig. Mit den letzten Worten des briefes entfernte sich Constantin schnell. Nun waren wir allein, allein mit unsern vollen Herzen, mit unserm Glück. Agatokles sagte nichts, er reichte mir schweigend die Hand, und sah mich mit einem unbeschreiblichen Blicke an. Sein Auge schimmerte feucht, ich sah Tränen darin. Ach Junia! zürne der irdisch-gesinnten Freundin nicht, ich fühlte mein Inneres gewaltsam zu ihm gezogen, ich sank an seine Brust, unsere Lippen berührten sich innig und fest, unsere Seelen flossen in einander. Ach es war der erste Kuss seit jenem letzten Abschied an den Hecken in meines Vaters Garten! Aus seinem Arm glitt ich am Bette auf meine Kniee nieder, ich betete. – O, Gott kann diese schuldlose Aeusserung inniger Liebe nicht verdammen, was auch Heliodor sagen mag; denn ich konnte beten. Agatokles gab der heftigen Spannung, in der sich meine Seele befand, eine sanfte Richtung. Er zog die goldene Nadel aus meinen Haaren, und begann ein süsses Spiel damit, wie in den stillen Tagen unserer ersten Liebe, er schlang seine Hand in meine Locken, er ordnete sie, und zerstörte tändelnd wieder, was er erst gemacht hatte. Ich liess ihn gewähren, und war so glücklich! Ich erzählte ihm von meinem Aufentalt bei dem guten Fritiger, von Syntium, von meiner Angst meiner Eifersucht. Er lächelte, er gab mir unter tausend Liebkosungen die heiligsten Versicherungen seiner Treue. O es war schon seit seinem ersten Worte kein Zweifel mehr in meiner Brust! So schwatzten, so tändelten wir fort, glücklich wie die Kinder, und sorglos wie sie, bis Heliodor's Ankunft uns in die Wirklichkeit zurückrief. Agatokles sagte mir nun, dass sein Uebergang zum Christentum ihn den Segen und die Reichtümer seines Vaters gekostet habe. Sein Sold als Tribun und sein mütterliches Erbteil war Alles, was er besass. Stockend trug er es mir vor, ich schauderte bei dem Fluche seines Vaters – aber wie konnte das Zweite mich rühren? "Wir werden miteinander leben!" rief er mutig, "wir werden Alles teilen, Glück und Unglück, viel oder wenig, was Gott sendet! Bist du's zufrieden, Teophania! so gib mir deine Hand am Altar, so bald ich im stand bin, dir meine Rechte zu reichen, sobald ich genese." Ich drückte seine Hand an meine Brust, mein Auge antwortete ihm. Heliodor wird uns vereinigen, hub Agatokles an, und sah dem strengen Greis freundlich in's Gesicht. So eisern ist seine Brust doch nicht, dass ihn eine so rein menschliche Freude nicht gerührt hätte. Ihr verdient euer Glück! sagte er, indem er nach einigem Bedenken naher trat, denn ihr seid gut und fromm; und wenn ihr's denn in der Ehe zu finden glaubt – der Herr hat den Ehestand auch eingesetzt, und Christus ihn geheiligt – so werdet denn Mann und Frau, ich will euch trauen. Agatokles schüttelte ihm die Hand, ich küsste sie ihm mit kindlicher Rührung. So strenge er es mit mir gemeint hatte, so war er doch der Schöpfer meines Glücks geworden. Er musste selbst lächeln, als ich es ihm vorerzählte; aber dies Lächeln verschwand bald vor dem gewohnten Ernst. Er fasste Agatokles Hand: "Dein Blut wallt fieberisch, du bedarfst der Ruhe, Teophania geht mit mir." Er ergriff mich bei'm Arm. Nimmermehr! rief Agatokles mit einer Heftigkeit, die ich ihm kaum zugetraut hätte. Sie ist mein, meine Braut, sie bleibt bei mir. Er richtete sich schnell auf, und zog mich mit Gewalt zurück; denn gewohnt, Heliodor'n zu gehorchen, hatte ich mich bereits ein Paar Schritte entfernt. Heliodor sah uns finster an, dann schleuderte er meine Hand hin: Nun so treibt eure Abgötterei fort! rief er entrüstet, und ging aus dem Zimmer. Ich stand verlegen. Furcht vor Heliodor's Zorn, sorge für die Gesundheit meines Freundes, und das heisse Verlangen, ihn keinen Augenblick zu verlassen, stritten in mir. Agatokles sah mich ernst an: "Du wankst?" sagte er, "