, dass sie eine Bahre niederliessen, auf der ein Verwundeter lag. Meine erste Angst war verschwunden, aber ein anderes namenloses Gefühl, eine bange Ahnung ergriff mich. In demselben augenblicke kam Tabita, meine Gefährtin bei der Pflege der Verwundeten, um mich zu holen. Ich raffte meine Geräte mit zitternder Eile zusammen, und folgte ihr beklommen und hastig; es war, als ob mein Herz mir mein Schicksal verkündete. Ach, es betrog mich nicht! Als ich an den Torweg kam, als die Soldaten stumm und trauernd zurückwichen, und ich nun beim Fackelschein Alles erkannte – o Gott – da lag Agatokles – bleich, leblos, mit geschlossenen Augen in allem seinem Blute vor mir. Ich sank mit einem lauten Schrei an ihm nieder, ich nannte seinen Namen, ich versuchte es, ihn in's Leben zurückzurufen. Vergebens. Er schien tot, und ich weiss nicht, welche Kraft mich in diesem entsetzlichen Augenblick vor der Ohnmacht bewahrte. Ich raffte mich auf, ich vermochte zu fragen. O Junia! Wenn es möglich ist, so fühle die Wonne nach, die mitten in der Todesangst mich durchschauerte. Agatokles war ein Christ! Der Eifer für unsere Religion, und heldenmütige Menschenliebe hatten ihn in diesen Zustand versetzt. Ich bebte vor Freude und Angst, aber Gott erhielt mir meine Besinnung so, dass ich für seine Pflege sorgen konnte. Ich folgte den Kriegern, die ihn schweigend und bestürzt trugen. O wie tat die Treue, mit der diese rauhen Männer ihren geliebten Führer ehrten, meinem Herzen so wohl! Nun begann ich mit zitternden Händen seine Wunden zu waschen, und, so gut es die Eile verstattete, zu verbinden. Ein geheimer Hoffnungsstrahl drang in meine Seele; so viel ich verstand, konnten diese Wunden nicht tödtlich sein, und nur der Blutverlust hatte diese Erschöpfung hervorgebracht. Er lag ohne laut, ohne Zeichen des Lebens, die Augen wie im Todesschlummer geschlossen. Aber, o meine Junia! wie schön, wie unaussprechlich liebenswürdig schien er mir in dieser Blässe, in diesen Wunden! Wie erhaben stand seine Tugend vor mir!
Jetzt erwarteten wir alle mit ängstlicher sorge Heliodors Ankunft, den man von einem andern Kranken gerufen hatte; denn er versieht mit beispielloser Anstrengung und Treue das dreifache Amt des Lehrers, Arztes und Priesters bei der Gemeinde. Auf ein Mal öffnete sich die tür, und ein schöner junger Mann trat mit königlichem Anstand ein. Er eilte sogleich auf Agatokles zu. Die Hastigkeit, mit der er sich nach Allem, was vorgefallen, erkundigte, die Liebe, mit der er sich um ihn beschäftigte, sein sinkendes Haupt erhob, seine starren hände fasste, und drückte, gewannen ihm mein innigstes Wohlwollen. Jetzt kam Heliodor, er untersuchte die Wunden, er prüfte lange, vorsichtig – mein Innerstes bebte, ich fühlte, wie ich zitterte, und der Stuhl mit mir schwankte, an dem ich mich während dieser schweren Minute hielt. Endlich verkündete Heliodors Ausspruch Leben – und mein Herz, das den ganzen Umfang des Schmerzens zu fassen im stand gewesen war, erlag der Freude. Ich sank ohne Bewusstsein zu Boden. Man brachte mich in's Nebenzimmer. Hier, als ich erwachte, als ich fähig war zu begreifen, dass die Vorgänge dieses Abends kein Traum gewesen waren, ergoss sich meine Seele in heissen Gebeten des Danks und der Liebe. Ich fragte nach Agatokles. Er hatte sich wieder ein paar Mal so weit erholt, dass er die Augen aufgeschlagen, und einige Worte gesprochen hatte. Man gab mir die beruhigendsten Hoffnungen, Heliodor hatte meine Ahnung bestätigt; nicht die Wunden, nur der Blutverlust hatten ihm diese todtähnliche Betäubung zugezogen – sie wird aufhören, wie seine Kräfte sich erholen.
Sobald ich einigermassen mein Herz beruhigt fühlte, setzte ich mich hin, dir zu schreiben, und dir zu sagen, dass es mir nicht möglich ist, meine Blicke vor den schönen Aussichten, die sich mir eröffnen, mit gehöriger Standhaftigkeit zu schliessen. Soll es denn blosses bedeutungsloses Zusammentreffen sein, was mich von den Ufern der Goten bis hierher brachte, was mich gerade jetzt zur Pflege der Verwundeten bestimmte, und mir den teuren Freund in diesem Augenblick schenkte? Er ist ein Christ. Wie kann er Calpurnien seine Hand reichen? Wie kann er, der so hohe Begriffe vom Zusammenklang der Seelen hat, ein Mädchen lieben, das über den wichtigsten Gegenstand des Menschen ganz verschieden von ihm denkt? O Junia! Welche beglückenden Folgen liegen in diesen fragen verborgen! Aber noch muss ich mein Herz halten, noch darf ich mich ihnen nicht überlassen, und vor Allem darf Agatokles jetzt noch nicht wissen, wer ich bin. Wie er auch immer für mich fühle, was sein verhältnis zu Calpurnien sein mag – eine gähe Entdeckung könnte sein Leben in Gefahr setzen. Noch muss ich verborgen bleiben, aber ich hoffe, die Zeit, das Leben in seiner Gegenwart wird bald meine Zweifel lösen, und dann soll er nach und nach erraten, wer an seinem Lager weinte, und wachte, oder – ich fliehe mit meinem unauslöschlichen Gram ihn, mein Vaterland, die Welt, und begrabe mich in einer tiefen Einsamkeit, in die nur deine Freundschaft zuweilen einen Strahl des Trostes bringen soll.
Am 24sten Abends.
Die Zweifel sind gelöst – mein Schicksal ist entschieden! O es war töricht, vermessen, so ungegründeten Hoffnungen auch nur einen Augenblick Raum zu geben! In welchen Betracht kann die Verschiedenheit der