Wahl nicht schädliche Folgen haben könnte. Es ging hierin, wie es in der Welt gewöhnlich geht: An das Wesentliche dachte man nicht, und nachdem der Schaden einmal geschehen war, konnte er nicht wieder gut gemacht werden. War es aber auch meine oder der Prinzessin Schuld, dass diejenigen, welche, ihrem stand nach, zu uns hätten passen sollen, als ob sie für uns geboren gewesen wären, nicht zu uns passten? Wir konnten unserm Wesen nicht entsagen, ohne uns herabzuwürdigen; aber diejenigen, mit welchen wir zu schaffen hatten, konnten dies sehr wohl; und alles Unglück, das uns begegnete, rührte nur daher, dass sie in ihren Gewohnheiten allzu tief versunken waren, um das Edlere und Bessere zu lieben.
Ehe ich die Rätsel löse, welche in dem vorhergehenden Abschnitt entalten sind, muss ich, aus achtung für die Zeitfolge, noch des Todes meines Pflegevaters erwähnen. Er starb, nachdem ich ungefähr drei Jahre am hof gelebt hatte. Über sein Hinscheiden weiss ich nur das zu sagen, dass es das Hinscheiden eines ächten Christen war, der, wenn seine letzte Stunde geschlagen hat, mit Ergebung in den Mittelpunkt der Gesellschaft zurücksinkt, welcher er sich, sein ganzes Leben hindurch, nützlich zu machen gestrebt hat. Das Testament, welches er zurückliess, war ganz eigentümlichen Inhalts, in sofern er seiner eigenen Schwester den kleinsten, mir hingegen den grössten teil seines Vermögens mit dem Zusatze vermachte, dass davon nie etwas auf seine Verwandten zurückfallen sollte. Ich erbte auf diesem Wege von ihm nicht weniger als dreissigtausend Taler; eine ungleich grössere Summe, als wofür man sein Vermögen bis dahin angenommen hatte. Das Wahre von der Sache aber war unstreitig, dass die eben genannte Summe nicht zu seinem Vermögen gehörte, sondern ihm nur von denjenigen anvertrauet war, die es für gut befanden, meine Abkunft zu verschleiern. Immer hatte ich so viel gewonnen, dass ich, ohne mein Kapital anzugreifen, von den Zinsen desselben mit Anstand und Freiheit leben konnte. Dies war die Ansicht, welche ich fasste, sobald ich mich über den Hintritt meines Pflegevaters beruhigt hatte; und dieser Ansicht gemäss nahm ich mir vor, nie zu heiraten, indem ich noch immer daran verzweifelte, einen Mann zu finden, wie der Herr von Z... gewesen war. Auf meine Verhältnisse am hof wirkte die Unabhängigkeit, die ich durch mein Vermögen erworben hatte, nicht weiter zurück; denn diese waren so gut, als sie werden konnten, da ich mich schon vorher durch meine innere Kraft frei gemacht hatte.
Ich war kaum mit meiner Erbschaft im Reinen, als das ...sche Fürstenhaus um die Hand der Prinzessin Caroline für den Erbprinzen Carl werben liess. Ohne gerade glänzend zu sein, war dieser Antrag ehrenvoll; auch wurde er keinesweges zurückgewiesen. Was man von dem Erbprinzen sagte, war so beschaffen, dass er zu den frohesten Erwartungen berechtigte; man schilderte ihn nämlich als einen schönen jungen Mann von den besten Sitten und den herrlichsten Eigenschaften des Gemüts und des Geistes. Der ganze Hof schätzte die Prinzessin glücklich, einen solchen Bewerber gefunden zu haben; und sie selbst gab sich der süssen Täuschung, alle ihre Wünsche nach kurzer Frist erfüllt zu sehen, nur allzu bereitwillig hin. Da unser Hof den Rang vor dem ...schen hatte, so wurde nur die Bedingung gemacht, dass der Erbprinz sich in eigner person bewerben möchte, und diese Bedingung zu erfüllen, erschien derselbe andertalb Monate darauf. Eine schöne Figur, mit einem gesicht, dem es weniger an Adel, als an bestimmten Ausdruck fehlte! So wie sich der Prinz zum erstenmale produzirte, musste er gefallen. Die Prinzessin Caroline war eben so bezaubert von seinem Betragen, als von seiner Gestalt. Mir entging, bei einer fortgesetzten Aufmerksamkeit auf den Prinzen, nicht, dass eine gewisse Heftigkeit in ihm war, die sich auf den ersten besten Gegenstand wirft, weil sie denjenigen noch nicht gefunden hat, der sie anhaltend beschäftigen könnte; allein, wie wichtig mir meine Entdeckung um der Prinzessin willen sein mochte, so hielt ich es doch nicht der Mühe wert, darüber ein Wort fallen zu lassen, da sie einen Fehler betraf, der sehr leicht zu verbessern ist. Die Vermählung würde ohne Carolinens Einwilligung beschlossen und vollzogen worden sein; aber dies war so wenig notwendig, dass in dem vorliegenden Falle das Herz recht eigentlich im Bunde mit der Politik zu sein schien, oder vielmehr wirklich war. Das einzige, was die Prinzessin sich ausbedung, war, dass es ihr erlaubt sein möchte, mich als Gesellschaftsdame mit an den ...schen Hof zu nehmen; eine Bedingung, die man sehr gern gestattete.
Von der Vermählung der Prinzessin, welche einige Monate darauf an unserem hof vollzogen wurde, kein Wort; denn sie war, wie dergleichen immer zu sein pflegen. Vierzehn Tage darauf erfolgte die Abreise. Während der Reise hatte ich mehr als eine gelegenheit, die Bemerkung zu machen, dass meine erste Entdeckung in Betreff des Erbprinzen eine sehr richtige gewesen sei, und ich gestehe, dass ich jetzt anders darüber urteilte, als vorher; allein wenn mir die Mitteilung meiner Entdeckung früher nicht der Mühe wert geschienen hatte, so war sie jetzt zu spät, und mein Vorsatz konnte kein anderer sein, als mich mit der grössten Behutsamkeit zu betragen, im Fall meine Freundin selbst aus ihrer bisherigen Täuschung erwachen sollte. Diesem Vorsatze gemäss betrug ich mich so, dass ich die