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zuwider sein konnte. Tausend Versuche ihn der Kunst wieder zu gewinnen, glitten an der verschlossnen Seele des gereitzten Jünglings ab, der endlich unwillig ausrief: Ich kann nun einmal weder die Ruhe, noch die Freiheit erringen, in den abgeschlossnen Bahnen eine Welt aus mir hervorzurufen, die reich und gehaltvoll genug wäre, um mein Verlangen zu stillen, und ich will der natur den Schimpf nicht antun, zu glauben, als führe nur ein Weg zur Seligkeit. Ich habe es immer gefühlt, sagte der Mahler, dass dir die rechte Liebe fehle, aber ich glaubte dich nun schon zu vertraut mit der Kunst, um je wieder von ihr lassen zu können. Jetzt sehe ich wohl, es war der Ritter und das Schwerdt, was dich an jenem Abend in der Hütte bewegte, und nicht die Freude am Bilde selbst, wie ich töricht glaubte. Und doch, sagte Rodrich, durch jene Erinnerungen erweicht, ich kann da nichts trennen, und ich wollte, ich hätte diese Einheit, dies Zusammenfallen oder Zusammenhalten der Gefühle in allen Verzweigungen des Lebens bewahren können, aber da spaltet und fächert sich alles so seltsam von einander, dass die rechte Lust in tausend Stückchen zerbröckelt, und nichts übrig bleibt, als die dürre überlegung, die in besonnenen Augenblicken das Gerippe zusammenhält.

Der Mahler wandte sich verdriesslich von ihm ab, und er blieb in dem Andenken des hervorgerufnen Bildes und der Stunde versenkt, die ihn zuerst der Welt zuführte. Alles was er dem gütigen Beschützer verdankte, die edlere Bildung, äusseres Wohlsein, die jetzigen Verhältnisse, alles dies reihete sich unmittelbar an jene Erinnerungen, und es tat ihm leid, sich so schroff und stolz gezeigt zu haben, da auch sein jetziger Tadel eine Teilnahme verrate, welche die Liebe für ihn und die Kunst so umfasse, dass er sie vielleicht selbst nicht zu trennen wusste. Indessen war es ihm tröstlich, dass ihm dieser Streit wieder neue Anregungen gegeben, und ihn klar einsehen lehrte, wie nur das bewegliche, flüssige Licht des Geistes durch alle zeiten fortströme, und sich von Geschlecht zu Geschlecht in den Herzen verjünge, während die kleinen Werke der Menschen zerfallen und ihr unscheinbares Dasein von der Erde verschwindet. Und so, rief er, ist auch die stille Liebe und Seligkeit der Unglücklichen, deren Grab ich heute betrat, nicht gestorben, denn alles, was nur recht tief im inneren empfunden wird, das ist so gewiss ewig, wie das Leben selbst. Er sehnte sich mehr als jemals nach dem Kriege, wo die Gegensätze recht scharf hervorspringen, und der Mensch so gross über die Erde hinsieht und sich freudig vergisst in der Ehre und dem Ruhm, der ihn weit überleben soll. Unter diesen Gedanken ging er mit raschen Schritten auf und ab, als ganz unerwartet, die beiden Mädchen vor ihm standen, die ihn vor wenigen Augenblicken so ergötzten. Es waren zwei zarte Röschen, deren nahes Erschliessen sich in den halb jungfräulichen halb kindischen Blicken und Geberden offenbarte. Die Älteste sah schon recht listig aus dem Strohhütchen hervor, und als sie Rodrich umschlang, wehrte sie den Kuss nur leicht ab, der den frischen Mund flüchtig berührte. Die kleine Laura erzählte nun alles, was sie auf dem Herzen hatte, und wünschte sehnlich, die Aufmerksamkeit des schönen Herrn auf sich zu ziehen. Rodrich hörte auch willig zu, und liess sich gern von dem Syrenenstimmchen in den süssesten Taumel hineinschwatzen. Cyane trieb indess zur Eile, da die Musi klängst angefangen hätte, und in der Laube schon getanzt würde. Als sie unter das Laubdach traten, kam ihnen Marie mit einem Korbe der schönsten Kränze entgegen, die sie überall an den Ranken befestigte, und das bunte Gewinde in der Luft spielen liess, was den lustigsten Anblick gewährte, indess die bewegten Blumen erfrischenden Duft verbreiteten und die zarten Wangen der Mädchen mit ihrem Glanze färbten. Alles war wie berauscht, und der Wirt, der es wirklich war, lief mit lächerlichen Geberden umher, und indem er den vollsten Kranz herunterriss, und ihn auf die rote Stirn drückte, glich er einem Faun, der mit seinen Bocksprüngen die Gesellschaft zum unversiegbaren Gelächter reizte. Rodrich hätte Cyanen, die beim Tanzen den Strohhut ablegte, des Gegenstücks wegen die schönsten Blumen zwischen die braunen Locken geflochten, und fühlte, als er die Reihen mit ihr hinunterflog, nicht ohne Bewegung die kleine Brust an der seinigen schlagen. Die andern Mädchen hatten sich indessen vertraulich genähert, und sahen mit Wohlgefallen in die hellen Blikke des vornehmen Fremden. Der leichte Ton, den er sich hier erlauben durfte, die ungezwungene Art des Tanzes, die leichtfertigen freien Blicke seiner Tänzerinnen, alles riss ihn fort, und er wiegte sich an der Hand einer schlanken Blondine in lüsterne Träume, als seine Augen denen der einsamen Mutter begegneten, die in dem Anschauen ihres Kindes versenkt, in einer eignen Welt lebte, und nur zuweilen und flüchtig auf die wogende Flut blickte. Er wusste selbst nicht, wie es geschah, dass er an Miranda dachte, und sich jeder unheiligen Regung in tiefster Seele schämte. Marie, die dem kind auch ein Blumenkettchen gewunden hatte, kniete vor diesem nieder, und schlang den Kranz um die weissen Küssen. Die schöne Frau küsste sie auf die Stirn, und Rodrich, der sich genahet hatte, hörte dass sie ihr leise zuflisterte, bringe doch den Bruder zur Ruhe, die Torheiten ängstigen mich. grosser Gott! dachte er, muss dieser Himmel gerade von der gemeinsten