knüpftest! Wie könnte ich je die hohe edle natur weniger in Dir lieben! Wir sagten es uns wohl früher mit Wahrheit, dass solch ein Bund unzerstörbar sei, und so bleibst Du mir die treue Freundinn und der schützende Engel meiner Serena. Sage Deinem Bruder, dass ich ihm jetzt, wie immer, die Hand zum Frieden reiche, und wie ich hoffe, dass er sie nicht verschmähen werde, da uns nichts Aeusseres mehr trennt."
Wie ist es möglich, sagte Rodrich, dass Sie dieser feigen Halbheit nur eine Träne schenken konnten! Tadeln Sie nicht so streng, erwiderte Rosalie verletzt, was Sie unter ähnlichen Umständen vielleicht nicht anders gemacht hätten. Es ist unglaublich, wie sich der Mensch hintergeht, und oft das ganz Gemeine für eine grosse Tat erklärt. Nein, beim ewigen Gott, rief Rodrich aus, ich würde den Mut haben zu sagen, wie ich fühle, ohne dem rücksichtslosen Vertrauen eine Falle zu stellen, und dem edelsten Gemüt die Schmach aufzulegen, einen Nichtswürdigen geliebt zu haben! Sie sind wie Alexis! sagte Rosalie schmerzlich. Ach, dass doch Niemand ein krankes Herz zu schonen weiss! Rodrich gedachte seiner Vorsätze, und fühlte sich fremd und befangen in der notwendigkeit, so leise auftreten zu müssen. So schwiegen beide einige Augenblicke hindurch, als Rosalie sich aufrichtete und erschöpft in Rodrichs arme sank. Unwillkührlich drückte er sie an die Brust; ach, süsser Engel, sagte er im Uebermaass des Gefühls, lass mich dich so durch's Leben tragen; lehne nur dein schönes Haupt an diess Herz, das so stolz und so selig ist, seit es dein Bild im inneren verschliesst! Rosalie blickte überrascht zu ihm auf, dann sagte sie wehmütig: lassen Sie sich nicht durch flüchtige Regungen täuschen, bewahren Sie die frischen Blüten vor nächtigem Reif. Rodrich, meine Hand ist kalt und starr wie der Tod, sie hat den Druck der Liebe verlernt, und was mich noch zuweilen in die Welt zurückzieht, das sind Aufwallungen einer sterbenden Jugend. Glauben Sie nur, es gibt Menschen, die so innig von ihrem Unglück überzeugt sind, dass sie auch in den Sonnenblicken ihres Lebens nur dies Geschenk einer liebenden Mutter erkennen, dem todtkranken kind die entsetzlichen Schmerzen zu lindern. Er hatte sie sanft auf das Ruhebette gelehnt, und sass, das Gesicht in die Küssen verbergend, weinend neben ihr, als die Tür ausflog und eine unendlich schöne Gestalt, von Seraphinen und den phantastischen Knaben mit brennenden Kerzen begleitet, vor Rosalien hintrat. Miranda, rief diese, so sehe ich Sie noch einmal wieder! Die prinzessin neigte sich mit unbeschreiblicher Lieblichkeit zu der kranken Freundinn, und die klaren Blicke schwammen in Wohlwollen und Liebe, als sie nach den ersten gegenseitigen Begrüssungen und den allgemeinen Höflichkeiten, zu denen Rodrichs Vorstellung sie zwang, beruhigend sagte: ich finde Sie bei weitem besser, als ich es nach den üblen Nachrichten erwarten durfte. Jetzt sehe ich, dass alles gut gehen wird, wenn sie nur den Freunden vertrauen wollen. Daher komme ich auch, Sie zu meinem Pavillon zu entführen, wo es mir so oft gelang, eine freudige Vergangenheit zurückzurufen und bessere Erinnerungen mit Ihnen zu feiern. Sie glauben gar nicht, fuhr sie fort, wie oft ich jetzt an der Küste unsrer nordischen Winterabende gedachte, wenn die scharfe Meeresluft uns zwang das Zimmer zu hüten, und wir Alle nach Sonnenuntergang in Shawls und Tücher gehüllt um den Kamin sassen! Es ist seltsam, wie man die bessere Gegenwart zuweilen gern für entschwundene Freuden hingäbe! Sie wissen, wie oft wir mit trüben Blicken auf der erstarrten natur ruheten, und uns nach der südlichen Herrlichkeit sehnten, die uns Persische und Arabische Mährchen und der Mutter lachende Schilderungen kennen gelehrt; wie wir dann bei den ersten Frühlingslüftchen auflebend, uns so gern überredeten, wenn sich mein Papagei auf den künstlich gezognen Orangen wiegte, wir wandeln in Asiens blühenden Haynen, und gleichwohl streift jetzt ein kalter Ostwind wie ein sehnender Ruf aus der Ferne an mir vorüber, und mitten in der Blütenpracht freue ich mich der leichten Schauer und der wogenden Nebel, die mich im Fluge zu der alten Heimat tragen. Rodrich dachte hier an Florio, wie er der einzige sei, mit dem er in die einsame Kindheit zurückgehen könne, und dass ihm dieser Eine nun so fremd geworden, und er nicht einmal wisse, wo er ihn aufsuchen solle. Er war noch so bewegt von dem vorigen Gespräch, er fühlte es jetzt so lebendig, dass ihm Rosalie nie etwas werden könne, und dass er vergeblich suche dieser herbstlichen Rose den FrühlingsGlanz seiner Liebe zu leihen, so dass er gerührt ausrief: Wie glücklich sind Sie Rosalie, sich so schöner Stunden mit einer geliebten Gespielinn zu freuen! Und wie ganz anders muss der Mensch die Welt ansehen, dem teilnehmende Freundschaft zur Seite steht. Miranda betrachtete ihn aufmerksam, während er sprach. In seinem Auge glänzte noch eine Träne, und Schmerz und sehnsucht umwölkten das blühende Gesicht. Es ist nur gut, sagte sie lächelnd, dass es Niemand gibt, zu dem nicht irgend ein verwandter laut dränge, und die öde Brust mit Freude erfüllte! – Was sind vorüberrauschende Klänge, erwiderte Rodrich, gegen die innere begleitende Musik des Lebens! Die vollen Accorde dünken uns nur schöner, sagte Miranda, je leiser sie verhallen, und dem unbefriedigten Herzen neue Genüsse verheissen. Lassen Sie uns nicht so ängstlich mit dem Schicksal über jede einzelne Unterbrechung rechten, da