gar nicht lange, als mein Mars zu seiner Venus schlich. Mir fehlte zum Vulkan, da ich von natur hinkte, und nicht zum Besten aussah, eben wenig mehr, als das goldne Nez, indess beschloss ich, in Ermangelung dessen, einige goldene Wahrheiten und Sittensprüchlein anzuwenden. Anfänglich ging es ganz leidlich zu; mein Bursche sündigte bloss an der Poesie durch eine zu materielle Tendenz seiner Schilderungen; er malte einen Himmel voll Nymphen und sich neckender Liebesgötter an den Bettimmel unter dem er zu ruhen gedachte, den Weg dahin bestreute er mit Vexirrosen, die er zahlreich in zierlichen Redefloskeln von sich warf, und die Dornen die ihm dann und wann die Füsse verwunden wollten, umging er durch leichte frivole Wendungen.
Als der Sünder sich nun aber so in ein poetisches Element versezt, und die Moral völlig, dem geist der neuesten Teorien gemäss, abgewiesen hatte, der grünseidne Vorhang vor der Glastür herabrollte, und das Ganze ein Gardinenstück zu werden begann, wandte ich rasch mein antipoeticum an, und stiess gellend in das Nachtwächterhorn, worauf ich mich auf ein leeres Piedestal, das für die Statue der Gerechtigkeit, die bis jetzt noch in der Arbeit, bestimmt war, schwang, und still und unbeweglich stehen blieb.
Der furchtbare Ton hatte die beiden aus der Poesie, und den Ehemann aus dem Schlafe geschreckt, und alle drei eilten plözlich zu gleicher Zeit aus zwei verschiedenen Türen.
"Der steinerne Gast" rief der Liebhaber schaudernd, indem er mich erblickte;" Ah, meine Gerechtigkeit!" der Ehemann, "ist sie endlich fertig geworden; wie unerwartet hast du mich dadurch überrascht, Liebchen!" – "Reiner Irrtum", sagte ich, "die Gerechtigkeit liegt noch immer drüben beim Bildhauer, und ich habe mich nur provisorisch auf das Piedestal gestellt, damit es, bei besonders wichtigen Gelegenheiten, nicht ganz leer sei. Es bleibt zwar immer mit mir nur ein Notbehelf, denn die Gerechtigkeit ist kalt wie Marmor, und hat kein Herz in der steinernen Brust, ich aber bin ein armer Schelm voll sentimentaler Weichlichkeit, und gar dann und wann etwas poetisch gestimmt; indess, bei gewöhnlichen Fällen für das Haus mag ich immer gut genug sein, und wenn es Not tut, einen steinernen Gast abgeben. Solche Gäste haben das für sich, dass sie nicht mitessen und auch nicht warm werden, wo es Schaden bringen könnte, dagegen die andern leicht Feuer fangen, und es dem Hausherrn vor der Stirn heiss machen, wie mir das Beispiel nahe liegt."
"Ei, ei, mein Gott, was ist denn das?" stammelte der Ehemann.
"Dass die Stummen zu reden anfangen, meinen Sie? das fliesst aus der Frivolität des Zeitalters. Man sollte nie den Teufel an die Wand malen. Unsere jungen Herren von Welt setzen sich aber darüber hinaus, und missbrauchen dergleichen bei schwachen Seelen, um sich von der heroischen Seite zu zeigen. Da habe ich nun meinen Mann beim Worte genommen, ob ich gleich eigentlich nicht hieher gehöre, sondern draussen auf dem Markte stehe im grauen Mantel als heiliger Crispinus von Stein."
"Du Gott, was soll man davon denken!" fuhr jener beängstet fort," es ist gar nicht in der Ordnung, und ein unerhörter Fall!"
"Für den Rechtsgelehrten gewiss! dieser Crispinus war nämlich ein Schuster, legte sich aber aus besonderer Frömmigkeit und einem wirklichen Überflusse von Tugend auf die Dieberei, und stahl das Leder, um den Armen Schuhe daraus zu machen. Was lässt sich da entscheiden, reden Sie selbst! Ich sehe keinen andern Ausweg, als ihn zuerst zu hängen, und nachher zu kanonisiren. Aus ähnlichen Gründen müsste man z.B. gegen Ehebrecher verfahren, die bloss um den Hausfrieden aufrecht zu erhalten, gegen die gesetz verstossen; der animus ist hier offenbar ein löblicher, und darauf kommts doch hauptsächlich an. Wie manche Frau würde nicht ihren Mann zu tod quälen, wenn nicht ein solcher Hausfreund sich einfände, und aus reiner Moralität zum Schurken würde. Hier stehe ich eigentlich an meinem Tema, und wir können nun in Gottes Namen die hochnotpeinliche Halsgerichtsordnung aufschlagen. – Doch ich sehe dass die Inquisiten bereits beide in Ohnmacht liegen; da müssen wir im Prozesse eine Pause machen!"
"Inquisiten?" fragte der Ehemann mechanisch. "Ich sehe keine, die dort ist meine Ehehälfte!" –
"Schon gut, wir wollen für's erste bei ihr stehen bleiben. Ehehälfte! Ganz recht! das heisst: das Kreuz oder die Qual in der Ehe – und wahrhaftig das ist schon eine exemplarische Ehe, wo dieses Kreuz nur die Hälfte ausmacht. Seid Ihr nun, als die zweite Hälfte, der Ehesegen, so ist Eure Ehe wirklich ein Himmel auf Erden."
"Der Ehesegen!" sagte jener mit einem tiefen Seufzer.
"Keine sentimentale Randglosse, lieber Freund, werfen wir hier vielmehr einen blick auf den zweiten Inquisiten, der ebenfalls aus Schrecken, über den steinernen Gast, in Ohnmacht liegt. Wenn wir Personen von Rechtswegen, Milderungsgründe aus moralischen Prinzipien herleiten dürften, so mögte ich schon sein Defensor sein, und wollte wenigstens die Strafe des Köpfens, die die Carolina über ihn verhängt, von ihm abwenden; zumal da bei solchen Schächern das Köpfen doch nur in effigie angewandt werden kann, weil bei ihnen, ernstlich genommen, von einem kopf nie die Rede ist!" –
"Die Karolina sollte auf