Menschenhaupt! – – die Behausung eines Wurmes. – O was ist die Welt, wenn dasjenige was sie dachte nichts ist und alles darin nur vorüberfliegende Phantasie! – Was sind die Phantasieen der Erde, der Frühling und die Blumen, wenn die Phantasie in diesem kleinen Rund verweht, wenn hier im inneren Panteon alle Götter von ihren Fussgestellen stürzen, und Würmer und Verwesung einziehen. O rühmt mir nichts von der Selbstständigkeit des Geistes – hier liegt seine zerschlagene Werkstatt, und die tausend Fäden, womit er das Gewebe der Welt webte, sind alle zerrissen, und die Welt mit ihnen. – – Auch der Alte hier in seiner kammer wird schon seine Teaterkleider abgeworfen haben, und dieser boshafte Bube, in meiner Hand, kommt vielleicht eben von dem Kehraus, dem er hier in der väterlichen Behausung beigewohnt hat; – doch mag's sein – ich will ergrimmt in das Nichts schauen, und Brüderschaft mit ihm machen, damit ich keine menschlichen Reste mehr verspüre, wenn es auch mich zuletzt ergreift!"
Ich war jetzt stark und wild genug den Deckel zu heben, ob ich gleich fühlte, dass dieser Grimm und Zorn, wie Alles übrige, auch mit zum Nichts gehöre. –
Wie seltsam – als das stille Schlafkämmerchen sich auftat, in dem ich keinen Schläfer mehr erwartete, lag er noch unversehrt auf dem Kissen, mit blassem ernsten gesicht und schwarzen krausen Haaren um Schläfe und Stirn; es war noch die abgeformte Büste vom Leben, die hier in dem unterirdischen Museum des Todes zur Seltenheit aufbewahrt wurde, und der alte Schwarzkünstler schien dem Nichts Troz bieten zu wollen.
"So sah er aus, als er den Teufel bannte!" sagte die Wahrsagerin – "Nur haben sie ihm nachher die hände gefaltet, dass er hier unten wider Willen beten muss!" – – "Und warum betet er denn?" fragte ich zornig – da drüben über uns im Himmelssee funkeln und schwimmen zwar unzählige Sterne, aber wenn es Welten sind, wie viele kluge Köpfe behaupten, so gibt es auch Schädel auf ihnen und Würmer, wie hier unten; das geht so fort durch die ganze Unermesslichkeit, und der Baseler Todtentanz wird dadurch nur um so lustiger und wilder und der Ballsaal grösser – O wie sie alle, die auf den Gräbern umherlaufen, und auf einer tausendfach geschichteten Lava vergangener Geschlechter – wie sie alle nach Liebe wimmern, und nach einem grossen Herzen über den Wolken, woran sie mit allen ihren Erden einst ruhen können! Wimmert nicht länger – diese Myriaden von Welten saussen in allen ihren Himmeln nur durch eine gigantische Naturkraft, und diese schreckliche Gebärerin, die alles und sich selbst mit geboren hat, hat kein Herz in der eigenen Brust, sondern formt nur kleine zum Zeitvertreib, die sie umher verteilt – haltet euch an diese, und liebt und girrt so lange diese Herzen noch zusammenhalten! – Ich will nicht lieben, und recht kalt und starr bleiben, um wo möglich dazu lachen zu können, wenn die Riesenhand auch mich zerdrückt!" –
"Der alte Schwarzkünstler scheint zu meiner Rede zu lachen! Weisst du es etwa besser, Teufelsbanner – und steigt über diesem zertrümmerten Panteon ein neues herrlicheres auf, das in die Wolken reicht, und in dem sich die kolossalen ringsumher dasizenden Götter wirklich aufrichten können, ohne sich an der niedern Decke die Köpfe zu zerstossen – – wenn es wahr wäre, so möchte es zu rühmen sein, und es dürfte schon die Mühe verlohnen zu zu schauen, wie mancher unermessliche Geist auch seinen unermesslichen Spielraum erhielte, und nicht mehr zu würgen brauchte und zu hassen, um gross zu sein, sondern frei in die Himmel emporsteigen könnte, um dort sein strahlendes Gefieder auszubreiten. – Der Gedanke könnte mich fast erhizen! – Nur alle dürften sie mir nicht erstehen wollen; alle nicht! – Was wollten so viele Pygmäen und Krüppel in dem grossen herrlichen Panteon, in dem nur die Schönheit tronen soll, und die Götter! O man schämt sich dieser Gesellschaft ja oft genug schon auf Erden, wie könnte man den Himmel mit ihnen gemeinschaftlich teilen! – Nur ihr mögt euch aus dem Schlummer erheben, ihr grossen königlichen Häupter, die ihr mit den Diademen in der Weltgeschichte erscheint, und ihr begeisterten Sänger, die ihr von den Königlichen entzückt redet und sie verherrlicht! Die andern mögen ruhig schlafen und recht sanft, auch angenehme Träume haben, die gönne ich ihnen von Herzen!" –
"Mit dir, alter Alchymist, möchte ich den Weg schon antreten; nur betteln sollst du mir nicht um den Himmel – nicht betteln – lieber ertroze ihn, wenn du Kraft hast. Die stürzenden Titanen sind mehr wert, als ein ganzer Erdball voll Heuchler, die sich ins Panteon durch ein wenig Moral und so und so zusammengehaltene Tugend schleichen möchten! Lass uns dem Riesen der zweiten Welt gerüstet entgegengehen; denn nur wenn wir unsere Fahne dort aufpflanzen, sind wir es wert dort zu wohnen! – Lass das Betteln; ich reisse dir die hände mit Gewalt auseinander!" – –
"Wehe! Was ist das – bist auch du nur eine Maske und betrügst mich? – Ich sehe dich nicht mehr Vater – wo bist du? – Bei der Berührung zerfällt alles in Asche, und nur auf dem Boden liegt noch eine Handvoll Staub, und ein paar genährte Würmer schleichen sich heimlich weg, wie moralische Leichenredner, die sich beim Trauermahle übernommen haben. Ich streue diese Handvoll