bin ein ganz gewöhnlicher Kerl, und komme im staat in gar keine Betrachtung. Wie könntet ihr euch also wohl gegen diesen Holofernes erzürnen, wenn er nickte, oder schüttelte wie ich es wollte? – Ich denke ihr findet meine Rede vernünftig, Landleute! – Doch aber scheint der Zorn über dieses hölzerne Haupt, sich bestimmt auf das Haupt eures Schulzen übertragen zu haben – und das finde ich unbillig. – Ich will mich bildlich auszudrücken suchen: Mein Holofernes spielt nicht nach eurem Willen; wohlan, so schlagt mich, den gemeinen Kerl, auf die hände, dass mein Minister, der Drat den ich anziehe, eine andere Richtung bekommt, und durch diese wieder der Königskopf anmutiger und verständiger nicke oder schüttele. Was hat euch dieser arme Kopf getan, dass ihr so mit ihm umspringt; er ist das mechanischste Ding auf der Welt und es wohnt nicht einmal ein Gedanke in ihm. Fordert doch von diesem kopf keine Freiheit, da er selbst nichts Analoges davon in sich entält. – Auch ist es ein missliches Ding um das, war ihr Freiheit scheltet, ist es doch nicht das Marionettenspiel allein, was ihr heute gesehen habt, wo dem hölzernen Könige der Kopf ohne weiteren Erfolg vom Rumpfe geschlagen wird, sondern ich habe dergleichen von noch fehlerhafterer natur in meinem Kasten, wo der Dichter dem Stoffe nicht gewachsen war, und er nach Art politischer Poeten, die Republick an der er dichtete, zu einer Despotie verpfuschte. Ich kann dergleichen vor euch aufführen! – Unrecht bleibt es auch immer solche widernatürliche Strafen zu exerziren, als z.B. da auf das Köpfen zu bestehen, wo sich kein Kopf vorfindet, denn dieser hölzerne ist nur bloss für das Auge da, und zum Glück verstehe ich es, ihn wieder auf den Rumpf zu sezen, was nicht in jedem ähnlichen Falle glücken dürfte. Und wehe meinen armen Marionetten, wenn es einmal einem wirklichen kopf einfiele, den hölzernen hier in meiner Hand ersetzen zu wollen, und jener nun auf seine Weise nickte und schüttelte, und den Drat ganz abrisse – da könnte eine Posse sich leicht zu einer ernsten Tragödie revolutioniren! – Ich denke, ich habe genug gesagt, Landleute!" –
Die Menschheit ist im Ganzen, wenn sie nicht grade an fixen Ideen leidet, eine ehrliche einfältige Haut, und sie findet sich leicht in das Entgegengesezteste; ja ich glaube sie kann sich, wenn sie heute ein leichtes Band, das sie fesselte, zerrissen hat, morgen mit eben dem Entusiasmus in Ketten werfen lassen. Einer der droben zuschaut, muss mit dem volk Mitleid haben. So gaben auch heute meine Bauern das Revoluzioniren gutmütig wieder auf, und liessen dagegen ihren Schulzen hochleben; leider nur verwandelte sich diese Freude der lebenden Akteurs in bitteres Leid für meine hölzernen.
Wir Direktoren erwachten nämlich in der folgenden Nacht von einem anhaltenden Geräusche, das vom Teater her erschallte; anfangs schoben wir es auf Rollenneid, oder eine unter der truppe ausgebrochene Kabale, als wir uns aber näher zu unterrichten suchten, fanden wir unten den Schulzen, dem ich eben das Haupt wieder auf dem Rumpfe befestigt hatte, mit dem Holofernes in der Hand, und von Gerichtsdienern begleitet, die die ganze truppe im Namen des Staates zu Gefangenen machten, weil man sie für politisch gefährlich erklärte. Alle meine Einreden waren vergeblich, und sie zogen vor meinen Augen mehrere Könige und Herren, als den Salomo, Herodes, David, Alexander u.s.w. aus dem Kasten um sie fortzuschleppen. So inkonsequent verfährt der Staat gegen seine eigenen Repräsentanten! – Der letzte Mann war mein Hanswurst; ich erniedrigte mich für ihn fast zu Bitten – allein man tat mir kund, dass durch ein strenges Zensuredikt alle Satire im staat ohne Ausnahme verboten sei, und man sie schon zum voraus in den Köpfen konfiscire. Mit Mühe erhielt ich es nur auf einen Augenblick noch mit ihm abseits zu treten; ich nahm ihn mit mir hinter eine Koulisse, und hier in der Einsamkeit drückte ich unbelauscht seinen hölzernen Mund an den meinigen und vergoss die zweite Träne, denn er war ausser Ophelia das einzige Wesen, das ich in der Welt wahrhaftig geliebt hatte. –
Mein Mitdirektor ging den ganzen darauf folgenden Tag wie ein Träumender umher, und am Abende fand man ihn, weil er die angesagte Tragikomödie nicht schuldig bleiben wollte, auf der Bühne an einer Wolke erhängt.
So traurig endete auch dieses Unternehmen, und ich suchte nun endlich mit Ernst, von den Mühseligkeiten des Lebens ermüdet, mich unter den Menschen um einen soliden Posten zu bewerben. Es geht doch nichts auf Erden über das Bewusstsein nützlich zu sein und einen festen Gehalt zu geniessen; – der Mensch ist nicht Kosmopolit allein, er ist auch Staatsbürger! – Das Nachtwächteramt war eben vakant geworden, und ich glaubte mich allenfalls tüchtig ihm mit Ehre vorzustehen. Die Welt ist jetzt sehr gebildet und man fordert mit Recht grosse Talente von jedem einzelnen Bürger. –
Wohl dem der Konnexionen hat – es gelang mir bei dem Diener des Ministers Zutritt zu erhalten, er hatte grade seine gute Stunde, und empfahl mich seinem Herrn; so wurde ich die Staatsleiter immer höher gehoben und ging aus einer Hand in die andere, bis zur obersten Sprosse, wo ich einen Fussfall wagte, und man mir gnädig Hoffnung zum Nachtwächter machte. – Eine nähere Prüfung in der ich dartun musste, ob ich teils einen gemässigten Vortrag besässe, um den Monarchen wenn er schliefe nicht