haben, dass ich nicht einer ihres Gleichen wäre, und sie fuhren alle drei auf mich ein, und sprachen nun gar in einem ächt klerischen Tone von Exkommuniziren, u.d. gl. wenn ich sie in ihrer Handtierung stören würde.
"Sorgt nicht," erwiderte ich, "ich habe bisher wahrlich an den Teufel nicht geglaubt, doch seit ich euch gesehen, ist er mir klar worden, und ich bin gewiss, dass ihr zunftfähig seid. Macht eure Sachen ab, denn mit der Hölle und der Kirche kann's kein armer Nachtwächter aufnehmen."
Dahin fuhren sie, ins Haus hinein. Ich folgte bedenklich nach.
Es war ein furchtbares Schauspiel, Blitz und Nacht wechselten Schlag auf Schlag. jetzt war es hell und man sah das Handgemenge der drei um den Sarg und das Blitzen des Säbels in der Hand des eisenfesten Kriegsmannes, dazwischen schaute der tote mit seinem blassen starren gesicht unbeweglich wie eine Larve. Dann war es wieder tiefe Nacht, und nur fern, im Hintergrunde der Nische ein matter Schimmer und die knieende Mutter mit den drei Kindern rang im verzweifelnden Gebet.
Es ging alles still und ohne Worte zu; aber jetzt krachte es auf einmal zusammen, wie wenn der Teufel die Oberhand erhielte. Die Blitze wurden sparsamer und es blieb längere Zeit Nacht. Nach einem Weilchen indess fuhren zwei rasch zur Tür heraus, und ich sah es durch die Finsterniss bei dem Leuchten ihrer Augen – sie trugen wirklich einen toten mit sich fort.
Da stand ich, in mich hineinfluchend vor der Tür; auf der Flur war es ganz finster, keine Seele regte sich, und ich glaubte auch dem wackeren Kriegsmanne, zum mindesten, den Hals gebrochen.
In diesem Augenblicke flammte ein heftiger Blitz, mit dem sich die Gewitterwolke völlig entlud, und blieb, gleichsam wie eine aufgepflanzte Fackel, eine zeitlang in der Luft, ohne zu verlöschen. Da sah ich den Soldaten wieder ruhig und kalt am Sarge stehen, und die Leiche lächelte wie zuvor – aber, o Wunder! dicht neben dem lächelnden Todtenantlitze grinsete eine Teufelslarve, und der Rumpf fehlte zum Ganzen, und ein purpurroter Blutstrom färbte das weisse Sterbegewand des schlafenden Freigeistes. –
Schaudernd wickelte ich mich in meinen Mantel, vergass es, zu blasen und die Stunde abzusingen und floh meiner Hütte zu.
Dritte Nachtwache
Wir Nachtwächter und Poeten kümmern uns um das Treiben der Menschen am Tage, in der Tat wenig; denn es gehört zur Zeit zu den ausgemachten Wahrheiten: Die Menschen sind wenn sie handeln höchst alltäglich und man mag ihnen höchstens wenn sie träumen einiges Interesse abgewinnen.
Aus diesem grund erfuhr ich denn auch von dem Ausgange jener Begebenheit nur Unzusammenhängendes, das ich eben so unzusammenhängend mitteilen will.
Über den Kopf zerbrach man sich am meisten die Köpfe, war es doch kein gewöhnlicher, sondern ein wahrhaftes Teufelshaupt. Die Justiz, der es vorgelegt wurde, wies die Sache von sich, indem sie äusserte, dass die Köpfe eben nicht in ihr Fach schlügen. Es war in der Tat ein böser Handel und man geriet sogar in Streit darüber, ob man gegen den Soldat criminaliter verfahren, indem er einen Todschlag begangen, oder ihn vielmehr kanonisiren müsse, weil der Erschlagene der Teufel. Aus dem leztern entsprang wieder ein neues Übel; es wurde nämlich in mehreren Monaten keine Absolution mehr begehrt, weil man den Teufel jetzt geradezu läugnete und sich auf den in Verwahrung genommenen Kopf berief. Die pfaffen schrien sich von den Kanzeln heiser und behaupteten ohne weiteres, dass ein Teufel auch ohne Kopf bestehen könne, wovon sie Beweisgründe, aus ihren eigenen Mitteln, anzuführen, erbötig wären.
Aus dem kopf selbst konnte man in der Tat nicht ganz klug werden. Die Physiognomie war von Eisen; doch ein Schloss, das sich an der Seite befand, führte fast auf die Vermutung, dass der Teufel noch ein zweites Gesicht unter dem ersten verborgen hätte, welches er vielleicht nur für besondere Festtage aufsparte. Das Schlimmste war, dass zu dem schloss, und also auch zu diesem zweiten gesicht, der Schlüssel fehlte. Wer weiss was sonst für fruchtbare Bemerkungen über Teufelsphysiognomien hätten gemacht werden können, da hingegen das erste nur ein blosses Alltagsgesicht war, das der Teufel auf jedem Holzschnitte führt.
In dieser allgemeinen Verwirrung und bei der Ungewissheit, ob man ein ächtes Teufelshaupt vor sich habe, wurde beschlossen, dass der Kopf dem Doktor Gall in Wien zugesandt würde, damit er die untrüglichen satanischen Protuberanzen an ihm aufsuchen möchte; jetzt mischte sich plötzlich die Kirche ins Spiel, und erklärte dass sie bei solchen Entscheidungen als die erste und letzte Instanz anzusehen sei, sie liess sich den Schädel ausliefern, und wie es bald darauf hiess, war er verschwunden, und mehrere der geistlichen Herren wollten in der Nachtstunde den Teufel selbst gesehen haben, wie er den ihm fehlenden Kopf wieder mit sich nahm.
Somit blieb die ganze Sache so gut, wie unaufgeklärt, um so mehr, da der einzige, der allenfalls noch einiges Licht hätte geben können, jener Pfaff nämlich, der das Anatema über den Freigeist aussprach, an einem Schlagflusse plötzlich Todes verfahren war. So sagte es wenigstens das Gerücht und die Klosterherren; denn den Leichnam selbst hatte kein Profaner gesehen, weil er, der warmen Jahrszeit wegen, schnell beigesetzt werden musste.
Die geschichte ging mir während meiner Nachtwache sehr im kopf herum, denn ich hatte bis jetzt nur an einen poetischen Teufel geglaubt, keinesweges aber an den wirklichen. Was