Schleife, wodurch ich ihr Haar wieder mit dem Zopfe verbinde! – Freund, der Geist ohne Magen gleicht dem Bären, der träg an seinen eigenen Pfoten saugt. Er ist nur der Schatzmeister dieses in ihm hängenden Säkels, und schneiden Sie ihm diesen ab, so ist's um ihn getan. gibt es eine Seelenwanderung, woran ich nicht zweifle, und fahren die abgeschiedenen Geister, wie denn das nicht unwahrscheinlich ist, eben so gut in Blumen und Früchte u.s.w. als in Tiere – wo liegt denn noch anders dieser Verbindungskanal der Geister, als in dem sie verschlingenden Magen, durch ihn steigen sie, nachdem das animalische wieder abgegangen ist, verflüchtigt in den Kopf empor, und es liegt so am Tage, dass wir die grössten Weisen, einen Plato, Hemsterhuis, Kant u.s.w. bloss durch behagliches Hineinessen in uns aufnehmen können.
Denken Sie hier an Beispiele: Göte, der den Hans Sachs, die Romantiker und Griechen in sich vereinigt, ist ein so guter Esser, als Dichter, und hat wahrscheinlich diese Geister vorweggespeiset; Bonaparte mag den Julius Cäsar zu sich genommen haben, und nur der Geist des Brutus scheint dort noch ungegessen sich irgendwo aufzuhalten. –
Wie ist es möglich, Freund, dass Sie diesem Magen und diesem Leben entsagen, und überhaupt aus dieser künstlichen Maschine, in der Sie tausend Räder drehn und treiben, heraus fliegen wollen? Wie viele Bühnen liegen nicht um Sie her, auf denen Sie als Held agiren können! Schlachtfelder, Almanache, Litteraturzeitungen, das grössere und das kleinere Teater" –
"Ich stehe am Hofteater" – fiel der junge Mensch ein, indem er eine Danksagungsverbeugung für den wieder angehefteten falschen Zopf machte. – "Das Pistol ist übrigens ungeladen, und ich suchte mich nur hier am grab durch mässiges Rasen in den charakter eines Selbstmörders zu versetzen, den ich morgen darzustellen habe. Nüchternheit ist das Grab der Kunst! Ich fahre in die Leidenschaften möglichst hinein, wie in Schlachtandschuhe, ich spiele meine Karaktere mit Gefühl, und bin wenigstens, wie die grössten Meister, auf einen Tag geizig, wenn ich einen Geizigen, oder toll, wenn ich einen Tollen dargestellt habe.
Dahin ging er, und liess mich fast abgeschmakt und lächerlich da stehen. "O falsche Welt!" rief ich grimmig aus – "an der nichts mehr wahrhaft ist, selbst bis auf die Haarzöpfe deiner Bewohner, du leerer abgeschmackter Tummelplatz von Narren und Masken, ist es denn nicht möglich auf dir zu einiger Begeisterung sich zu erheben!"
Es war mir, wie wenn ich mich jetzt in der Nacht unter dem zugedeckten mond, weit ausdehnte, und auf grossen schwarzen Schwingen, wie der Teufel über dem Erdball schwebte. Ich schüttelte mich und lachte, und hätte gern alle die Schläfer unter mir mit eins aufgerüttelt, und das ganze Geschlecht im Negligée angeschaut, wo es noch keine Schminke, falsche Zähne und Zöpfe und Brüste und Hintere auf- – und an- – und umgelegt, um den ganzen abgeschmakten Haufen boshaft auszupfeifen.
Dreizehnte Nachtwache
Ich stieg den Berg hinauf am Ausgange der Stadt – es war die Tag- und Nachtgleiche des Frühlings, und draussen lag die alte Fee, die Erde, und kochte ihre mitternächtlichen Zauberkräuter, um am Morgen nach abgeworfenem Silberhaare und ausgeglätteten Runzeln, schön umlockt und bekränzt als eine junge Nymphe aufzustehen, und ihre neugebornen Kinder an dem schwellenden Busen zu tragen. – Unten im Tale blies ein Hirte das Alphorn, und die Töne sprachen so lockend von einem fernen land, und von Liebe und Jugend und hoffnung; ich dichtete zu ihrer Begleitung folgenden
Dityrambus über den Frühling.
"Du erscheinst, und erschrocken flieht dein finsterer Bruder, und die Schilde und Panzer, worin er gewaffnet dastand, rasseln durcheinanderstürzend und zerbrechen; und siehe errötend in Morgenglut tritt die junge Erde hervor, wie eine blühende Jungfrau; und du küssest die Geliebte, Jüngling, und schlingst ihr den Brautkranz in die Locken. Da sinkt der letzte Glätscher und das erstarrte Element wird frei, und fliesst still dahin zwischen Blumen und überwölkt von grünen Gebüschen, die Berge halten ihre Sennenhütten hoch in die blaue Luft, und an ihren Abhängen kleben die gefleckten Heerden. Blumen blühen und träumen Liebe, und die Nachtigall singt sie in den Gesträuchen. Die Bäume schlingen ihre Zweige in duftige Kränze, und reichen sie zum Himmel empor; der Adler steigt betend in den Sonnenglanz auf, wie zu Gott, und die Lerche wirbelt ihm nach, jubelnd über der geschmückten Erde. Jeder duftende Kelch wird zu einer Brautkammer, jedes Blatt ist eine kleine Welt, und alles saugt Leben und Liebe an dem heissen Herzen der Mutter! – Nur der Mensch –"
Hier verstummte plözlich das Alphorn, und der letzte Ton und das letzte Wort verhallten langsam und sterbend.
"Hast du nur bis zu diesem Worte geschrieben, Mutter natur? Und in wessen Hand überlieferst du die Feder zur Fortsetzung? – Kannst du es nimmer lösen, warum alle deine Geschöpfe träumend glücklich sind, und nur der Mensch wachend dasteht und fragend – ohne Antwort zu erhalten? – Wo liegt der Tempel des Apollo – wo ist die stimme, die einzig antwortende? Ich höre nichts, als Wiederhall, Wiederhall meiner eigenen Rede – bin ich denn allein?
Allein! ruft die hämische stimme. Mutter, Mutter, warum schweigst du? – O du hättest das letzte Wort in der Schöpfung