1805_Klingemann_058_3.txt

habe. –

Meinen Beruf zum Humoristen müsste ich hier freilich wohl zuvor erst dartun, allein ich lasse mich nicht darauf ein, weil man es überhaupt jetzt mit dem Berufe selbst so genau nicht nimmt, und sich dagegen mit dem Rufe allein begnügt. gibt es doch auch Dichter ohne Beruf, durch den blossen Rufund somit ziehe ich mich aus dem Handel.

Eben flammte ein Bliz durch die Luft, da schlichen drei an der Kirchhofsmauer hin wie Karnevalslarven. Ich rief sie an, doch war's schon wieder Nacht rings um, und ich sah nichts, als einen glühenden Schweif und ein paar feurige Augen, und zu dem fernen Donner murmelte eine stimme in der Nähe, wie zu einer Don Juans Begleitung: "Tu was deines Amtes ist, Nachtrabe; aber mische dich nicht ins Geisterwerk!"

Das war mir doch etwas zu arg, und ich warf meine Pike dahin wo die stimme her kam; eben blizte es wiederda waren die drei in Luft zerronnen, wie Makbets Hexen.

"Erkennt ihr mich nicht für einen Geist an;" – rief ich noch zornig hinterdrein, in der Hoffnung dass sie's vernähmen – "und doch war ich Poet, Bänkelsänger, Marionettendirekteur und alles dergleichen Geistreiches nach einander. Ich möchte doch Eure Geister gekannt haben im Lebenwenn ihr anders wirklich bereits daraus seid! – ob sich der Meinige mit ihnen nicht hätte messen können; oder habt ihr einen Zusatz von Geist erhalten nach eurem tod, wie wir das Beispiel bei manchen grossen Männern erfuhren, die erst nach ihrem tod berühmt wurden, und deren Schriften durch das lange Liegen an Geist gewannen; gleich dem Weine der mit dem zunehmenden Alter geistreicher wird." –

jetzt war ich der wohnung des exkommunizirten Freigeistes bis auf einige Schritte nahe gekommen. Aus der offenen Tür legte sich ein matter Schein in die Nacht hinein, und floss oft seltsam mit dem Wetterleuchten zusammen, auch murmelte es vernehmlicher von den fernen Bergen herüber, wie wenn das Geisterreich sich ernstlich ins Spiel zu mischen gedächte.

Auf der Hausflur war der tote, der üblichen Sitte gemäss, offen ausgestellt, um ihn her brannten wenige ungeweihte Kerzen, weil der Pfaff, teuflischen Andenkens, die Weihe verweigert hatte. Der Verstorbene lächelte in seinem festen Schlafe darüber, oder über seinen eignen törichten Wahn, den das Jenseits widerlegt hatte, und sein Lächeln glänzte wie ein ferner Wiederschein vom Leben über die starren vom tod verfestigten Züge.

Durch eine lange, wenig erleuchtete Halle, schaute man in eine schwarz behängte Nische; dort knieten unbeweglich die drei Knaben und die blasse Mutter vor einem Altaredie Gruppe der Niobe mit ihren Kindernin stummes angstvolles Gebet versunken, um Leib und Seele des Verstorbenen dem Teufel, dem der Pfaff sie zugesprochen, zu entreissen.

Der Bruder des Abgeschiedenen allein, ein Soldat, hielt im festen sichern Glauben an den Himmel und an seinen eigenen Mut, der es mit dem Teufel selbst aufzunehmen wagte, Wache an dem Sarge. Sein blick war ruhig und erwartend, und er schaute abwechselnd in das starre Antlitz des toten und in das Wetterleuchten, das oft feindlich durch den matten Schein der Kerzen zuckte; sein Säbel lag gezogen auf der Leiche, und glich mit seinem wie ein Kreuz gestalteten Griffe einer geistlichen und weltlichen Waffe zugleich.

übrigens herrschte Todtenstille rings um, und ausser dem fernen Murren des Gewitters und dem Knistern der Kerzen vernahm man nichts.

So bliebs, bis in einzelnen ernsten Schlägen die Klocke Mitternacht ankündigte; – da führte plözlich der Sturmwind hoch oben in den Lüften die Gewitterwolke wie ein nächtliches Schreckbild herüber, und bald hatte sie ihr Grabtuch am ganzen Himmel ausgebreitet. Die Kerzen um den Sarg verlöschten, der Donner brüllte zürnend, wie eine aufrührerische Macht herunter und rief die festen Schläfer auf, und die Wolke spie Flamme auf Flamme aus, wodurch das starre blasse Antliz des toten allein grell und periodisch beleuchtet wurde.

Ich sah jetzt, dass der Säbel des Soldaten durch die Nacht blizte, und dieser sich mutig zum Kampfe rüstete.

Es währte auch nicht langedie Luft warf Blasen auf, und die drei Makbets Geister waren plötzlich wieder sichtbar, wie wenn der Sturmwind sie beim Scheitel herangewirbelt hätte. Der Blitz beleuchtete verzogene Teufelslarven und Schlangenhaar, und den ganzen höllischen Apparat.

Mich fasste in dem Augenblicke der Teufel bei einem Haare, und als sie die Gasse herauffuhren, mischte ich mich rasch unter sie. Sie stuzten, wie wenn sie auf bösen Wegen gingen, über den vierten ungebetenen der zu ihnen stiess. "Nun zum Teufel! Kann der Teufel auch auf guten Wegen gehen!" rief ich wildlachend aus. "Drum lasst euch nicht irren, dass ich euch auf bösen antreffe. Ich bin eures Gleichen, Brüder, ich mache mit euch Gemeinschaft!" – Das brachte sie wahrhaftig in Verlegenheit. Der Eine stiess ein "Gott sei bei uns!" aus, und kreuzte sich, was mich Wunder nahm, weshalb ich ausrief: "Bruder Teufel fall nicht so hart aus dem charakter, ich möchte sonst beinahe an dir selbst verzweifeln und dich für einen Heiligen halten, zum mindesten für einen Geweihten. – Überlege ich's indess reiflicher, so muss ich dir wohl eher Glück wünschen, dass du endlich auch das Kreuz verdauet hast, und von Haus aus ein eingefleischter Teufel, dich dem Scheine nach zu einem Heiligen ausbildetest!"

An der Sprache mochten sie es endlich weg