die ihm nur als Giftblumen aufbrachen und den Tod gaben. Ich musste mich schaudernd abwenden als ich die Kopie, den lächelnden umlokten Kindskopf, mit dem jezigen Originale dem schwebenden Hypokratischen gesicht verglich, das schwarz und schreklich wie ein Medusenhaupt in seine Jugend schaute. Er schien noch in der lezten Minute den lezten blick auf das Gemählde geworfen zu haben, denn er hing dagegen gekehrt und die Lampe brannte dicht davor wie vor einem Altarblatte. – O die Leidenschaften sind die tückischen Retouschirer, die den blühenden Rafaelskopf der Jugend mit den fortschreitenden Jahren auffrischen und durch immer härtere Züge entstellen und verzerren, bis aus dem Engelshaupt eine Höllenbreugelische Larve geworden ist. –
Der Arbeitstisch des Dichters, dieser Altar des Apoll, war ein Stein, denn alles vorrätige Holz, bis auf den abgelöseten Rahmen des Gemäldes, war längst bei seinen nächtlichen Opfern zur Flamme verzehrt. Auf diesem Steine lagen das rükgekehrte Trauerspiel, der Mensch überschrieben, und zugleich der Absagebrief des Poeten an das Leben; dieser lautete so:
"Absagebrief an das Leben
Der Mensch taugt nichts, darum streiche ich ihn aus. Mein Mensch hat keinen Verleger gefunden weder als persona vera noch ficta, für die letzte (meine Tragödie) will kein Buchhändler die Druckkosten herschiessen, und um die erste, (mich selbst) bekümmert sich gar der Teufel nicht, und sie lassen mich verhungern, wie den Ugolino, in dem grössten Hungerturme, der Welt, von dem sie vor meinen Augen den Schlüssel auf immer in das Meer geworfen haben. Ein Glück ist's noch dass mir so viel Kraft übrig bleibt, die Zinne zu erklimmen und mich hinabzustürzen. Ich danke dafür, in diesem meinem Testamente, dem Buchhändler, der ob er gleich meinem Menschen nicht fortelfen wollte, mir doch wenigstens die Schnur in den Turm hinabwarf, an der ich in die Höhe kommen kann.
Ich denke es ist lustig droben, und eine gute freie Aussicht; besser ist's in alle Wege, selbst wenn ich nichts sehen sollte, als hier unten, denn ich weiss nichts mehr darum; – aber der alte Ugolino tappte, vor Hunger blind geworden, in seinem Turme umher, und war sich seiner Blindheit bewusst und das Leben kämpfte noch gewaltig in ihm, dass er nicht untergehen konnte.
Ach ich habe zwar, wie er, in meinem Kerker auch noch mit holden Knaben getändelt, die ich einsam in der Nacht erzeugte und die um mich her spielten als eine blühende Jugend und goldene helle Träume; in ihnen die ich hinterlassen wollte, schloss ich mich warm an das Leben; – aber sie haben auch sie verstossen, und die hungrigen Tiere, die sie mit mir einsperrten, haben sie zernagt, dass sie mich nur noch in der Erinnerung umgaukeln.
Mag's sein; die Tür ist fest hinter mir zugeworfen, und das leztemal, dass sie sie öffneten, war's nur um den Sarg meines lezten Kindes hereinzutragen; – ich hinterlasse nun nichts, und gehe dir trozig entgegen, Gott, oder Nichts!" –
Dies war die letzte zurückgebliebene Asche von einer Flamme, die in sich selbst ersticken musste. Ich sammelte sie, und so viele Reliquien von dem Menschen ich den hungrigen Mäusen noch entreissen konnte, sorgfältig, indem ich mich gewaltsamerweise zum Erben der Hinterlassenschaft einsezte.
Bringt mich der Himmel unverhofft einmal in eine bessere Lage, so gebe ich das Trauerspiel: der Mensch, so zernagt und unvollständig es auch ist, auf meine Kosten heraus, und verteile die Exemplare gratis unter die Menschen. Für jetzt will ich nur etwas vom Prologe des Hanswurstes mitteilen. Der Poet entschuldigt sich in einer kurzen Vorrede darüber, dass er den Hanswurst in eine Tragödie einzuführen wagte, mit eigenen Worten folgendermassen:
"Die alten Griechen hatten einen Chorus in ihren Trauerspielen angebracht, der durch die allgemeinen Betrachtungen die er anstellte, den blick von der einzelnen schrecklichen Handlung abwendete und so die Gemüter besänftigte. Ich denke es ist mit dem Besänftigen jetzt nicht an der Zeit, und man soll vielmehr heftig erzürnen und aufwiegeln, weil sonst nichts mehr anschlägt, und die Menschheit im Ganzen so schlaff und boshaft geworden ist, dass sie's ordentlicherweise mechanisch betreibt, und ihre heimlichen Sünden aus blosser Abspannung vollführt. Man soll sie heftig reizen, wie einen astenischen Kranken, und ich habe deshalb meinen Hanswurst angebracht, um sie recht wild zu machen; denn wie, nach dem Sprichworte, Kinder und Narren die Wahrheit sagen, so befördern sie auch das Furchtbare und Tragische, indem jene es unschuldig hart vortragen, und diese gar darüber spotten und Possen damit treiben. Neuere Ästetiker werden mir Gerechtigkeit wiederfahren lassen." –
Das was ich noch von dem Manuscripte mitteilen will, lautete so:
"Prolog des Hanswurstes zu der Tragödie:
der Mensch
Ich trete als Vorredner des Menschen auf. Ein respektives zahlreiches Publikum wird es leichter übersehen, dass ich meiner Handtierung nach ein Narr bin, wenn ich für mich anführe, dass nach Doktor Darwin4 eigentlich der Affe, der doch ohnstreitig noch läppischer ist als ein blosser Narr, der Vorredner und Prologist des ganzen Menschengeschlechts ist, und dass meine und Ihre Gedanken und Gefühle sich nur bloss mit der Zeit etwas verfeinert und kultivirt haben, obgleich sie ihrem Ursprunge gemäss doch immer nur Gedanken und Gefühle bleiben, wie sie in dem kopf und Herzen eines Affen entstehen konnten. Doktor Darwin, den ich hier als meinen Stellvertreter und Anwald aufführe, behauptet nämlich, dass der Mensch