über mir zusammen schlugen, eurer zu vergessen schien. Atemlos, in Wonne gelösst, schwebt mein Geist dem Deinen wieder entgegen und fleht um Einklangsseligkeit. Du einzige gewährst sie mir.
Den Bruder grüsse mit dem Kuss der Liebe. Nichte Lauretten sage – ach Gott! die arme! wie wird ihr Herz in dem Ocean der Kränkung sich nach einem errettenden Felsen sehnen! Die arme!!! Sage ihr, weil es doch einmal gesagt werden muss, es ginge unmöglich an, dass Doctor (nicht mehr Magister) Doctor Wassermann sie heiraten könne, wie sie gern will, weil er mich schon geheiratet hat. Die Musen schlossen den ewigen Bund. Ach, was ist die Liebe für ein süsses Ding! – Die Welt nennt mich alt. Alt? Was ist das nun? Die Hülle, das Kleid wird alt; der Geist blüht in ewig schöner, jugendlicher Form. Wer nicht alt werden will, wird es nicht. Ich gestehe freilich, dass mein Wassermann nicht ganz das Ideal meiner Vorstellungen ist. Sein ernster Sinn verschmäht die leichten Blüten des meinigen; oft windet er mir einen Kranz von Wermut, wo ich Rosen brechen möchte; öfterer führt er mich unter Lauben von Cypressen, und lehnt meine Leier an die Tränen-Weiden der herben Vorwürfe; mehr nennt er mich eine unerschaffene Ceder auf Libanon, denn eine Rose im einsamen Tale; aber dennoch verehre ich den Teuren grenzenlos. Ich beuge mich vor seinem stärkern Geist, und neige mich, wie das zarte Schilf im Sturme.
Begeistert durch die Nähe des Empyräum, streben unsre Geister hinanwärts, hinanwärts!!! Mein Bertram arbeitet, im Vertrauen sei's gesagt, an einem grossen epischen Trauerspiel, von wie vielen Akten, das wissen die Götter! Den Stoff gibt die christliche Myte, das Weltgericht. Sie begreifen, Nichte, wie reich! wie wenig er dem Übelstande der Lokalität ausgesetzt ist. Von Adam bis auf den Säugling dieser letzten Stunden, passt alles hinein. Den Chorus geben die zur Rechten, und die zur Linken stehenden, den diese letzteren als Böcke natürlich nur mäkkern. Sie werden tüchtig herunter gemacht vom Richter, und das gibt die entwicklung. Denn sehen Sie, Nichtchen, sonst erführe man ja gar nicht, warum die ganze Scene veranstaltet ist. Die Schäfchen zur Rechten tanzen ein Schlussballet zu dem Chorus und somit gut!
Sagen Sie es aber Niemand; es soll überraschen, will Bertram. Auch Eurer Elise Geist producirt und ersetzt die leibliche Descendenz. Nichtchen, ich, ich schwärme einen Roman, wie meine reiche Phantasie ihn mir hinzaubert. Wir waren bis jetzt in dem Wahn, meine Liebe, das Wesen des Romans wäre natur und treues Sittengemälde. O ganz und gar nicht! Richardson und der erzgemeine Fielding sollten jetzt einmal aufstehen und lernen. Ihren abgeschmackten Dictionen sieht man's gleich beim ersten blick an, dass ihre Verfasser Engländer sind, in England schrieben und von Engländern gelesen sein wollten. Das ist nun eben unrecht. Es muss alles r e i n i d e a l i s c h , r e i n p o e t i s c h sein. Lieber muss man Schränke und Kommoden redend einführen, ehe man's den Personen anmerkt, wer sie sind, und was sie wollen? Und dann, so muss auch die Moral nicht so Fuderweise darin aufgestapelt liegen. Dadurch entsteht dann die reine Menschheit. Ich sage dir, Nichtchen, die wenigen Figuren, die ich zu meinem Roman brauche, sollen, so zu sagen, wie die Figuren im Puppenspiel, zwischen Himmel und Erde schweben, an einem unsichtbaren Drat, und ihrem Tun und Lassen soll keiner abmerken, ob sie in jene oder diese Region gehören. Da vermeide ich dann die gemeine Natürlichkeit und weiche dem platten konventionellen Leben aus.
Lebe wohl! Tröste Laurettchen! Sage ihr, sie soll sich an dem Duft meines Glücks erlaben, und schreiben, schreiben; es füllt Küche und Keller. Lebe wohl! Die Deinige, im Rosenduft der Freude
Elise Wassermann."
Albertinens Bestürzung über diesen Brief und ihre Verlegenheit in Ansehung ihrer Cousine, entging Lindenhain nicht. Seine Neugier wurde dadurch erregt und sie konnte ihm die Mitteilung nicht versagen. – "Missverstanden, Tante! abermals missverstanden!" rief er. "O, ihr ehrwürdigen, erhabenen Geister, wie werdet ihr verstanden und von Kleinmeistern und Pfuschern gehudelt! Bittet für uns!"
Laurettens unglückliche Konstellation wollte einmal ihre Demütigung. Ein dritter Brief an sie selbst kam an.
"Mademoiselle!
Dero Anfrage nach Lessing, siehe Minna von Barnhelm, ob ich keine Frau Vadius brauche? ist so ächt komisch, so wahrhaftig naiv, dass wir, meine verlobte Frau Braut, Madame Antonie Spürhauss und ich, sie nicht genug haben bewundern und belachen können. Nein, meine Geschätzte! ich brauche keine Frau V a d i u s , sintemal mich der Himmel schon mit einer versorgt hat, die so j u n g , als s c h ö n , so r e i c h , als k l u g ist. Der wegwerfende Stolz, mit dem Sie sonst dem armen Secretär Vadius begegneten, wird Ihnen nicht weiter zugerechnet, so wenig, wie der coup de desespoir, womit die alternde Jungfer Brandbriefe ausschickt. Meine Antonie ist in dem Fall, einer Kammerjungfer zu bedürfen; fühlten Sie sich geschickt zu dieser Stelle, so soll sie Ihnen unverhalten