invalider Gemüter; der Geber schafft sich selbst Vergnügen, indem er gibt; er findet sich in dem Gefühle, dass er verpflichten kann, edel und gross: soll man ihm das danken? – Wir, die wir eine andere Ansicht dafür haben, sind neugieriger gewesen, und haben erfahren, dass der edle Ulmenhorst eine so reichliche Spende gemacht hatte.
Nachdem er völlig genesen war, wachte seine ganze Wut wieder in ihm auf, und es schien ihm unmöglich, ferner unter diesem literarischen Sodomsgeschlecht zu haufen. Er schied von dannen, und würde keinem Menschen die Ehre erzeigt haben, Kunde von sich zu geben, hätte er nicht gehofft, aus den Trümmern des Dämmrigschen Wohlstandes könne sich noch für ihn ein Reisegeräte und manches zu seinem Gebrauche vorfinden lassen; welches denn auch geschah. Der ehrliche Dämmrig gab lachend, weil der Anblick des gelben Gerippes, worein Wassermann verwandelt war, ihn unendlich amüsirte, alles, was er an Reisebedürfnissen hatte, und fand das Schlottern seiner weiten Kleider auf dem dürren leib des Magisters höchst belustigend. Als man ihn fragte, wohin er ginge? antwortete er: "nach dem einzigen Ort, wo es eigentlich nur Menschen gibt, wo man sie nicht, wie hier, mit Leuchten suchen muss." Das hiess, er ging dahin, wo Elise ihren Himmel gefunden hatte.
Mit dieser gab er sich denn auch zusammen; denn sie hatte ein artiges, unabhängiges Vermögen und war der gute Wille selbst. Jetzt schmähete und lästerte er, trotz der gallenreichsten alten Jungfer. In der Dämmrigschen Familie erwartete man mit jedem Posttag die Nachricht ihrer ehelichen Verbindung.
Neunzehntes Kapitel
Albertine trieb sich ohne allen frohen Genuss unter den wogenden Masken umher. Ihr Herz hob sich in den langsamen Pulsen innerer Trauer, unter dem bunten Gewande der Freude; in ihr Auge traten unwillkürliche Tränen, als der Klang der saiten in ihr Ohr drang. Der Anblick des baron weckte ihre ganze Empfindlichkeit über das Vergangene, und sie glaubte, nicht ohne Affectation einen Punct unberührt lassen zu können, der ihr zwischen verschiedenen Geschlechtern eine nicht anständige Vertraulichkeit schien. Ihre Verwirrung liess den Baron nur ahnen, was sie sagen wollte; er lehnte mit Feinheit und Grazie den Dank ab, (der ihm freilich auch nicht gebührte; denn Albert war der, der die Schuld in möglichster Eil und Verschwiegenheit getilgt hatte;) indess wusste Weissensee sich schnell zu orientiren, und liess es sich aus gewissen Ursachen gern gefallen, für Albertinens Beschützer gehalten zu werden, ohne dass es ihm einen heller kostete.
Unter dem Gedränge bemerkte Albertine eine kosacken-Maske, von der sie nicht nur immer verfolgt, sondern auch scharf beobachtet schien. Sie redete ihn einige Male an, seiner los zu werden; aber er antwortete nicht, schüttelte den Kopf und legte seufzend die hände auf seine Brust, welches ihrem Begleiter, dem Hofmarschall, Anlass zu manchem schaalen Scherze gab, an welchem unsre Freundin wenig Geschmack fand. Endlich drängte sich der Kosak noch einmal an sie, und sagte mit verstellter, doch leiser stimme: "Weile nicht zu spät hier, schöne Maske! Ein Sturm bricht über dich ein!" – Albertine wurde empfindlich, sehnte sich hinweg, und machte sich auf, ihre Gesellschaft zu suchen.
Indessen gingen in Albertinens wohnung wunderliche Dinge vor, die wir, der Ordnung gemäss, berichten wollen.
Albertine hatte nicht sobald das Haus verlassen, als sich ihr Zöfchen, Lisette, an ihre Arbeit begab, die zu einem Geschenk für den charmanten Monsieur George, des baron Kammerdiener, bestimmt war. Schauerlich heulte der Wind durch die Kamine der grossen, jetzt leeren Gemächer. Unserm Lisettchen wurde es gar unheimlich um's Herz; sie fing an Riegel zu zuschieben und Schlösser zu verwahren, setzte sich wieder an's Tischchen, und lauschte gar ängstlich nach der tür hin, als plötzlich ein Gepolter entstand und eine kräftige Hand anklopfte. "Wer ist da?" wimmerte Lisettchen. – "Gut Freund!" antwortete die stimme von aussen. – "Ich mache Niemand auf, der sich nicht nennt." – "Lisette muss mir aufmachen, auch wenn ich mich nicht zu nennen für gut finde." – "Herr Jemine! wie wissen Sie denn meinen Namen?" – "Weil ich gut Freund bin." – "Herr Je! ich muss doch einmal sehen!" – Lisette machte auf; da war sie aber eben so klug. Denn den Herrn im Reisekleide, der sich ziemlich keck und herrisch betrug, kannte sie gar nicht. Dass er aber unklug sei, nahm sie für ausgemacht an; denn er sah zwar sehr schön, aber verwildert aus, sprach nicht, näherte sich Albertinens Bette, streckte die Hand bedeutend darnach hin, küsste die Decke, riss einen ihrer Handschuhe vom Tisch und küsste ihn ungestüm, trat an die Staffelei, betrachtete das Gemälde, worauf der Gemahl sterbend abgebildet war, und weinte laut. Lisette hatte sich vor dem grossen wilden Mann hinter die Stühle geflüchtet und antwortete ganz schüchtern, als er, nicht mit donnernder, sondern sehr affectvoller Sprache fragte: "ihre Dame ist also – hab' ich denn recht verstanden? – auf dem Ball?" – "Auf dem Ball!" wiederholte er einige Male und immer weicher. "O Gott! wie feierlich versprach sie's mir! und hier, hier in diesem verfluchten Treibjagen nach Lust!" – In diesem Affect entfiel