! Was ist Ihnen?" – "Wie, Madame, Sie wissen nicht, dass ich verhaftet werden soll, wenn ich zweihundert Taler nicht bezahle, die ich durch das heillose Spiel, wozu Sie mich verleiteten, schuldig geworden bin?" – "Undankbare! ich habe es erwartet. Dass Sie kindisch wagten, ist das meine Schuld? Aber ich verzeihe Ihrem Unmute diesen Ausfall; erzählen Sie mir doch; es wird ja so schlimm nicht sein? Sie haben ja Juwelen; es werden sich ja Freunde finden, bei welchen Sie sie verpfänden oder verkaufen können. Lassen Sie einmal sehen!" – Sie hatte nämlich die ganze Scene zwischen Henrietten und Albertinen belauscht. Albertine holte vertrauensvoll ihren Schatz. Rosamunde wog, taxirte, besah, tadelte alles. Die Perlen waren nicht rund, die Uhr nicht modern, die Diamanten nicht von reinem wasser, die Ketten nur Kronengold; "indess zweihundert Taler kommen zur Not heraus. Ich gebe sie Ihnen. Nota bene, damit ist dann zugleich die kleine Schuld von ehemals quittirt. Sie quittiren es mir!" (Der Leser wird sich erinnern, dass Rosamunde acht Louisd'or von Albertinen borgte.) Albertine ging alles ein; der Handel kam ihr vortrefflich und Rosamunde höchst grossmütig vor. "Nun müssen Sie mir aber," sprach diese, "auch einen Gefallen tun. Ich habe keine Partie zur Maskerade für diesen Abend, und möchte für mein Leben gern hin. Laurette ist enrhumirt; Sie müssen mit; ich nehme keinen refus an!" – "Wie, Madame! mit diesem zermalmten Herzen? mit diesem wunden Gefühl meiner Strafwürdigkeit?" – "O Himmel, wie Sie einen ennuyiren können! Die Sache ist ja vorbei; und damit gut. geben Sie doch einmal diese veralterte Sentimentalität auf; sie steht einem zwanzigjährigen Gesicht, wie einem Jünglinge die Alongen-Perüke des Ältervaters. Albertine, sein Sie dieses eine Mal nur gefällig. Der Baron führt mich und der alte Hofmarschall Sie; daran könnte die prüdeste Duegna nichts auszusetzen haben. Jetzt kann ich mich nicht darüber erklären; aber gewiss spreche ich dort ohne Zwang einen gewissen Grossen, der unsern guten Onkel aus seinen Verdrüsslichkeiten ziehen kann." – "Jetzt, Madame, legen Sie mir als Verbindlichkeit auf, was ich als gefälligkeit ungern eingegangen wäre; denn in der Tat, mein Gemüt ist sonderbar erschüttert und sehr ernst gestimmt." – "Eh, tant mieux, ma chere! so verjubeln Sie die Grillen! Nun genug; sie gehen; in einer Stunde schicke ich Ihnen das Maskenkleid. Addio, cara!" – Sie hüpfte wie ein junges Mädchen davon und liess Albertinen ganz betäubt zurück.
Nach einer Stunde kamen wirklich ein zierliches Maskenkleid und zweihundert Taler in Sechsern. Albertine packte ihre Juwelen zusammen und schrieb die Quittung, die den heillosesten Betrug der Habsucht bestätigte.
Jetzt wollte sie diese Scheidemünze in Gold umsetzen lassen, denn die Schuld war in Gold zu bezahlen, als ihre Kammerjungfer mit einem Billet von dem bösen Schuldner erschien, der ihr für gute Bezahlung dankte, die er durch einen Herrn erhalten hatte, und wogegen er ihr ihren Schuldschein zurück schickte. Lisette fragte den Burschen aus; und nach dessen Beschreibung war der Herr kein anderer, als der Baron Weissensee gewesen; wie denn Lisette jetzt gestand, er habe durch sie selbst h e u t e früh, da er ihrer Dame habe aufwarten wollen, ihre Verlegenheit erfahren, als er darauf bestanden hatte, die Ursache der Tränen, welche diese treue Dienerin vergoss, zu erfahren. Albertinens Delikatesse sträubte sich zwar gegen die Vorstellung, dass sie einem jungen Mann eine Geldverbindlichkeit habe; indess, ganz in der Tiefe ihres Herzens wusste sie ihm für eine so warme Teilnahme Dank, und überdem stand es ja jetzt in ihrer Gewalt, die Schuld sogleich zu tilgen.
Achtzehntes Kapitel
Wir haben unsern alten Bekannten, Wassermann, in dem Paroxismus eines Gallenfiebers verlassen. Auch in diesem Zustand verliess ihn sein Genius nicht, und der Arzt, welchen sein Knabe geholt hatte, wusste gar nicht, mit was für einer Gattung Menschen er es zu tun hätte. Wenn der Kranke immer durch W i r sprach, glaubte er, es sei ein Verrückter, der sich für irgend eine grosse Potenz halte, bis endlich einmal der fürchterliche Spruch: ohe jam satis, sich aus dem Ideenwirrwarr hervortat. Jetzt wurde es ihm klar, wer der Kranke sei, und er ging ihm nun tüchtig mit Brechmitteln zu leib, die Galle von ihm zu schaffen. Doch blieb, so stark die Mittel anschlugen, immer noch hinreichend zur künftigen Konsumtion übrig. Als der Kranke ausser Gefahr, aber noch zu matt zum Schreiben war, dictirte er seinem arzt einen Brief an Antonien, den dieser, pour la rarité du fait, wirklich niederschrieb; er war das Urbild des beleidigten Autorstolzes und der plattesten Grobheit. Ferner wendete er seine wieder erlangten Geisteskräfte sogleich zu einer Antikritik an, dergleichen die literarische Marktelfersprache ebenfalls noch nicht aufzuweisen hatte.
Als er sich so Luft gemacht, fühlte er sich um ein Grosses erleichtert, und die volle Genesung ging nun schnell von statten. Der Arzt war, als er ihn bezahlen wollte, schon von unbekannter Hand sehr reichlich belohnt worden. Das kümmerte nun den Magister weiter nicht, und er gab sich keinen Augenblick die Mühe, seinen unbekannten Wohltäter auszuforschen. Die Sache war geschehen; nun gut! Dankbarkeit gehörte nach ihm zu den Schwächlichkeiten