Zuschauerin, weigerte sich aber immer noch standhaft, Teilnehmerin zu werden, bis endlich einmal der Baron, der, ganz unleidenschaftlich, sich bloss dem geselligen Zeitvertreibe zu leihen schien, und Rosamunde es von ihr erhielten, dass sie mit pointirte. Sie gewann, pointirte noch einmal und gewann wieder. Aufgemuntert durch diesen Erfolg, war sie jetzt fast jeden Abend von der Partie, bei der Laurette anfing eine wichtige Rolle zu spielen, indem sie mit unausgesetztem Glücke spielte. Auch die arme Albertine wurde immer tiefer verwikkelt, und das um so leichter, da der Baron ihr nicht von der Seite wich, immer zwischendurch auf das Spiel und dessen Unmoralität loszog, es indess billigte, wenn Albertine, so wie er selbst tat, auch diese Lebenserfahrung erwarb, um dann das Ganze wie ein schmutziges Gewand abstreifen zu können.
O, der unwürdigen Ränke, durch welche die unschuldigste und reinste ihres Geschlechts in's Garn gelockt werden sollte! Die Spieler-Flitterwochen gingen für Albertinen bald vorüber. Der bisherige Gewinn samt den zweihundert Louisd'or, die Albert ihr eingehändigt hatte, gehörten im kurzen der Räuberbande am grünen Tische, und die unglückliche Albertine geriet in Verlegenheiten, wovon wir bald Bericht erstatten wollen.
Funfzehntes Kapitel
Wassermann hatte, mit der ihm beiwohnenden Rohheit des Gemüts, dem haus, worin er so manche frohe Stunde verlebt hatte, entsagt, sobald der gewohnte Wohlstand daraus gewichen war. Albertine, die liebenswürdige Albertine ohne Vermögen, war ihm nur ein gewöhnlicher Gegenstand seiner ungeordneten Sinnlichkeit, dem aber nachzustellen zu mühsam war. Indess hatte er. doch einmal den Vorsatz gefasst, durch eine Heirat reich zu werden, welches ihm die bequemste Art schien; denn sich in die Mühle des staates einspannen zu lassen, wodurch er das Leben des Geschäftsmannes bezeichnete, dazu erschien er sich zu eminent. Er schaute unter den Töchtern des Landes umher, und siehe, es fand sich keine, die würdig gewesen wäre, die Frau des Magister Wassermann zu werden.
Indess erschien ihm, während des phantasiereichen Zustandes zwischen Schlaf und Wachen, wo der unglücklich Liebende die Geliebte äterisch umarmt, der Dichter den Stoff zu Sonnetten und der Philosoph oft zu seinen Systemen auffasst, Antonie, die junge witwe, mit reinen 30,000 Talern. Er rieb den Schlaf aus den Augen, über rechnete seine unermesslichen Verdienste, seinen gelehrten Ruf, was dieser ihm noch in der Folge einbringen werde, wie die Potenzen sich drängen würden, ihn an sich zu ziehen, und er beschloss, Antonien zu sich zu erheben.
Ein feindseliger Genius, der seinen Spass mit unserm Magister zu haben schien, wollte, dass an eben diesem Morgen, in eben demselben Zustand zwischen Schlaf und Wachen, Wassermann Antonien in den gehässigsten Farben erschien. Immer noch hatte die an ihrer empfindlichsten Stelle tief gekränkte Antonie Rache in ihrem Herzen gekocht. An den Weibern nahm sie sie überall, wo nur Dampf aus einer Teemaschine aufbrodelte; auch war es ihr wirklich gelungen, Rosamundens Gesellschaft lächerlich zu machen, sie in einem öffentlichen Blatte als eine solche bezeichnen zu lassen, und derselben einige frisch angekommene Schöngeister zu entführen, so dass der schöne Kranz zerstiebte. Aber für Wassermann bereitete sie eine empfindlichere und vollständigere Rache.
Als sie ihren literarischen Anhang stark genug hielt, veranstaltete sie durch denselben eine äusserst harte und beissende Recension eines der Wassermannschen Werke, worauf er, wie sie wusste, den höchsten Wert setzte, weil er, wie er sagte, sich ganz darin ausgesprochen hatte; und als das schöne Werk der Finsterniss an den Tag gefördert war, schickte sie es, von einem hämischen Briefe begleitet, an den unglücklichen Magister ab. Dies geschah an eben dem Vormittage, an dem er ihr die Ehre seiner Bewerbung angedeihen zu lassen beschlossen hatte. Als sein Knabe mit Gruss und Brief von Madame Spürhauss hereinkam, riss er ihm den Brief aus der Hand und rief triumphirend: "Ha! sie kommt mir zuvor! Sie kommt mir zuvor! Ich dachte's; sie kann mich nicht vergessen! Ich war meiner zu gewiss. Und bin ich denn nicht Wassermann?"
Wer schildert den Schreck, die Wut des Magisters, als er den Brief und die bezeichnete Stelle, die ihn betraf, gelesen hatte! – Der rasende Roland müsste ein blosser Stümper in tollen Geberden gegen unsern Wassermann gewesen sein. Er zertrümmerte die wenigen Habseligkeiten, die er besass, und trieb es so toll, dass sein Knabe in der Angst zum arzt lief, der ihn im hef tigsten Fieber fand, welches sich in einigen Tagen als ein hitziges Gallenfieber zeigte. Im Dämmrigschen haus erfuhr man seinen Zustand, und Albertine war sogleich bereit, ihm auf die zarteste und schonendste Weise alle Arten von Erleichterung zukommen zu lassen, welches auch der edle Albert tat, ohne dass der Kranke je erfuhr, von woher ihm so reichlicher Beistand gekommen war.
Sechszehntes Kapitel
Albertine war indessen durch die niedrigen Künste ihrer Gesellschafter gänzlich umstrickt, welches selbst durch die edle Unbefangenheit ihres Gemüts gefördert wurde. Ihre liebende Seele widerstand nicht den Schmeicheleien derer, von welchen sie nur kalte Zurücksetzung gewohnt war. Henriette hatte oft vor, sie diesem Zustande gewaltsam zu entreissen und an ihren Bruder zu schreiben. Dieser war aber, einer Angelegenheit wegen, ausser Landes, und Albert widerriet immer jede heftige Maassregel, weil er vielleicht zu sehr auf die Rückkehr eines tugendhaften Gemütes rechnete, ohne daran zu denken, dass es einem weiblichen und dazu verirrten Gemüt an Energie zur Rückkehr