"Wie?" schrie Wassermann; "Sie wollten nicht mit Leib und Gut für die armen, bedrängten Neger wirken? – Mit meinem Leben möchte' ich's!" – "Ich vor der Hand nicht!" sagte Albert ruhig; "noch habe ich zu viel Pflichten gegen meine Gutsuntertanen und gegen viele andre meiner Mitbürger auszuüben." – Wassermann überschrie ihn und trieb es so arg, dass man hätte meinen sollen, er werde noch diese Nacht unter Seegel gehen, die Schwarzen zu befreien.
Indem erscholl's im haus: "Feuer! Feuer!" – Die Türen des Speisesaales wurden aufgerissen, und die Domestiken stürzten todtenbleich mit der Nachricht herein: es brenne im Hinterhause; der Stall stehe in lichten Flammen.
Alle sprangen von ihren Sitzen auf und eilten heraus. Nur der einzige Wassermann blieb ruhig sitzen, trank sein Glas Champagner aus, stürzte sich noch eines ein, trank in der Geschwindigkeit einige vollstehende Gläser aus, packte von den Dessert-Tellern die Macaronen und süssen Orangen ein, suchte seinen Hut, nahm noch ganz ruhig ein Buch zu sich, welches er liegen sah, las eine Recension mit allem Bedacht, und verschwand, ohne sich nach dem schauerlichen Auftritt in dem befreundeten haus umzusehen, ganz gelassen, wahrscheinlich, um von den – Negern zu träumen.
Jetzt war ein Jeder nach seinem charakter geschäftig. Albert war sogleich hingeeilt, die Pferde aus dem brennenden Stall zu ziehen. Albertine war durch den erstickenden Rauch in die Kutscherwohnung gedrungen, riss die schlafenden Kinder aus den Betten, und den Käfigt mit dem kleinen Zeisig vom Nagel, alles Lebende zu retten. Albert, der die Pferde seinen Bedienten übergeben hatte, war ihr nachgeeilt; sie winkte ihm mit der Hand, nach einer Stiege, die nach oben führte, hin. Albert flog herauf, obgleich die Flammen schon über ihm zusammenschlugen, und brachte bald glücklich eine arme, alte, kranke Frau auf seinen starken Armen getragen. Viele der Herren schleppten wasser; der Baron aber stand von ferne und bot Geld über Geld, wer retten hülfe. Dämmrig trippelte oben in seinem Reviere umher und gab zweckwidrige Befehle, die zum Glück Niemand befolgte. Elise sank aus einer Ohnmacht in die andere und declamirte zwischen durch das Lied vom braven mann von Bürger in den Lärmen hinein. Laurette schimpfte auf den mechanten Pöbel, der einen solchen Aufstand im haus angerichtet habe, und der nicht wert sei, dass er gerettet werde. Frau Rosamunde war an ihrem Teile sehr zweckmässig für sich tätig, denn sie packte mit ihrer Kammerjungfer alles von Kostbarkeiten, was sie nur ansichtig wurde, zusammen, um, im Fall das Feuer weiter um sich griffe, damit abziehen zu können.
Erst, als alles vorüber war, und die Gesellschaft sich gegen Morgen zu einem Frühstück zusammen fand, bemerkte Albertine, dass sie den einen Arm sehr beschädigt habe. Albert, ohne ein Wort zu sagen, verschwand, und kam nach einer Viertelstunde mit einer Brandsalbe zurück, die sogleich mit Erfolg angewendet wurde; indess der Baron diese Zeit mit fruchtlosem Bedauern und hundert kleinen Artigkeiten vertändelt hatte, die, wir müssen es leider zur Steuer der Wahrheit sagen, Albertinen so wohl taten, als kaum nachher das erprobte Mittel, das der redliche Albert herbeigeschafft hatte.
"Und wo hat denn unser Kosmopolit Ende genommen?" fragte Onkel Dämmrig. – Ein jeder sagte seine Vermutungen und übte seinen Witz; nur Laurette, die ihren Mann um so besser kannte, als sie sich ihm in seinen ökonomischen Angelegenheiten zur Vertrauten aufgedrängt hatte, behauptete, er habe seine weissseidnen Strümpfe und die Prunkweste nicht Preis geben wollen; und so verhielt sich's wirklich. Denn als er Mittags vom Onkel Dämmrig geneckt wurde, stiess er's in der Ärgerniss heraus, dass dieses Mal in der Tat die neuen Strümpfe und die schöne Weste den edlen Kosmopoliten untätig erhalten hatten. Albertinen machte er ernste Vorwürfe, dass sie sich um nichts und wieder nichts in Ungelegenheit gestürzt hätte. – "Um nichts und wieder nichts? Ich habe zwei liebe Kleinen gerettet, und das, wie Sie sehen, um einen sehr geringen Preis!" – "Wer weiss auch noch, ob es ein Glück für die Welt und selbst für die Kinder ist, dass sie am Leben erhalten sind? Der ungebildete Mensch steht nur eine Stufe über dem Tier; und es ist nicht recht, wenn der nützlichere, der gebildete sich für das Untergeordnete wagt; sich der Welt zu erhalten, ist die höhere Pflicht!" – "Abscheulich!" sagte Albertine, und wendete sich indignirt von ihm. – "Und die lieben Neger?" fragte Onkel Dämmrig, der nicht leicht eine Neckerei fahren liess. "Wassermann, Wassermann, mich dünkt, ihr System ist lahm und hinkt auch!" – Unser Magister tat, was er immer tat, wenn er sich in die Enge getrieben fühlte: er wurde grob. "Gewisse Leute," schrie er, "sollten sich doch endlich resigniren, und gestehen, dass sie vieles nicht begreifen und in das Wesen höherer Naturen nicht einzugehen vermögen!" – übrigens hatte der Weltbürger sich mit keiner Sylbe nach dem traurigen Vorfall erkundigt, wie das doch wohl ein ganz Fremder getan haben würde.
Dreizehntes Kapitel
Wenn in den längeren Abenden Madame Rosamunde mit Albertinen und Lauretten, die sie scherzweise ihre Hofdamen nannte, ausser dem haus ihr Wesen hatte, pflegte Onkel Dämmrig zuweilen mit