. Das war das rechte Wort. "Ein Affe; aber auf Ehre, ein recht completter, tüchtiger Affe!"
"Ich rase, ich will zur Furie werden; ich will sie, dich, alle, alle zerreissen!" – "Gemach, Madame, gemach! Was soll ich nun erst nicht alles tun! Sie? Sie sind glücklich, weil Sie als eine Philosophin auch hierüber sich beruhigen werden; aber ich pauvre diable, que je suis!" – "Ach, ich habe den Henker von der Philosophie! Wer ist der Narr, der prätendirt, dass sie in's innere Leben eingreife, wenn sie meiner Schönheit nicht Bewunderer verschafft. Nie habe ich mich ihrer anders bedient," antwortete Gräcula. "Aber mich verlangt, wie das enden wird?"
Sie waren dem Ende ihrer Reise nahe. Der Kasten liess sich auf ein schönes grünendes Eiland nieder. Salto sprang leicht, wie immer, zuerst aus dem Futteral, und meinte, er fühle sich ganz wenig verwandelt; ihm sei, wie immer. Gräcula trat langgeschwänzt und melancholisch daher. Ein heller Wasserquell zeigte ihr sogleich ihr scheussliches Bild, worüber sie laut aufkreischte. Aber eine stimme rief: "Verzweifle nicht! Siehe! Beobachte! Lerne! Jeder Grad von Veredlung und Selbsterkenntniss wird dir zugerechnet."
Traurig und einsam setzte sich unser Ungeheuerchen auf einen Baum, und betrachtete still die langgeschwänzte possierliche Kameradschaft, die sich nach und nach versammelte, und worunter sich Salto schon ganz einheimisch fühlte. Gräcula hing den Kopf und dachte ganz ernstlich nach; das Resultat war der Entschluss, der bewillkommenden stimme zu folgen, zu lernen und still zu beobachten. Froh bemerkte sie, dass schon dieser Entschluss ihr frommte; denn aus einer scheusslichen Meerkatze wurde sie ein zierliches Äffchen, niedlich geschmeidig und das artigste DosenGesichtchen. Die stimme rief: "Wohl dir, Babiole! du siehst, ich halte Wort!" –
Vom heissen Hunger getrieben, sah sich Babiole nach Nahrung um. Ein Mandelbaum bot ihr seine Frucht, und zum Dessert reichte ihr die süsse Orange ein anderer. In dem Schatten dieser Bäume barg sich Babiole, ahnungsvoll ihr Schicksal erwartend, als aus einem gegenüber stehenden Baume eine männliche stimme sang:
Wo tanzt sie nun ein Labyrint? Wo füllt
Ihr Lied den Hain? welch glückliches Gewässer
Wird schöner durch ihr Bild?
"Ha! wieder ein Wunder! Ein altfränkisches unästetisches Tier, das noch dem Kleist singt!" sprach sie laut. "Welche Silbertöne umsäuseln mein Ohr! Töne noch einmal, süsse Harmonie, dass ich dich finde!" sagte die stimme, die gesungen hatte. Babiole sprang hervor, und ihr entgegen ein schlanker Elegant vom drolligen Geschlechte.
"Warst du ein Mensch? Sprich: habe ich Unglücksgefährten?" – "Seit ich Sie sehe, Schönste Ihres Geschlechts! fühle ich kein Unglück mehr," sagte der Fremde, wobei er sich graziös seine Sitzschwülen rieb. "Ob ich ein Mensch war, weiss ich so recht eigentlich nicht; denn die Meinungen waren darüber geteilt, und die Pluralität nannte mich immer einen Affen."
"Wer warst du als Mensch?"
"Ein Elegant, untertänigst aufzuwarten. Mein Beruf war, mein Gesicht an allen öffentlichen Orten spatzieren zu führen, die Damen zu lorgniren, sie in Gesellschaft zu unterhalten, den Schoosshündchen Bisquit mitzubringen, das Modejournal immer zuerst in die Gesellschaft einzuführen, alle neuen Broschüren aufzustöbern, die Schauspiel Affichen zu präsentiren, beim Tee mit zu lästern und das Stichblatt zu sein, woran die Damen ihren Witz übten. Ich vertrug auch en galant homme ihre Grobheiten. Sonst erinnere ich mich nicht, etwas getan zu haben."
"Solche Dinger sah ich viel am hof meiner Eltern. Sei mein Führer; ich bin hier fremd!"
Unser Papillon liess sich das nicht zweimal sagen, und trat sein Kammerherrngeschäft sogleich an, indem er beteuerte, mit dem Locale vollkommen bekannt zu sein.
"Wie kamst du aber zu deiner Verwandlung, Herr Ritter?"
"Ich – ich war so ein kleiner loser Vogel, hatte mich ein wenig sarkastisch über eine kleine, niedliche Hexe von Fee amüsirt, und dafür beschenkte sie meine zierlichen Glieder mit diesem braunen Frack jusqu'à revoir."
"Gut! So lass uns denn gehen. Zeige mir die Wunder dieses Orts! Ich will alles sehen."
"Haben meine Gnädigste Dero Flacon zur Hand, wenn bei dem Anblick, der bevorsteht, die Nerven leiden sollten?" –
"Du siehst, man trägt hier a l'antique keine Taschen; wo sollte das Flaçon herkommen? Doch, sei unbekümmert; Nerven kannte ich nie, war immer fest und kalt, wie Erz."
Jetzt sprangen sie leicht über eine Dornenhecke, die einen grossen Raum, einem Kirchhofe ähnlich, einschloss. Vor ihnen lag ein Verhack von umgestürzten Monumenten, an welchen die Namen grosser Männer noch lesbar waren. Hohläugige, bleiche Gestalten, die Kinder der Furien, mit dem Neide erzeugt, vertrieben ihre Zeit damit, dass sie diese Denkmäler mit Schlangen geisselten und den giftigen Geifer ihrer Lippen darüber hinsprudelten. Weiter hin waren Hiänen und Schakals in Menge, welche in die Gräber wühlten und dann die toten zu verschlingen schienen.
"Was treiben jene da?" fragte Babiole.
"Als Menschen machten sie die geschichte;" sagte Pappillon. "Hier fahren sie fort, grosse Menschen klein zu machen; diesem den