, und den Antiquar in die Hölle wünschten, welcher den Nasen diesen Schmauss zubereitete.
Unter solchen Zurüstungen kam Zeit und Stunde herbei; die kleine Infantin stellte sich richtig ein. Der erste Schrei, welchen das Wunderkind in die Welt hinein schrie, setzte das Bonnen- und Ammenheer in Exstase. "Haben Sie's gehört! All' ihr Götter! hörten Sie's? Musik kam aus der kleinen Kehle. So wahr ich lebe, eine Kantilene von Mozart!" rief die Hebamme. Alles kam überein, sie habe in Musik geschrieen. Die Nachricht ging von Mund zu Mund; jeder nannte den Komponisten, den er kannte, bis denn in den Vorstädten eine Arie aus der Donau-Nymphe daraus wurde. Die Königin glaubte das Wunder; denn die Schmeichelei hatte es gehört. Doch gab's in der Stadt auch alte Damen, die darnach späheten, ob der neugeborne Affe auch sehr grimmig sei?
Und jetzt ging's an ein Gevatterbitten! Alle Papierfabrikanten im ganzen weiten Reiche brachten kaum so viel Papier zusammen, als der geplagte Papa zu Gevatterbriefen verbrauchte.
Aber was wahr ist, nie hatte noch zuvor die Sonne einen so festlichen Tag, wie diesen, beschienen. Aus hoher Luft, aus tiefen Klüften kam's auf Tauben, Sperbern, Adlern und Kranichen, mit Mäusen, Ratten und Maulwürfen angeritten und angefahren. Silphen, Genien, Gnomen und Feen prunkten in bunten Schaaren und glänzenden Reihen um unsre Königstochter her, der zierliche Frivolo mitten unter ihnen. Keiner fehlte noch, als die Waldmutter, die denn auch in groteskem Aufzuge erschien.
Als nun die Firmelung vor sich gehen sollte, sah der Bonze sich verlegen nach dem Namengeber um. "Poularde soll sie heissen!" rief Fricando, dass es durch die grosse Versammlung dreimal wiederhallte; darob eine junge Fee so hell aufquickte, dass schier die ganze Ceremonie in's Komische herüber gespielt worden wäre. "O nein, nein, nicht Poularde!" zwitscherte Sentimentale aus ihren äterischen Bettumhängen heraus. "Gräcula soll sie heissen; so w i l l i c h !" Die junge Fee lachte wieder, aber nicht so laut, und Fricando gab sich, wie er gewöhnlich nach einem solchen Spruch zu tun pflegte.
"Nun, so weihe denn dein Kind schon durch den Namen zur Torheit des Zeitalters ein; meinetwegen!" sprach die alte Waldmutter. "Jetzt opfert eure Gaben, ihr Andern da; du luftiges Gesindel und ihr wampigten Unholde unter der Erde, ihr Gnomen-Pöbel nahet euch, ich muss von dannen!"
"Einmal her und Einmal hin,
Fort, zur schönen Königin!"
Sie naheten Alle und Gräcula wurde mit allem beschenkt, was die Schönheit glänzend machen und den Verstand erweitern kann; doch keine dachte an der Gaben schönste: an ein schönes, weibliches Herz, an ein Gemüt, das die Schönheit einzig schön macht, das den Verstand einzig zur schönen Gabe erhöht. Gräcula wird tanzen, ehe sie gehen kann. Sentimentale wird die süsse Schmeichelei zur Wärterin ihres Kindes machen, wird mich verachten, Gräcula wird in bunten mäandrischen Kreisen den Tanz des Lebens frühe beginnen und über ihre eigene Füsse fallen. Und jetzt adieu!"
Dreimal her und dreimal hin,
Fort von dir, du Königin!
Eil' ich meinem wald zu,
Fürder stört nicht meine Ruh!
So die Waldfrau und polternd und scheltend fuhr sie von dannen.
"Die alte Närrin!" sagte Frivolo, süss lächelnd. – "Die alte Närrin!" wiederholte das gefällige Echo der Hofleute; "die alte Närrin!" bis es sich leise verhallend bei der äussersten Schildwacht verlor, die ihr noch, den Gewehrkolben trotzig aufstossend, den Refrain nachschickte. Im Herzen hielt Sentimentale die Waldmutter gar nicht für so eine Närrin, als sie sich jetzt den Schein davon gab; sie beruhigte sich aber leicht, wie das alle Sentimentalen so in der Art haben, und dachte: ich will den Rousseau studiren und den Campe; zum Not- und Hülfsbüchlein wird mir auch noch die Frau le Prince de Beaumont zur Hand gehen, da soll's ja wohl werden. Überdem wird uns Grossen ja alles so leicht in die hände gespielt; wir werden ja doch mit so geringem Kraftaufwande vortrefliche Wesen, dass es sich keines so grossen Aufhebens darüber verlohnt.
Erzogen werden, hiess bei Sentimentalen, erschrecklich viel fremde Begriffe auffassen lassen. Gräcula's Wiege wurde gleich in den ersten Wochen mit Künstlern und Gelehrten aller Art umgeben; denn sie dachte: je früher, je besser! Dem jungen, tierisch stieren Auge wurden Antiken und Gemmen in Menge vorgehalten, dass der Kunstsinn sich frühe bilden solle. Andere declamirten Gedichte über des Püppchen Wiege hin, so dass, wenn die Elegie schwieg, die Pindarische Ode herrasselte. Wieder Andere disputirten über spitzfindige philosophische Sätze, wobei sich die Kleine immer besonders unruhig gebärdete und mit den Füsschen strampelte, woraus die Herren schlossen, dass sie mit dem Zeitalter fortschreiten wolle.
Sentimentale starb vor Ungeduld nach den ersten Sprachlauten des Wunderkindes. An einem schönen Morgen stürzten einige Dutzend Bonnen und deren Gehülfinnen mit der freudigen Nachricht atemlos herein: die Prinzessin habe Worte gesprochen! "Worte? Ihr Närrinnen, was für Worte?" – "Das ist's eben! Ach, ach, gnä – dig – ste – Kö – ni – gin – frei – lich – ist's – das –