aber auch die Freude, als sie ein Licht durch das Dikkicht schimmern sahen. Sogleich wurde darauf los gesteuert. Das Lichtlein schien sich bald zu entfernen, bald ganz verschwunden zu sein. Endlich und endlich, durch Dornen und Hecken, hatten sie's erreicht, als es eben ganz erlosch. Sie befanden sich vor einer kleinen Hütte, worin dem Anscheine nach kaum der königliche Bauch Raum haben würde. Als nun der königliche Ober-Hof-Anpocher die tür der Hütte männiglich mit Faust und Fuss bearbeitet hatte, rief eine heisere weibliche stimme: "Gleich, gleich! Man kann doch so nicht vor den Leuten erscheinen!" – – Drauf ging's von Neuem: klopp, klopp! dass der Wald wiederhallte; und inwendig auf Pantoffeln: klapp, klapp! dass allen Zeit und Weile lang wurde. Nach langem klopp, klopp, und klapp, klapp, erschien endlich an der geöffneten tür eine Alte, wie sie noch keines Menschen Auge je gesehen hatte. Aus hundertjährigen Furchen blitzten Augen, wie Brillanten. Strenge und Milde schienen sich ewig um den Alleinbesitz dieser stark ausgesprochenen Züge gestritten zu haben. Und so ridicül ihr imponirender Ton gegen ihren bettelhaften Aufzug abstach, hatte keiner, sogar die Pagen nicht, den Mut, darüber zu lachen.
Sie zog bei dem dürftigen Schimmer einer erlöschenden Lampe König und Königin ziemlich unmanierlich herein; den übrigen warf sie trotzig die tür vor der Nase zu. Vergeblich suchte Fricando's blick in dem engen Raum einen Sopha; nur ein ledernes hartes Ruhebett, das sein Seculum zurückgelegt hatte, war vorhanden. Er strekte seinen gemarterten Leichnam darauf hin, dass die Stützen der alten Hütte krachten.
Jetzt ging's mit der Alten wieder von Neuem los: klipp, klipp, klapp, klapp; darauf Tür' heraus, Tür' herein. Das Feuer war bald zusammengeschürt, unverständliche Worte über den Kessel gemurmelt und ein herzstärkendes Süppchen für den König, ein niedlich Ragout von Kolibris für die Königin stand auf dem wackelnden runden Tischgen vor ihnen.
"Hm! Hm! vom grossen Gecken-König, vom eitlen Frivolo, kommt ihr also zu mir, schöne Dame? Wer mich zuerst gesehen hat, sieht ihn nicht; wer mich zuletzt sieht, sieht mich zu spät. Nun, das Orakel war euch günstig, wie ich vernahm. Möge die Reise euch nicht gereuen!"
"Was wisst ihr von mir?" sagte Sentimentale, die sich eines geheimen Schauers vor dem grausenhaften weib nicht erwehrte. "Wer bist du, Weib, das mich kennt, das mein Inneres durchblickt? Hexe oder Kobold? Sag', wer bist du?"
"Ich bin die erstgebohrne Tochter der Zeit: d i e E r f a h r u n g ," antwortete die Alte ganz ruhig. "Sinnlos taumelt die junge Welt an mir vorüber, ihren Sümpfen zu. Die neue Weisheit, die auf den Dächern predigt, verstösst mich; der Stolz will ohne mich daher schreiten. So entwich ich in meine Einöde, bis ein durch meine geheime Anhänger erleuchtetes Geschlecht mich wieder in meine Rechte einsetzen wird."
"Nun denn, du Eltermutter aller klugen Weiber, du Erstgeborne der Zeit, sage mir, wenn ich nun einen Erben erhalte" – – –
"Frivolo," entgegnete die Alte, "Frivolo hat" – –
"Bitte, bitte untertänig!" schmeichelte Sentimentale, ängstlich auf Fricando blickend. Der schnarchte aber schon, dass es im tiefen wald wiederhallte. "Bitte um meines Kindes Zukunft!"
"Deine Tochter wird wunderschön, wunderklug sein. Machst du sie aber nicht auch wundergut, so wirst du das Orakel, das zu deinen Wünschen Ja! sprach, in die Tiefen des Orkus wünschen."
"Wie fang' ich's an," fragte die Königin verlegen, "dass sie wundergut wird?"
"Sei es selbst!"
"Gut! Aber schreibe mir mein Verhalten vor!"
"Lass sie nicht sich in den Irrgarten der Sophisten verirren! Bewahre ihren Fuss vor den Rosengebüschen der Wollust. Hüte, dass die Perle des schäumenden Bechers ihre Lippen nicht berühre Ich komme zu Gevatter; so wie du mich siehst, kann ich mich gar schmuck herausputzen."
Indess schrieb die Königin den Spruch der Alten in ihr Souvenir; nur wenn sie diese um nähere Erklärung bat, war sie stumm, wie das Grab. –
Als nun das Königspaar wieder daheim war, erhob sich im land ein Tun und Treiben, als sollte eine Welt geschaffen werden. Dabei gab's gar wunderliche Reden, wie es unter eleganten und uneleganten Damen nun so der Brauch ist; einige der Erstern wussten sogar für gewiss, das Orakel habe der Königin einen leibhaften Affen zum Tronerben gewährt.
Fricando freute sich wie ein Kind auf den schönen Gevatterschmauss. Recht Landesväterlich versprach er dem Jean Hagel eine Cocagna, wie noch kein Feenkönig sie gegeben hatte. Über die Crater der Vulcane, welche Sentimentale um des geisterhebenden Anblicks willen mit in ihre Parks gezogen hatte, wurden, Holz zu ersparen, grosse Suppen-Kessel und PunschBowlen gemacht, dass das Volk sich vollauf labe, indess Sentimentale die feinern und geistigern Genüsse für den beau mond besorgte, wobei unter andern ein See von Saffran-Essenz war, woraus grosse PrahmSpritzen dem Publikum unaufhörlich diesen beliebten Wohlgeruch altrömischer Nasen zuführte; welches freilich die artigen Transparente der äterischen Chemise-Trägerinnen nicht gnädig vermerkten