können Sie so dumm reden!" erwiderte nun seiner Seits Fricando, mit nicht minder hohem Anstande. "Haben Sie nicht Hoffräulein, so jung, wie sie von der Mutter kommen! Faseln Ihre Kämmerlinge nicht so schnakisch, wie nur irgend welche unterm mond? Was soll ich tun, das vertrakte Wort nicht mehr zu hören?"
"Machen Sie, dass es anders ist! Doch ein Wort, wie tausend. Ich tue einen Vorschlag, den Sie gewähren müssen. An der Grenze unsers Königreichs, wo der schöne Strom der Freude die Zuckerbergwerke bespült; in der Gegend, wo Euer Majestät eingemachte Pomeranzen und gebrannte Mandeln wachsen, wohnt in einer Grotte der Marzipangebirge der Genius Frivolo. Er ist Priester eines Orakels; das soll er befragen, warum mir, eben mir die Schmach der Kinderlosigkeit wurde? Denn das ist's, das sollen Sie wissen: Kinder will und muss ich haben; und sollte ich, gleich der königlichen Ananas, nur eine Frucht bringen und dann welken, so will ich die Seufzer meines volkes um einen Erben mir nicht länger durch meine Telegraphen zurufen lassen. Jede Zofe, jedes Hoffräulein bekommt richtig seine Erben, und ich allein soll meinen Dienerinnen zurückstehen? Noch kam, so höre ich, kein einsames Weib vom Frivolo einsam zurück. Dahin, dahin, o mein Geliebter, lass uns ziehen!" fügte sie schmeichelnd hinzu.
Fricando schmunzelte und sagte ganz gutmütig: "Wie heisst der Kerl? Hat er einen guten Mundkoch?"
Sentimentale hatte nun gewonnen. Dreimal durchküsste sie Etagenweise des Königs dreifaches Kinn und erzählte recht redselig alle die schönen Waaren her, die in jenen Gegenden zu haben wären. – "Nun, so reisen wir!" sagte Fricando gähnend. "Wenn's mir weiter keine Mühe macht und der Weg durch kein Hungerland führt, bin ich von der Partie."
Schon wollte die Königin ihre Befehle zur Abreise erteilen, als dem König noch ein Bedenken aufstiess. "hören Sie doch, Frau Sentimentale! was soll's denn sein, wenn der Kerl, der Hexenmeister, wie Sie da sagen, Rat schafft? Ein Prinzchen, oder Prinzesschen?"
"Einen Erben!" antwortete die Königin, halb verdriesslich.
"Nun, nun, machen Sie mir darum nicht gleich so ein Kirieleisons-Gesicht! Obschon ich an meinem Teile gleich gern bliebe, wie ich bin; denn die Vaterschaft, habe ich all mein Tage gehört, macht nur Plage; so dächte ich doch, die Prinzesschen wären auch ganz schnurrige Dingerchen, besonders wenn so ein Mäuschen gut kochen lernt."
"Kochen! – Regieren, wollen Sie sagen!" –
"Meinetwegen auch regieren. Ich habe in einer Druckschrift gelesen, dass die Damen gewiss und wahrhaftig oft recht erschrecklich-prächtig regieren können. Da kam auch drin vor von einer Kaiserin von England und einer Kurfürstin von Russland" –
Sentimentale wendete sich von ihm und machte ihre Reise-Anstalten. Hundert Wagen wurden mit Bayonner Schinken, Böhmischen Fasanen-Pasteten aus Frankreich und Leckereien aller Art beladen, damit der gute Herr auf der weiten Reise keinen Abgang der Kräfte verspüren sollte. Dann wurden wieder andere hundert Wagen mit Ober- und Unter-Zofen, nebst Toilettbedürfnissen aller Art für die Königin befrachtet; denn Frivolo war ein Elegant, und wusste immer um ein Haar um die neusten Moden.
Auf der Reise war unserm Fricando so wohl, wenn er sein Gefolge übersah, dass ihm oft das wasser in dem Mund zusammenrann. In solchen Augenblicken umarmte er seine Gemahlin, und versicherte, sie sei ihm so schön, wie der niedlichste Ortolan und so köstlich, wie die beste Hollsteinsche Auster.
Frivolo hatte durch seinen Boten über und unter der Erde Nachricht von der Reise des königlichen Paars erhalten. Der schöne Genius war galant; Frivolo fand in Spalten und Klüften Kollationen, von Geistern bereitet, und Sentimentale überall Spiegel, die ihr ihre graziöse Gestalt, schön verklärt, wieder gaben.
Frivolo hätte sich erschöpfen müssen (wenn bei einem Genius so etwas möglich wäre) ob der überschwenglich guten Aufnahme. Sentimentale sonnte sich Tage hindurch unermüdet an dem Glanz seiner schönen Augen, indess der gute Fricando Tage lang auf den Knien um das Orakel herumrutschte, etwas zu erhalten, das ihm der Gott der Hahnreischaft schon gewährt hatte.
Da die poetische Periode in der Liebe gewöhnlich die ist, welche der des höchsten Überdrusses vorangeht, und Frivolo jetzt begann, Sentimentalen mit Sonnetten, worin sogar ihre Hüneraugen gefeiert wurden, zu überschwemmen, verspürte sie, dass es nun wohl Zeit sei, abzureisen. Frivolo wünschte von Herzen glückliche Reise, und der ehrliche Fricando versicherte treuherzig, es habe ihm lange nicht so gut geschmeckt, er werde dem wackern Mundkoch seinen Fasanen-Orden erteilen. Und damit hopp, hopp! knarr, knarr! auf und davon.
Jetzt ging's wieder über Berg und Tal, über Tal und Berg, bis sie in einen dunkeln, dunkeln, schaurigen Wald kamen. Da begab sich's, dass der arme König durchaus zu Bette verlangte; er litt an Indigestion. In dem wilden wald war nun, wie jedermann sich leicht vorstellt, weder an Bette, noch an Sopha (ausser denen von Moos, welche die Dichter sehen) gar nicht zu gedenken. Also war alles in grosser Bestürzung, denn Seine Majestät gnarrten unablässig: "ich will zu Bette, ich will zu Bette!" Wie gross war