1804_Jean_Paul_055_87.txt

, ich suchte und sah Sie lange – – Blase, Guter", wandt' er sich plötzlich zu Vult, der zwischen Himmel und Hölle auf- und niederfuhr mit jener männlichen Lustigkeit, die dem weiblichen hysterischen lachen gleicht, "milder, blase Hirtenlieder, Lautenzüge, Gottesfrieden."

Vult spielte noch fünf oder sechs Kehrause und Valetstürme und hörte gar auf, weil er sich zu gut dünkte und es zu lächerlich fand, den Abfall von seinem Herzen, den Text abtrünniger Empfindungen in Musik zu setzen. "Auch ich entsinne mich Ihrer Erscheinung, aber dunkel, doch wünsch' ich Ihr Inkognito nicht zu brechen", versetzte der Graf. "Nein, es werde gebrochen (rief der Notar), ich bin der Notarius Harnisch aus Elterlein, derselbe, der den Brief des Fräuleins Wina im Park fand und übergab."

"Was?" sagte der Graf gedehnt und stand als König auf; er besann sich aber wieder und sagte ruhig: "Ich bitte Sie sehr ernstaft um Ihren Namen und besonders um die Eröffnung, inwiefern Sie in die Brief-Sache verwickelt waren." Walt sah sich nach dem Flötenisten um; aber dieser war nach seinen Sturm-Stössen in die Flöte seitwärts in einen gang getreten, um zwei Herzens-Ergiessungen aus dem Weg zu gehen, wobei nach seiner Überzeugung nichts Geringeres als es selber ersoff.

Walt erschrak über des Grafen Erschrecken und sagte: er wünsche herzlich, nichts Unangenehmes gesagt zu haben. "Gott, was ist mit meinem Bruder?" rief er; eine Schlägerei und Vults stimme lärmten im Gebüsch. "Im Park ist keine Gefahr", sagte der Graf, "nur weiter, weiter!" – Walt erzählte schnell das Finden des offnen Briefes im Park. "Was, Monsieur?" rief jener laut neben dem lauten Wasserfall. "Er kann sich unterstehen, meine Briefe, die Er in meinem Parke aufgelesen, dem Generale zu übergeben, um sich bei ihm einzuschmeicheln, weil dieser der Rittergutsherr von Elterlein ist, Herr?"

Walt wurde wie von zwei Blitzen getroffen, gelähmt und gereizt; mit sterbender milder stimme sagt' er: "Ach Himmel! das ist aber zu ungerechtUnglück über Unglückich bin wohl unschuldig- Nein, nein, nur nicht so entsetzlich ungerecht sei manUnd es war in Neupeters Park." –

Vult hörte Klotars stimme und lief aus der Mooshütte her, worin er aus Verdruss seine alte Kunst, mit seinem Ich eine prügelnde stube vorzustellen, getrieben hatte. Walt stand an der Statue der Vestalin, die den Kopf senkte, als wär' er ihr Ehemann. Der Flötenist, auf eine noch geistigere Schlägerei treffend, als seine gewesen, sah aus allem, dass Walt seine adelige Hülse und Raupen-Haut abgesprengt habe und als feste unbewegliche Puppe dahänge. Er bat sich sogleich vom Grafen einige Erklärung des Unwillens aus.

"Sie liegt in der Sache", versetzte, ohne ihn anzusehen, dieser, "nur begreif' ich nicht, wie man keck genug dieselbe person aufsuchen kann, deren Briefe man lieset, man usurpiert und man in falsche hände spielt, die ausdrücklich darin verbeten wurden." – "O ich habe nichts gelesen", sagte Walt, "ich habe nichts getan; aber ich erdulde gern das härteste Wort, da ich ein solches Unglück über Sie gebracht", sagte Walt und zog im Krampf der Hand einen kurzen Teaterdolch aus dem menschenfeindlichen Überrock und schwang ihn unbewusst. Der Graf bog sich ein wenig zurück vor dem Sack-Stilett: "Was soll das?" sagt' er zornig. – "Herr Graf", fing Vult sehr stark an, "auf mein Ehrenwort, er hat nichts gelesen, sag' ich, ob ich gleich nicht weiss, von was die Rede ist. – Gottwalt, besieh, was du in der Hand hast!" Glühend stiess dieser die Waffe in die Scheide der tasche.

"Herr van der Harnisch", wandte Klotar sich zum Flötenspieler, "von Ihnen hab' ich mir eine besondere Erklärung auszubitten, inwiefern Sie mir diesen Notar unter fremdem Namen präsentieren konnten." – "Ich stehe zu jeder da", versetzte Vult, "als meinen Freund und Verwandten gab ich ihndas bleibt erich konnte' ihn auch als mutmasslichen Gesamt-Erben der van der Kabelschen Erbschaft präsentieren. Ist sonst noch eine Erklärung nötig?" – "Ich würde sie fordern", versetzte der Graf, "wenn ich nicht eben in den Reise-Wagen stiege." – "Ich bin erbötig, nachzusteigen und darin auseinanderzusetzen oder überall", sagte Vult und ging dem Grafen beleidigt nach, der auf seinen Wagen mit stolzer Kälte zuschritt. "O hör auf mich, schone mich", bat Walt, "du weisst nicht, was ich ihm genommen." –

"Der Narr soll nicht hitzig reden, und du bist auch einer", fuhr er den Notarius an. "Hr. Graf, Sie sind mir noch Antwort schuldig", sagte Vult. "Gar keine; aber ich frage: Sind Sie beide Brüder?" sagte Klotar.

"Vater und Mutter müssen Sie fragen, nicht mich", sagte Vult. Der unglückliche Notar konnte matt den Sargdeckel nicht aufstossen, zu welchem hinunter er die polternden Zurüstungen zu einem Duelle über seinem kopf hörte. "Wenn Sie niemand unter falschem Titel