machte Zablocki den vornehmen Entlassungs-Bückling, Walt macht' ihn leicht zurück und harrte lange auf weitern Verfolg, bis er endlich – da der General sich umstellte und durchs Fenster guckte – den Abschied, dessen Schnelle er schwer mit dem warmen gespräche paaren konnte, herausbrachte durch Überlegung. Jetzt musst' er etwas suchen, was ebenso schwer zu finden war als vorhin der Eingang, nämlich der Ausgang am glatten Kabinett. Keiner wollte vorstechen. Leise überstrich er mit den Händen die fugenlosen Wandtapeten, weil er sich schämte, zu fragen, wie er hereingekommen. Über drei Wände glitt er mit dem Bügel der Hand, bis er endlich in eine Ecke auf ein goldenes Kreuz einer tür griff. Er dreht' es mit Vergnügen um, und es tat sich ein Wandschrank auf, worin Winas himmelblaues Konzert-Kleid lang und nahe niederhing. Staunend guckte er hinein und wollte noch lange davor erstaunen, als sich der General, der das Handstreicheln und Glätten vernommen, endlich umdrehte und ihn vor dem Schranke mit dem Schauen halten sah; "ich wollte hinaus", sagt' er. "Das geht hier", sagte Zablocki und öffnete eine tür, wo das wirklich zu machen war.
Das Schicksal mag ihm absichtlich die kleine Schamröte auf seinen Sieges-Weg mitgegeben haben, um damit einigermassen das Bewusstsein zu dämpfen, womit er, so mit Ehrenmedaillen und Bassas-Rossschweifen behangen, so mutig durch Zimmer und Haus marschierte, dass er sich auf der Strasse mit einigen mass, die, wie er, zu fuss kamen von Hof. Indes hatte er alle Welt lieb und verbarg sich am wenigsten, wie mancher dahin gehe, der ohne Schuld solche Erhebungen nie erlebe. Daraus messe die Welt ab, wie vollends ein dürftiger Leutnant, der Sonntags seine seidenen Beine unter der Hoftafel gehabt, um 4 1/4 Uhr, mit dem Kurial-Krätzer und der ChampagnerFolie im kopf, nach haus gehen mag, mit welchem Selbstbewusstsein, meint man; Julius Cäsar selber kann dem Ortshalter aufstossen, und dieser wird bloss fragen: "Jul, aber woher kömmst denn du, wüste Fliege?"
Mit grösster sehnsucht, vor allen Dingen auf Vults Tisch einige schwache Zeichnungen der heutigen Krönungsstadt und Ehrenpforte zu legen, klopfte Walt an dessen tür; sie war zu und mit Kreide stand daran: "Hodie non legitur."
Nr. 29. Grobspeisiger Bleiglanz
Schenkung
Nach einigen Tagen kam der Gärtner von Alkinous' Gärten – denn das war Walten Klotars Kutscher – und lud ihn in die Villa ein. Der Notar hatte kaum in grösster Eile ein ganzes Philadelphia der Freundschaft auf einer Freundschaftsinsel gebauet und ein Sortiment Lorenzosdosen gedreht – weil er die Einladung für einen Lohn der Brief-Gabe nahm –, als der EdenGärtner die Treppe wieder heraufkam und durch die Türspalte nachholte, er solle was zum Verpetschieren einstecken, es wären Notarius-Händel.
Indes war es in jedem Falle etwas. Er traf als Notarius im reichen Landhaus Klotars zugleich mit dem Fiskal Knoll ein. Aber als er die vergoldeten Quartanten, die vergoldeten Wandleisten und das ganze Wohnzimmer des Luxus übersah: so rückte die eigne wohnung den Grafen weiter von ihm weg als die fremden bisher. Klotar fuhr, ohne aus beiden Ankömmlingen viel zu machen, im Streite mit dem Kirchenrat Glanz und dessen flachem Tolerieren so fort: "Der Wille arbeitet den Meinungen mehr vor als die Meinungen dem Willen; man gebe mir eines Menschen Leben, so weiss ich sein System dazu. Glaubens-Duldung schlösse auch Handelns-Duldung in sich ein. Ganz tolerant ist daher niemand, Sie sind es z.B. nicht gegen Intoleranz." Glanz gab recht, bloss weil sein Ich beschrieben wurde. Aber der Notar stellte – weil er ohnehin müssig stehen musste – den Einwand auf: "Ganz intolerant ist auch kein Mensch, kleine Irrtümer vergibt jeder, ohne es zu wissen. Aber freilich sieht der Eingeschränkte, gleichsam im Tal Wohnende nur einen Weg; wer auf dem Berge steht, sieht alle Wege."
"Ins Zentrum gibts nur einen Weg, aus dem Zentrum unzählige", sagte der Graf zu Glanz. "Wollen Sie indessen sich an meinen Sekretär setzen, Hr. Notar, und den gewöhnlichen Eingang zu einem Schenkungs-Instrument für fräulein Wina von Zablocki in meinem Namen machen? Ich heisse Graf Jonatan von Klotar." Die Namen Jonatan und Wina zitterten dem Notar wie Apfelblüten auf die Brust herab. Er setzte sich und schrieb voll Lust: "Kund und zu wissen sei jedermann durch diesen offenen Brief, dass ich Graf Jonatan von Klotar heute den" – Walt fragte den Juristen um den wievielsten; "der 16.", sagte dieser. Höflich nahm er keinen neuen Bogen, sondern schabte am Schreibfehler des alten lange. Unter dem Schaben konnte' er auf des magern haarigen Knolls Vorlesung über Ehekontrakte hinhören, neben welchem der schöne Graf ihm wie der edle Hugo Blair in der Jugend, dessen geist-erhebende Predigten seine Flügel und seine Himmel zugleich gewesen, vorkam. Ein Kontrakt zwischen Wina und Jonatan – ein eigensüchtiges do ut des – war ihm eine widrige widersprechende idee, da man wohl mit dem Teufel einen Pakt macht, aber nicht mit Gott. Er benutzte das Wegschaben des Datums als eine freie Sekunde und sagte (ebenso keck, wenn ihm etwas Rechtes einfiel, als blöd' im andern Falle): "Ob ich gleich ein Jurist bin, Hr. Fiskal, und ein Notar,