der Tat kam es endlich dahin, dass ein Bedienter vor ihm vorausging und er hinterdrein, durch Vorsäle voll langer Kniestücke – über glatte Zimmer weg – und endlich vor ein Kabinett, das der Bediente zwar auf-, aber erst zumachte, da er hinein war, bevor er es ihm auftat.
Der General, ein stattlicher, männlich-schöner, stark genährter, lächelnder Mann, fragt' ihn mit freundlicher Miene und stimme, was Monsieur Harnisch wünsche. "Exzellenz, ich wünsche", fing er an und hielt die Wiederholung des Zeitworts für Welt, "dem Hrn. Grafen von Klotar einen verlornen Brief zu übergeben, da ich ihn hier zu finden hoffe." – "Wen?" fragte Zablocki. "Den Hrn. Grafen von Klotar", versetzte Walt. "Wollen Sie mir den Brief vertrauen, so kann ich ihn sogleich übergeben", sagte Zablocki. Der Notar hatte sich viel schönere Entwicklungen versprochen; jetzt lief alles fast auf nichts hinaus; dem Vater musst' er den Brief der Tochter abstehen und lassen. Er tats, da der Umschlag entsiegelt war, mit den feinen Worten: er bring' ihn so offen, als er ihn gefunden. Er wollte damit vielerlei leise andeuten – seine eigene Rechtschaffenheit, ihn nicht gelesen zu haben, sein Erwarten der Nachahmung und noch allerhand Gefühle. Der General steckte ihn, nach einem leichten Entzifferungsblick auf die Überschrift, gleichgültig ein und sagte, er habe soviel Schönes über seine Flöte gehört, er wünsche sie selber einmal zu hören. – Grosse sind ebenso vergesslich als neugierig; doch konnte' es Zablocki auch tun, um reden zu hören.
Walten war es angenehm, zu berichtigen: "Ich wünschte", sagt' er fein, "ich würde nicht verwechselt, oder vielmehr (fügt' er bei, da ihm das gerade einen zweiten, ganz entgegengesetzten Sinn geben wollte) ich könnt' es werden." – "Ich verstehe Sie nicht", sagte der General. Walt entdeckte ihm kurz, er sei aus dessen Elterleinischem Territorium gebürtig, und sein Vater sei der Schulz. Jetzt glaubte er an Zablocki den wahren menschenliebenden MenschenDulder ganz zu erkennen, als dieser sich des Schulzen, der so oft als ein Mauerbock sich an dessen Gerichtsstube die Hörner abgestossen, vielmehr mit den freundlichsten Mienen und sogar der van der Kabelschen Erbschaft entsann, ja teilnehmend eine genauere geschichte derselben zu hören begehrte. Die lieferte Walt gern, nett und heiss; indes halb schwindelte er vor Freude, wenn er von der Höhe und Spitze in die Dörfer hinuntersah, auf der er neben einem Grossen stand und ihn so lange anreden und sich gut ausdrükken durfte. Mit Freuden hätt' er für ein so menschenliebendes Herz, das er nie im Verband eines Ordensbandes gesucht hatte, einen Zacken oder Stein aus der polnischen Krone ausgebrochen, oder diese für den schönen Kopf zugeschmolzen, um durch ein Präsent damit erkenntlich zu sein. In etwas drückt' er seine Liebe – weil er nichts Näheres hatte, die Blicke ausgenommen – streichelnd auf dem kopf eines Windhunds aus, der sich hochbeinig an seine Schenkel anpresste.
"Haben Sie eine französische Hand?" fragte der General auf einmal und schob ihm ein Papier vor zu einem Probeschuss. Walt sagte: er verstehe es leichter zu schreiben, in mehr als einem Sinn, als zu sprechen und verdank' es seinem Lehrer. Allein welchem Worte er unter so vielen Tausenden, die Gallien hat, das Schnupftuch zuwerfen sollte, das wusst' er schwer, da das Wort doch etwas vorstellen sollte. – "Was Sie wollen", sagte endlich Zablocki. Er sann aber fort. "Das Vaterunser", sagte jener. In der Geschwindigkeit konnte' er es unmöglich übersetzen.
"Vorzüglich", fuhr der General fort, als jener noch nachdachte, "würde' ich auf rein französische Endbuchstaben sehen, dergleichen, wie Sie wissen, s, x, r, t, p sind." Walt verstand die französische Benennung dieser Lettern nicht recht, aber sehr wohl das französische Camnephez23; Schomaker, der jahrelang keinen gallischen Dialog und Brief zu machen hatte – erstlich weil dazu stets eine zweite person gehört, zweitens weil auch eine erste erforderlich ist, er aber gar nichts davon verstand –, dieser Kandidat hatte echt-französische Handschrift und Aussprache vermittelst dergleichen Kaufmannsbriefe und Reisediener zu einer so ausserordentlichen Höhe hinaufgetrieben wie vielleicht, ausser Hermes und einem zweiten Romancier, kein Autor von Gewicht ohne Stand. Und Walt hatte beides bei ihm erlernt.
"O vortrefflich!" sagte der General, als endlich jener Winas französische Adresse an Klotar probierend hinschrieb. "Recht gut ja! – Nun hab' ich ein ziemliches Paket französischer Briefe über einen Gegenstand auf meinen Reisen gesammelt – von verschiedenen alten und neuen Personen –, welche ich sehr gern in ein Buch abgeschrieben sähe, da sie sonst leicht sich verspringen. Wenn Sie denn täglich an dem buch – mémoires éotiques mag es heissen – eine Stunde – hier in meinem haus – schrieben...."
"Exzellenz", stotterte Walt mit blitzenden rednerischen Augen, "wenn über den zärtesten Gegenstand kein Ja zart genug sein kann" – – "Gehts nicht?" fragte der General. – "O am besten", versetzte jener, "und jede Minute." – "Ich werde", sagte Zablocki, "die Briefe zusammensuchen und Ihnen die KopierStunde nächstens bestimmen lassen." Darauf