Mutter ruhen die toten Kinder in dunkler Stille. Endlich erscheint die ewige Sonne, und die Mutter steht wieder blühend auf, aber später alle ihre Kinder."
Zu haus letzt ihn ein warmes Museum samt einem langen Sonnenstreif an der Bücherwand.
Den Nachmittag verbringt er schön, weil er vor einem ganzen Blumen-Gestelle von Freuden kaum weiss, wo er anhalten soll. ist es am heil. Christfest, so predigt er wieder, vom schönen Morgenlande oder von der Ewigkeit; dabei wirds ganz dämmernd im Tempel; nur zwei Altar-Kerzen werfen wunderbare lange Schatten umher durch die Kirche; der oben herabhängende Taufengel belebt sich ordentlich und fliegt beinahe; draussen scheinen die Sterne oder der Mond herein – der feurige Pfarrer oben im Finstern auf seiner Kanzel bekümmert sich nun um nichts, sondern donnert aus der Nacht herab, mit Tränen und Stürmen, von Welten und Himmeln und allem, was Brust und Herz gewaltig bewegt.
kommt er flammend herunter, so kann er um 4 Uhr vielleicht schon unter einem am Himmel wallenden Nordschein spazieren gehen, der für ihn gewiss eine aus dem ewigen Südmorgen herüberschlagende Aurora ist, oder ein Wald aus heiligen feurigen Mosis-büsche um Gottes Tron.
ist es ein anderer Nachmittag, so fahren Gäste mit erwachsenen Töchtern von Betragen an; wie die grosse Welt diniert er mit ihnen bei Sonnenuntergang um 2 Uhr und trinkt den Kaffee bei Monschein; das ganze Pfarrhaus ist ein dämmernder Zauberpalast. – Oder er geht auch hinüber zum Schulmeister in die Nachmittagsschule und hat alle Kinder seiner Pfarrkinder gleichsam als Enkel bei Licht um sein GrossvaterKnie und ergötzet und belehret sie.
Ist aber das alles nicht: so kann er ja schon von 3 Uhr an in der warmen Dämmerung durch den starken Mondschein in der stube auf und ab waten und etwas Orangenzucker dazu beissen, um das schöne Welschland mit seinen Gärten auf die Zunge und vor alle Sinne zu bekommen. Kann er nicht bei dem mond denken, dass dieselbe Silberscheibe jetzt in Italien zwischen Lorbeerbäumen hange? Kann er nicht erwägen, dass die Äolsharfe und die Lerche und die ganze Musik und die Sterne und die Kinder in heissen und kalten Ländern dieselben sind? Wenn nun gar die reitende Post, die aus Italien kommt, durchs Dorf bläset und ihm auf wenigen Tönen blumige Länder an das gefrorne Museumsfenster hebt; wenn er alte Rosenund Lilienblätter aus dem vorigen Sommer in die Hand nimmt, wohl auch eine geschenkte Schwanzfeder von einem Paradiesvogel; wenn dabei die prächtigen Klänge Salatzeit, Kirschenzeit, Trinitatissonntage, Rosenblüte, Marientage das Herz anrühren: so wird er kaum mehr wissen, dass er in Schweden ist, wenn Licht gebracht wird, und er verdutzt die fremde stube ansieht. Will er es noch weiter treiben, so kann er sich daran ein Wachskerzen-Endchen anzünden, um den ganzen Abend in die grosse Welt hineinzusehen, aus der er es her hat. Denn ich sollte glauben, dass am Stockholmer hof, wie anderwärts, von den Hofbedienten Endchen von Wachskerzen, die auf Silber gebrannt hatten, für Geld zu haben wären.
Aber nun nach Verlaufe eines halben Jahres klopft auf einmal etwas Schöners als Italien, wo die Sonne viel früher als in Hasslau untergeht, nämlich der herrlich beladne längste Tag an seine Brust an und hält die Morgenröte voll Lerchengesang schon um 1 Uhr nachts in der Hand. Ein wenig vor 2 Uhr oder Sonnenaufgang trifft die oben gedachte niedliche, bunte Reihe im Pfarrhause ein, weil sie mit dem Pfarrer eine kleine Lustreise vor hat. Sie ziehen nach 2 Uhr, wenn alle Blumen blitzen und die Wälder schimmern. Die warme Sonne droht kein Gewitter und keinen Platzregen, weil beide selten sind in Schweden. Der Pfarrer geht so gut in schwedischer Tracht einher wie jeder – er trägt sein kurzes Wams mit breiter Schärpe, sein kurzes Mäntelchen darüber, seinen Rundhut mit wehenden Federn und Schuhe mit hellen Bändern; – natürlich sieht er, wie die andern auch, wie ein spanischer Ritter, wie ein Provenzale oder sonst ein südlicher Mensch aus, zumal da er und die muntere Gesellschaft durch die in wenigen Wochen aus Beeten und Ästen hervorgezogne hohe Blüten- und Blätterfülle fliegen.
Dass ein solcher längster Tag noch kürzer als ein kürzester verfliege, ist leicht zu denken, bei soviel Sonne, Äter, Blüte und Musse. Schon nach 8 Uhr abends bricht die Gesellschaft auf – die Sonne brennt sanfter über den halbgeschlossenen schläfrigen Blumen – um 9 Uhr hat sie ihre Strahlen abgenommen und badet nackt im Blau – gegen 10 Uhr, wo die Gesellschaft im Pfarrdorfe wieder ankommt, wird der Pfarrer seltsam bewegt und weich gemacht, weil im dorf, obgleich die tiefe laue Sonne noch ein so müdes Rot um die Häuser und an die Scheiben legt, alles schon still und in tiefem Schlafe liegt, so wie auch die Vögel in den gelbdämmernden Gipfeln schlummern, bis zuletzt die Sonne selber, wie ein Mond, einsam untergeht in der Stille der Welt. Dem romantisch bekleideten Pfarrer ist, als sei jetzt ein rosenfarbnes Reich aufgetan, worin Feen und Geister herumgehen, und ihn würde' es wenig wundern, wenn in dieser goldnen Geisterstunde auf einmal sein in der Kindheit entlaufner Bruder heranträte, wie vom blühenden Zauber-Himmel gefallen.
Der Pfarrer lässt aber seine Reisegesellschaft nicht fort, er hält sie im Pfarrgarten fest, wo jeder, wer will, sagt er, in schönen Lauben die kurze laue Stunde bis zu Sonnen-Aufgang verschlummern kann.
Es wird allgemein angenommen und der Garten besetzt; manches schöne Paar