1804_Jean_Paul_055_65.txt

Einkleidung jener Verkleidung, "bei der oder jener gelegenheitwenn mans eben brauchtein Mensch trinkt mittags viel, besieht sich den Garten, und nun natürlich...."

"God d –", sagte der verständigte Graf im Feuer, "ich muss in die Pyramide" und gab, des Agenten satt, das Zeichen des Zurückbleibens. Ein Regenbogendarein war die Holz-brücke durch Farben verkleidetführte an die Pyramide. Der unschuldige Notar dachte zu zart, um alles zu verstehen. Der stolze Kaufmann, der hier das Stehenlassen äusserst unhöflich fand, murmelte halb für sich, halb für Walten: "Ein höflicher, eigner Herr!" Er blieb nun nicht so lange, dass der Notar, der ein Riesen-Kniestück vom Klotar anlegen wollte, solches hätte aufspannen können; sondern liess wieder diesen stehen, mit dem Pinsel voll Flammen in der Hand.

Ein zarter Genius war es, der den einsamen Gottwalt vom Betreten des Regen- und Brücken-Bogens zurücklenkte durch die Eröffnung derWahrheit. Andertalb Garten-Gänge prallte davor der Jüngling zurück, den schon der vornehme Tafel-Zynismus mit den nackt gezognen Zahnstochern geärgert; – ohne doch auf den Agenten zu zürnen, dass er auf die väterliche Pappel-Insel eine solche Spitzsäule pflanzen können; er hatte oft zu viel Liebe, um Geschmack zu haben, wie andere umgekehrt.

Als der Graf von Ermenonville zurückgekommen: schlug Walt mehrere schmale Radien-Gänge ein, um ihm zufällig aufzustossen und so, verschmolzen mit ihm, zu gehen. Aber der Graf, der alleinbleiben wollte, merkte das stete Nachstreichen und bog ihm verdrüsslich aus. Auch dem Notar selber wurde am Ende das freundschaftliche Ballett versalzen, weil der Marktelfer mit seinem Verwaschpinsel als Schrittzähler hinter ihm blieb und ihm jeden Schritt dadurch vorrechnete, dass er ihn ausstrich.

"Welch ein ganz anderes Glück wäre es", träumt' er, "fiel' ich ins Lac-wasser, und mein Jüngling schleppte mich heraus, und ich läg ihm mit tropfenden Augen zu Füssen. Das denke' ich mir gar nichtweil es zu gross wäre, das Glück –, wenn etwa gar er selber hineinstürzte und ich der Selige würde, der sein stolzes Leben rettete und ihn an der Brust ins Dasein trüge."

Indes fand er jetzt etwas Besseres auf seinem Wege, einen verlornen Brief an Klotar. Indem er sich umsah, ihn zu übergeben, war der Graf unter die ins Haus gehende Gesellschaft zurückgetreten. Er lief nach. Jener war schon davongeritten auf ein Dorf. Es war ihm nicht sonderlich bitter, dass er durch den Brief ein Recht in die hände bekam, den Grafen morgen auf seinem eignen Zimmer aufzusuchen.

Er erstieg eilig das seinigenicht ohne Freude, dass er als der einzige Gast im haus verbleibe, indes alle andere daraus fortmussten –; und besah und las ruhig droben den schon erbrochnen Briefaussen. Denn innen ihn zu lesen, auch irgendeinen andern fremden, lag ausser seiner Macht. Sein Lehrer Schomakerder, wie Vult sagte, für Schimmelwäldchen Waldordnungen entwürfebehauptete, nicht einmal gedruckte dürfe man lesen, wenn sie wider des Verfassers Wunsch erschienen, da die Leichtigkeit und die Teilhaber einer Sünde an dieser nichts änderten. Eine Taube mit einem Ölzweig im Schnabel und in den Füssen flog auf dem Siegel. Der Umschlag roch anmutig. Er zog den Brief daraus hervor, faltete ihn auf von weitem und las frei den NamenWina und legt' ihn eiligst weg... "Ich will ihm alle meine Aurikeln geben", hatte sie einst in der tiefen Kindheit gesagt, aus deren dunkeln überblühten Tempe unaufhörlich jene Töne wie bedeckte Nachtigallen heraufsangen. Jetzt aber berührte die zitternde Saitederen Klänge bisher süss-drückend sein Herz umrungen hattenseine Finger; er hatte ordentlich die Vergangenheit, die Kindheit in der HandUnd heute trat vollends die Unsichtbare im Konzertsaale endlich aus der blinden Wolke

Seine Bewegung bedarf keines Gemäldes, da jede auf jedem erstarrt.

Er hielt jetzt den offnen Brief nahe unter die Augen, obwohl umgekehrt. – Das Papier war so blauweiss-zart wie eine feinste Haut voll Geäderdie umgestürzte Handschrift so zierlich und gleichBlumengewinde waren den vier Papierrändern eingepresseter besah jedenund ging auf Aurikeln ausals er aber auf dem untern suchte, fuhr ihm die letzte Zeile ins Auge, mit sieben letzten Worten. Da steckt' er das Blatt erschrocken in die Hülle zurück.

Es lautete aber das Schreiben an Klotar so: "Wozu meine längern Kämpfe, die vielleicht schon selber Sünden sind? Ich kann nun nach Ihrem gestrigen entscheidenden Worte nicht die Ihrige werden; denn ich könnte Ihnen wohl so leicht und so gern Glück und Leben und Ruhe opfern, aber meine Religion nicht. Ich schaudere vor dem Bilde eines erklärten Abfalls. Ihre religiöse Philosophie kann mich quälen, aber nicht ändern. Die Kirche ist meine Mutter; und nie können mich alle Beweise, dass es bessere Mütter gebe, von dem Busen der meinigen reissen. Wenn meine Religion, wie Sie sagen, nur aus Zeremonien besteht: so lassen Sie mir die wenigen, die meine mehr hat als Ihre. Denn am Ende ist doch alles, was nicht Gedanke ist, Zeremonie. Geb' ich eine auf, so weiss ich nicht, warum ich noch irgendeine bewahre. Halten Sie ja, wie ich, vor meinem Vater Ihre scharfe