einem guten Eiskeller für Kühltränke, und, von Eisvögeln umsungen, drücke man den Glacier ans Herz, in der heissern Zeit eines Maifrosts. – "Ich kann dir nicht sagen", sagt' er unter dem Anziehen einmal, "wie sehr ich wünschte, es wäre bei uns wie bei den Dahomets in Ober-Guinea, wo niemand Strümpfe tragen darf als der König, und es wäre jetzt wie unter Karl dem VII. von Frankreich, wo im ganzen land niemand zwei Hemden besass als seine Gemahlin." – "Warum?" fragte Walt. "Ei, dann könnten wir uns recht gut mit unserm Stand entschuldigen", versetzte er.
Durch diese Ergiessungen führte er eine Menge Verdruss ab, nur aber dem Bruder manchen zu, weil sich dieser für die Quelle hielt. "Armut", antwortete Walt, "ist die Mutter der Hoffnung; gehe mit der schönen Tochter um, so wirst du die hässliche Mutter nicht sehen. Aber ich will gern dein Simon von Cyrene sein, der dir das Kreuz tragen hilft." – "Bis nämlich auf den Berg", versetzte jener, "wo man mich daran schlägt." – Liebe kennt keine Armut, weder eigne noch fremde.
Endlich wurde die Kleider-Lotterie gezogen, auf welche beide sich bloss durch Länge der Zeit die grössten Hoffnungen angewöhnt und weisgemacht hatten. Die Gewinste waren für Nr. 515 (Walt) ein beinah vollständiger Anzug von Schützischem Gichttaffent, so dass er für jeden Gichtischen, es mochte ihn reissen, in welchem Gliede es wollte, brauchbar war. Nr. 11000 (Vult) gewann ein erträgliches blaues Fuhrmanns-Hemd. In dieser Minute brachte der Postbote den Hoppelpoppel wieder, den sie an die Buchhandlung Peter Hammer in Köln mit vielen aufrichtigen Lobsprüchen des Hrn. Hammers ablaufen lassen nachdem vorher leider das Mskr. von Hrn. von Trattner mit der kahlen Entschuldigung abgewiesen worden, er drucke selten etwas, was nicht schon gedruckt sei –; auf dem Umschlag hatte das löbl. Kölnische Postamt bloss bemerkt, es sei in ganz Köln keine Peter Hammersche Buchhandlung dieses Namens zu erfragen, und der Name sei nur fingiert.
Hätte Vult je die beste Veranlassung gehabt, über die ewigen Erdstösse des Lebens zu fluchen, etwa zu fragen, ob nicht alle Höllenflüsse für ihn aufgingen und Eis und Flammen führten, oder auch zu behaupten, dass in ihr Schicksal geradesogut Poesie zu malen sei als auf eine Heuschreckenwolke ein Regenbogen – hätte er je eine solche gelegenheit gehabt, so wäre es jetzt gewesen, wenn er nicht aus diesem Schlagregen wäre herausgekommen gar unter die Traufe eines Wasserfalls. Der Elsasser erschien, aber er gehörte noch zum Regen. Er dankte beiden sehr für die Geburtstags-arbeiten – noch regnete es –; darauf aber, da er mit seinem Auftrage von Raphaela herausrückte, welche Walten einen vollständigen Berghabit ihres Vaters, den er zuweilen in seinem Bergwerkchen Gott in der Höh' sei Ehre trug, für den Larventanz anbot – als Flitte seine Glückwünschungs-Mienen, und Walt seine Danksagungs-Mienen spielen liess – dann beide wieder die Mienen umtauschten, und dies alles so wohlwollend gegeneinander, dass, wenn der Notar nicht der ausgemachteste Spitzbube des festen Landes war, Raphaela durchaus noch die Geliebte des Elsassers sein musste: so fiel auf einmal der lange Nebel und Vult in die Traufe.
"Gott verdamme, er liebt Wina (sagte Vult in sich) und sie wohl ihn!" Alle seine wilden Geister brauseten nun wie Säuren auf – doch fest zugedeckt, ausgenommen im Tagebuch. "So falsch, so heimlich, so verdammt keck und wie toll emporstrebend dachte' ich mir doch den Narren nicht", sagte sein Selbstgespräch, "o recht gut! – Bei Gott, ich weiss, was ich tue, hab' ichs nur ganz gewiss! – Aber auf dem Larventanz entlarv' ich; – der Plan geht leicht, darauf kommt der Teufel und holt. Erst recht klar will ich mich, zum Beweise meiner Freundschaft gegen ihn, überzeugen lassen, und zwar von ihr selber. Himmel, wenn der glückliche meinen refus in der dummen Neujahrs-Nacht erführe! – Ich tät' ihm viel an. – O lieber Vult, so sei nur diesmal, eben deswegen, desto gezähmter und stiller und bändige dein Sprech-Zeug und Gesicht, bloss bis morgen nachts!"
Vults bisherige Fehlblicke entschuldigt leicht die Bemerkung, dass dieselbe Leichtigkeit, womit man sich einbildet, geliebt zu werden, ja auch weismachen müsse, dass ein anderer geliebt werde, Walt von Raphaelen. Auch glaubte er, als Weiberkenner, die Weiber so verschieden, und folglich ihre Weisen, die Liebe zu bekennen, noch mehr, dass er nur eine Weise annahm, worauf zu fussen sei, welche aber nicht darin bestehe, dass die Frau etwa an den Hals oder an das Herz falle, sondern dass sie bloss einfach sage: ich liebe dich; "alles übrige", sagte er, "sagt dies ganz und gar nicht."
Um also sich das Wort der Ruhe zu halten und kalt und fest wie ein Hamilton auf der heissen Lava-Rinde zu stehen, auf welcher er fortrückte: so sprach er, wovon er wollte, und berichtete Flitten, er und Walt duzten sich jetzt. Er riet sehr ernstaft dem Notar, lieber im Gicht-Taffent eingescheidet auf dem Ball zu erscheinen; und als dieser sich in seinem und der Mittänzerin Namen