ihn eiliger an die Stelle, wo sie spielen wollten; dann stand sie still, nahm auch seine andre Hand, hob die Augen voll unendlicher Liebe zu ihm empor, und auf ihrem reinen Angesicht standen alle Gedanken klar, wie helle Tautropfen auf einer Blume. "Guter Jüngling, ich bin so aufrichtig als Sie, bei diesem heiligen Himmel über uns versichere ich Sie, ich würde' es Ihnen offen und froh gestehen, wenn ich Sie liebte, in dem Sinne, worin Sie es wahrscheinlich meinen. Wahrlich, ich tät' es kühn aus Liebe gegen Sie. Schon jetzt schmerzen Sie mich. Sie haben meinen Morgen gestört, und meine Raphaela wird mich nicht froh genug finden."
Vult zog, schon ehe sie die letzten Worte sagte, die Flötenstücke heraus, setzte sie zusammen und gab, nur einen blick hinwerfend, ein stummes Zeichen anzufangen. Sie begann mit erstickter stimme, eine kurze Zeit darauf mehr forte, aber bald ordentlich.
Walt durchschnitt den Hauptgang unten hin und her, um beiden nachzublicken, bis sie ihm ferne in den Mondschimmer wie zergingen. Endlich hörte er den wunderbaren Gruss-Gesang an die Schlafende, seine eigenen Worte, aus der Dämmer-Ferne und sein Herz in eine fremde Brust versetzt, wie es der armen Schläferin droben, an die selber er bisher gerade am wenigsten gedacht, die Worte sagt: "Erwache froh, geliebtes Herz!" – Er sah deshalb aufrichtig mit Glückwünschen an ihr Fenster hinauf, um sich zu entschuldigen, und wünscht' ihr alles, was Leben und Liebe Schönes zu reichen haben, unter dem grössten Bedauern, dass ihr Flitte gerade verreiset sein musste. "Möchtest du dich doch, gutes Mädchen", dachte' er, "täglich für immer schöner halten, wär' es auch nicht ganz wahr! Und deine Mutter, deine Wina müsse auch so denken, um sich sehr an dir zu freuen!"
Auf einmal hört' er Engelberta, die ihm riet, er möge, wenn er sich warm laufen wolle, lieber ins Haus hinauf. Da ihn nun diese Aufmerksamkeit eines Zeugen störte: so ging er ins nahe Rindenhaus, wo er nichts sah als über sich das nächtliche Himmelsblau mit dem hereinstrahlenden mond und nichts hörte und in sich hatte als die süssen Worte der fernen zarten Lippen. Er sah hinter der Rinde die schimmernde Wildnis des himmels aufgetan und er jauchzete, dass das neue Jahr in seiner mit Sternen besetzten Morgenkleidung so gross und voll Gaben vor ihn trat.
Nun kam Wina, die melodische Weckerin zum Wiegenfesttage, immer näher mit stärkeren Tönen, Vult hinter ihr, um die heissen Tränen des Unmuts, die er neben der Flöte nicht trocknen konnte, niemand zu zeigen als der Nacht. In der Nähe gab ihr Engelberta auf das Schlafzimmer der Schwester und Walts Rinden-Rotunda winkende Zeichen, welchen sie zu folgen glaubte, wenn sie sich in die Rotunda singend verbarg, um da sich und ihr Frühlings-Lied von der erwachenden Freundin finden zu lassen.
Sie fand den Notar mit dem Auge auf dem mond, mit dem geist in dem blauen Äter – ihre näheren Töne und Vults fernere hatten ihn berauscht und ausser sich und ausser die Welt gesetzt. eigentlich versteht niemand als nur Gott unsere Musik; wir machen sie, wie taubstumme Schüler von Heinicke Worte, und vernehmen selber die Sprache nicht, die wir reden. Wina musste fortsingen und die Anrede durch ein englisches Anlächeln ersetzen.
Da er gleichfalls nichts sagen durfte, so lächelte er auch an, und sehr, und schwamm vor ihr in Liebe und Wonne. Als sie nun die schöne melodische Zeile sang: "Träumst du, wer dich liebt?" und sie so nahe an seiner Brust die heimlichen Laute derselben nachsprach: so sank er auf die Knie, unwissend, ob zum Beten oder zum Lieben, und sah auf zu ihr, welche vom Mond wie eine obenherabgekommene Madonna umkleidet wurde mit dem Nachglanze des himmels. Sie legte sanft die rechte Hand auf sein weichlockiges Haupt; – er hob seine beiden auf und drückte sie an seine Stirn; – die Berührung lösete den sanften Geist in Freudenfeuer auf, wie eine weiche Blume in üppiger Sommernacht Blitze wirft – Freudentränen, Freudenseufzer, Sterne und Klänge, Himmel und Erde zerrannen ineinander zu einem Ätermeere, er hielt, ohne zu wissen wie, ihre Linke an sein pochendes Herz gedrückt, und der nahe Gesang schien ihm wie einem Ohnmächtigen aus weiten Fernen herzuwehen.
Die Flöte stand ganz nahe, das letzte Wort wurde gesungen. Wina zog ihn sanft von der Erde auf; er glaubte noch immer, es töne um ihn. Da kam mit freudigem Ungestüm Raphaela hineingestürzt, an die Brust der Geberin des schönsten Morgens. Wina erschrak nicht, aber Gottwalt – sie gab der Freundin eine ganze Freundin. Sie sagte zu Gottwalt, der nicht sprechen konnte: "Wir sehen uns abends wieder, am Montage?" – "Bei Gott", antwortete er, ohne das Mittel zu kennen. Jetzt trat Vult hinzu und empfing von Raphaela lauten Dank, und er verliess schweigend mit Walt den seltsamen Garten.
Oben hing sich dieser warm an seinen Hals. Vult nahm es für Freuden-Lohn seiner Bemühung um Raphaelens Morgenfest und drückt' ihn einmal an die Brust. "Lass mich reden, Bruder", begann Walt. "O lass mich schlafen, Walt", versetzte er – "nur Schlaf her, aber rechten tiefen,