Schuss taten und mit breiten Blättern wogten, mähte sie Zablockis Bedienter mit der Nachricht ab: der Wagen sei da. Der stolze Lakai erinnerte ihn wunderbar an Winas Stand und an seine Kühnheit.
Nach der Flucht der drei nahm ihn Vult am arme aufs Eis hinein und sagte: "Jede Lust ist eine Selbstmörderin, und damit gut. Aber gibt es denn ein kahleres Paar arme Häute als ich und du, sämtlich? Denn wenn es ein Lumpen-Hündchen-Paar gibt, das drei durstige Engel den ganzen Abend trocken auf dem wasser herumfahren lässt, weil es nicht so viel in der tasche oder droben in der stube zusammenbringen kann, um den Engeln nur die kleinste Erfrischung vorzusetzen, das wenige Kommiss-Eis ausgenommen, worauf sie fuhren –: so ist wahrlich das Paar niemand als wir. – Ach waren wir denn imstande, wenn sie schlechtes Wetter und kein Fuhrwerk hatten, nur eine Halbchaise anzuspannen und einen Floh dazu anzuschirren, wie einmal ein Künstler in Paris eine samt Passagieren und Postillon so fein ausgearbeitet hatte, dass ein einziger Floh alles zog? – Sonst war der Abend hübsch."
"O wahrlich! Freilich; – aber gewiss so wenig als ich diesen Abend an leibliche Genüsse dachte, so wenig vielleicht die guten Wesen! Die Frau hat einen Schmerz, eine Freude; der Mann hat Schmerzen, Freuden. Sieh nach, dies trifft schön mit den Worten auf der Tafel, die dort an der Eiche hängt." –
"Eine Linde ist es", sagte Vult. "So kenn' ich", versetzte Walt, "immer die Gewächse nur in Büchern. – Darauf steht: 'Die schöne weibliche Seele sucht, wie die Biene, nichts als Blüte und Blume; aber die rohe sucht, wie die Wespe, nur Früchte.'"...
"Ja sogar Ochsenleber, wie die Fleischer wissen." – "O, alle", fuhr Walt fort, "waren heute so froh, und besonders über dich! Nun ich sage dirs offen, habe ich dich je als freien, gewandten, kühnen, alles schlichtenden Weltmann erkannt, so war es heute", sagte Walt und hob besonders sein Benehmen gegen Raphaela heraus. Vult bedankte sich mit einem – Spasse über sie. Es war der, dass Weiber den Augen glichen, die so zart, rein und für Stäubchen empfindlich wären, und denen doch Metallsafran, Cayennepfeffer, Vitriolspiritus und andere angreifende Ätzmittel als Heilung dienen. Von Zeit zu Zeit liess er einen mässigen Scherz gegen Raphaela los, um den Bruder von einer verdrüsslichen Eröffnung seiner Liebe zurückzuschrecken.
allmählich sanken beide sanft und tief in die Stille ihres Glücks. Von der schimmernden Gegenwart war ihnen nichts geblieben als oben der Himmel und unten das Herz. Der Flötenspieler mass seinen Weg zu Winas Ich zurück und fand sich schon auf halbem – Ihr Danken, ihr Blicken, ihr Nähern, Raphaelens Meiden langte zu, ihm für die Neujahrsnacht, wo er alles durch einen Zauberschlag entscheiden wollte, die schönste Hoffnung zu lassen, und doch noch grössere sehnsucht. Aber gerade diese war ihm fast lieber und seltner als jene; er dankte Gott, wenn er sich nach irgend etwas unbeschreiblich sehnte, so sehr musste er sich nach Sehnen sehnen. Aber die Entbehrungen und Schmerzen der Liebe sind eben selber Erfüllungen und Freuden und geben Trost und brauchen keinen, so wie die Sonnenwolken eben das Leuchten der Sonne erzeugen und die Erdenwolken vertreiben.
Nur auf Walt, dessen dichterische Nachtigallen in seinem warmen Duft-Eden betäubend schlugen, machten die göttlichen Sterne und ein glücklicher Bruder zu starken Eindruck; er dürfe, schwur er vor sich, dem aufgeschlossnen Freunde gerade die heiligste Herzens-Stätte, wo Winas Denkmal in Gestalt einer einzigen Himmelsblume stand, nicht länger verdecken und umlauben. Daher schickte er ohne weiteres Hand-Drucke und Augen-Blicke als Vorspiele der schamhaften beichte seiner kühnsten sehnsucht voraus, um ihn zu fragen und vorzubereiten; dann fing er an: "Sollte der Mensch nicht so offen sein als der Himmel über ihm, wenn dieser gerade alles Kleinliche verkleinert und alles Grosse vergrössert?" – "Mich vergrössert er wenig", versetzte Vult. "Lass' uns aber im Schatten gehen; sonst muss ich alles vorbeigehend lesen, was da von Empfindungen an die Bäume genagelt ist. Denn so sehr mir Raphaela seit näherer Bekanntschaft in einem andern Lichte erscheinen muss als sonst, so hasse ich doch das gewaltsame Herauskehren und Umstülpen des inneren zum Äussern noch fort, als sei man eine kehrbare Tierpflanze. Wenn ein Mädchen anfängt: 'eine schöne weibliche Seele': so lauf' ich gern davon; denn sie besieht sich mit. – Herzen hat ohnehin jedes so viele aufzumachen und zu verschenken als ein Fürst Dosen, und beide entalten das Bildnis des Gebers, nicht des Empfängers. Überhaupt! – Und so fort! – Aber ich berufe mich auf dich selber, ob du wohl bei deiner und unserer Delikatesse fähig wärest, von deinen heiligern Herzens-Gegenden, vom innersten und heissesten Afrika, alles bekannt zu machen und Landkarten davon zu stechen. Ein anderes, Bruder, sind Spitzbübereien der Liebe blosse schlimme Streiche – Wiegenfeste des alten Adams – alles dieses dergleichen wilde Fleisch am Herzen, oder, möchte' ich mit den Ärzten sprechen, solche Extravasata, oder mit den Kanonisten, solche Extravagantia, kurz deine starken Ausschweifungen kannst du mir, ob ich sie dir gleich kaum zugetrauet hätte