, um über Winas Kopf zu haus mit Sternen- Träumen auf und ab zu schweben, sondern auch dazubleiben, da er das Krönungszimmer seines Lebens zum letzten Male bewohnte. Die Sonne fiel immer feuriger hinein und vergoldete es zu einer Zauberlaube im elysischen Haine. Als er es verliess, war ihm, als falle ein blühender Zweig herab, worauf bisher die Nachtigall seiner Seele gesungen. Wie lag zu haus, wo ihm nichts fehlte als Vult – aber dieser kaum –, das Leben und der Traum im Leben wie vergoldetes Gewölk um ihn her! Tausend Paradieses-Zweige schlugen über ihm unsichtbar zusammen und durchzogen ihn heimlich mit einem berauschenden Blütendufte, in dessen Eden er nicht hineinsehen konnte. Wenn bisher die Wolke zu stehen schien und der Mond zu fliehen: so sah er jetzt die Flucht der Wolken unter dem festen schönen Gestirn.
"Wenn sie nur recht innig liebt", dachte' er, "gesetzt auch, sie meinte mich nicht allein; die Hauptsache ist ihre Wonne Sie sollte dazu ordentlich mehrere Mütter haben, mehrere Väter und unzählige Freundinnen!" Er freuete sich mehr als dreissigmal über die Freude, womit Wina die Neujahrs-Nacht und jetzt unter seinen Füssen die Freundin anschauen werde. Dass sie ihn liebe und achte, wusst' er nun recht; aber nicht wie stark; – den höchsten Grad ihrer Liebe gegen ihn sich jetzt zu denken, hiess ihm, sich abzuzeichnen, wie ihm sein würde, wenn man ihn auf Millionen Weltstufen auf die Gipfel-Sonne geleitete, um ihn, den Notar, zum Gott zu krönen.
Er hatte schon viel von dem Geburtstags-Gedicht ohne sein Wissen ausgearbeitet – bloss durch das Denken an Winas Bitte –, als endlich Vult erschien. In der Angst, dieser schlage aus Kälte gegen Raphaela und den Adel das Musikfest ab, wollt' er ihn etwas künstlich, wie in einem englischen Garten, auf feinen Schlangenlinien und mit Mäandern vor den Vorschlag wie vor ein Denkmal führen. "Leider schrieb ich heute das letztemal beim General", sagt' er mit der seligsten Miene von der Welt. "Du willst sagen: 'Gottlob'", sagte Vult. Walt stolperte schon vornen in den Mäander hinein und ertrank fast. "Ich hoffte bisher", versetzte Vult, "du solltest mich Stimmen-Narren allmählich beim Vater einführen, damit die Tochter sänge, wenn ich bliese." "Beides", schlug Walt heraus, "kannst du ohne ihn und mich jetzt haben, dies hab' ich dir sogar vorzuschlagen."
Der Flötenspieler fragte heftig. Walt bestand aber darauf, dass er, bevor er deutlich werde, ihm einen einzigen Zug von Raphaelen geben dürfte; es war der schöne vom Verschweigen des Krankseins.
Es gab keinen Charakterzug von der Welt, den der Flötenspieler je mit einem so abstrebenden gesicht sich vorzeichnen lassen, als diesen; doch zog er den satirischen zuckenden Stachel in die Scheide zurück, um nur den Vorschlag zu bekommen.
Walt quälte ihn so lange um sein Urteil hierüber, dass er losbrach: "Ich schwöre dir ja, ich schätze die Handlung; der Teufel und seine Grossmutter könnten nicht zärter verfahren; es ist eine Redensart, ich meine wir beide. Nun sprich!" –
Walt schlugs vor.
"Du bist ein guter Mensch", sagte Vult mit einer schwer zu bergenden Erfreuung, "ich nehm' es willig an. Ich scherze überhaupt oft bloss. Als Mietsmann zeig' ich der Tochter vom haus so gerne einige Aufmerksamkeiten – und ich soll es. Doch die Wahrheit zu sagen – ein böser Ausdruck, gleichsam als habe man vorher keine gesagt –, so stimmt mich hier Wina mit ihrer reinen rollenden Perlen-stimme noch mehr. Gott! wie kann nicht eine Singpartie gesetzt werden (besonders von mir), wenn man das edle portamento der Sopran-person, deren diminuendo und crescendo und ihre herrliche Vereinigung von Kopf– und Brust-stimme – du verstehst mich unmöglich, Bruder, ich spreche als Künstler – dermassen kennt wie ich! Mensch, glaubst du, dass ich damals, als ich sie in Elterlein hörte, schwur, sie soll mit meinem Willen nie mehr a secco singen? – a secco, Walt, heisst nämlich allein; ein Punsch-Royalist wie ich kommt freilich auch leicht aufs Trockne, aber anders."
Walten schien es ein wenig, als komme Vult eben nicht vom festen land her. Beider Abend wurde aber im Feuer der Liebe vergoldet. Jeder glaubte, er sehe über den Paradieses-Strom hinüber recht gut die Quelle der Freude des andern von weitem rauchen und nebeln. Walt zwang ihn scherzhaft, es auf einen Bogen zu schreiben, dass er morgen noch der heutigen Meinung sein und blasen und setzen wolle. Vult schrieb: "Ich will, wie Siegwart, den Mond zu meinem Bettwärmer machen – oder ein Lauffeuer im Laufe aufhalten – ja ich will die erste beste Glacière von Prüde heiraten und mir es also gefallen lassen, dass eine Jungfrau die Früchte der Glutzeit zu Eiszieraten ausquetscht, z.B. zu Rosen- und Aprikoseneis, zu Stachelbeereis, zu Zitroneneis: wenn ich nicht die beste Flötenmusik sogleich mozartisch setze und blase zur Zauberflöte, in der Minute, wo diese mein Bruder gedichtet und aufgeschrieben hat; und ich entsage jeder Exzeption, besonders der, dass ich heute nicht gewusst hätte, was ich morgen wollte." –
"Ein wahrer Schelm ist doch mein