kann es nicht so sehr auf poetische Darstellungen passen als auf scherzhafte und witzige und philosophische; dir hilft Reden mehr, mir Schweigen." – Vult: "Der Winter ist überhaupt die fruchtbarste Lettern-Zeit; Schneeballen gefrieren zu Bücherballen. Hingegen, wie reiset und fliegt ein Mensch im Lenz! Hier wären Bilder leicht; aber die Ostermesse ist der beste Beweis." – Walt: "Es ist, als wenn der Mensch, von neuen Bergen aus Wolken umschlossen, ohne Himmel und ohne Erde, bloss im Meer des Schnees treibend – so ganz allein – kein Sington und keine Farbe in der natur – ich wollte etwas sagen; nämlich der Mensch muss aus Mangel äusserer Schöpfung zu innerer greifen."
Vult: "Trink diese Tasse noch. O sehr wahr! Wiewohl wir heute eben nicht viel geschrieben und ich gar nichts."
Beide bedauerten nur, dass ihre so schöne Gemeinschaft der Güter durch Mangel an Gütern etwas gestört würde, indem alles, was sie von Gold in Händen hätten, sich bloss auf die Goldfinger daran einschränke. Weder Vult konnte auf dem Instrumente, das er blies, noch Walt mit den Instrumenten, die er jetzt selten zu machen bekam, sich viel verdienen. Armen-Anstalten für beide mussten getroffen und jeder der Almosen-Pfleger des andern werden. Noch heute, ja auf der Stelle musste ein Zauberschlag von unabsehlichen Folgen getan werden; sie taten ihn im Weinfeuer mit vier Armen.
Sie schickten die ersten Kapitel und Ausschweifungen des Hoppelpoppel oder das Herz an den Magister Dyk in Leipzig zum Verlage.
Denn ein Werk kann immer mit dem hintern Ende noch in der Schneckenschale des Schreibpultes wachsen, indes das vordere mit Fühlhörnern schon auf der Poststrasse kriecht. Sie setzten ihre erste Hoffnung gütiger Annahme darum auf den Magister, weil sie glaubten, ein Buchhändler, der selber ein Gelehrter ist, habe doch immer mehr prüfenden Geschmack für Manuskripte als ein Buchhändler, der erst einen Gelehrten hält, welcher prüft.
Walt musste im Briefe – auf Vults Welt-Rat – sich stolz gebärden und viel begehren und sich alle Rechte der folgenden Auflagen vorbehalten. "Da Milton", setzte er hinzu"' 12 Guineen für sein verlornes Paradies einstrich: so wollen wir, um in Leipzig zu zeigen, wie wenig wir uns ihm gleichsetzen, achtundvierzig begehren." – Der Notar erstaunte, dass ein Autor, besonders er, die grosse Gewalt ausübe, Papier, Druck, Format und Stärke der Auflage – 3000 Exemplare wurden dem Magister zu drucken erlaubt – dem Verleger vorzuschreiben.
Vult trug darauf selber die Kapitel auf die sächsische Post, um, wie er sagte, einmal wieder die Welt zu sehen.
Am Tage darauf schufen beide sehr. Ein junger Autor glaubt, alles, was er auf die Post schickt, sei schon dadurch verlegt und gedruckt, und schreibt darum fleissiger. Kein Besuch, kein fest, kein Mensch, kein Brief störte sie. Vult hatte kein Geld, und Walt war zum Sitzling geboren. Dichter bauen, wie die afrikanischen Völker, ihre Brotfelder unter Musik und nach dem Takte an. Wie oft fuhr Walt überglücklich vom Sessel auf und durch die stube mit der Feder in der Hand (Vult sah oben über die spanische Wand hinein und merkt' es an) und ans Fenster und sah nichts und konnte den süssen Sturm kaum aus der Brust aufs Papier bringen und setzte sich wieder nieder! Darauf sagt' er überfliessend: "Flöte immer, mein Vult, du störest mich nicht; ich gebe gar nicht darauf acht, sondern verspüre nur im allgemeinen das Ertönen vorteilhaft." – "Sagt mir lieber, Ihr Kauz, von was ich jetzt auszuschweifen habe in Euerem Kapitel, damit wir beisammenbleiben!" sagte Vult.
Über dem Essen – bald auf Walts, bald auf Vults Zimmer – dehnten beide die Mahlzeit in die Länge, die aus einer Portion für zwei Menschen bestand, weil kein Wirt die zweite herborgte (was jedoch das Beisammenwohnen desto schöner motiviert), und zwar dadurch, dass sie mit höherem Geschmacke sprachen als mit körperlichem und mehr Worte als Bissen über die Zunge brachten. Sie rechneten aus, um wie viele Meilen die ersten Kapitel dem Magister Dyk schon näher wären, mit welchem Feuer der Hoppelpoppel ihn durchgreifen und aus allen Fugen schütteln würde, und ob das Drucken etwa, wenn es anginge, nicht so schnell fortginge, dass mit dem Schreiben kaum nachzukommen wäre. – Vult bemerkte, wenn ein Romanschreiber gewiss wüsste, dass er sterben würde – z.B. er brächte sich nur um –, so könnt' er so seltsame herrliche Verwicklungen wagen, dass er selber kein Mittel ihrer Auflösung absähe, ausser durch seine eigne; denn jeder würde, wenn er tot wäre, die durchdachteste Entwicklung voraussetzen und darnach herumsinnen. "Weisst du denn gewiss, Walt, dass du am Leben bleibst? Sonst wäre manches zu machen. – Inzwischen sehe' ich jetzt in unsrer stube herum und denke daran, wie auffallend, falls wir nun beide durch unsern Hoppelpoppel uns unter Ehrenpforten und in Unsterblichkeits-Pantea hineinschrieben, unser Nest würde gesucht und besucht werden – jeden Bettel, den du an die Wand spucktest, würde man wie aus Rousseaus stube auf der Peters-Insel abkratzen und abdrucken die Stadt selber bekäme einigen Namen, wahrscheinlich nach Ähnlichkeit von Ovidiopolis den Namen Harnischopolis – Was mir aber die persönliche Unsterblichkeit versäuert, ist, dass mein Name nur lange währt, nicht lang52.