, versetzte Vult, "der alte Kaufmann werde dir den Kredit schon abschneiden, dass man deine Bürgschaft gar nicht annimmt?" – "Das verhüte der Himmel!" sagte Walt. – "Du verbürgst dich?" – "Bei Gott!" schwur Walt.
Der Flötenspieler sank jetzt steilrecht und versteinert auf den Stuhl, starrte waagrecht vor sich hin, jede Hand auf eines von den aufgesperrten, rechtwinklichten Knien gelegt, und wimmerte eintönig: "Nun so erbarms denn Gott und wer will! Das sind also die Garben und Weinlesen, die ich davontrage nach allem Anspannen und Hiersein! Und der Teufel hauset, wie er will! Das ist der Lohn, dass ich wie der Rumormeister bald hinten, bald vornen im Heere ritt bei jedem Unfug. – – Nu so schwör' ich, dass ich tausendmal lieber einem Schiffsvolk mitten im Sturm auf einem Schaukel-Schiffe den Bart abnehmen will, als einen Dichter sauber scheren, den alles bewegt und erschüttert. Lieber den Brocken hinauf will ich als hinterster Leichenträger im Wedel-Mantel eine Leiche tragen und nachstemmen, als einen Poeten geleiten und fortschaffen hinauf und hinab; denn dem redlichen, nicht ganz viehdummen Bruder glaubt der Poet weniger als weichem Diebsgesindel, das ihn umstellt und mit Füssen tritt wie ein Töpfer den Ton, um ihn zu kneten."
"Ich muss dir gestehen", erwiderte Walt sehr ernst, "dass der weichste Mensch zum erstenmal hart werden könnte gegen einen harten, der über die Menschen stets ungerecht richtet."
"Wie gesagt", fuhr Vult fort, "das tut er nicht, der Poet. Vergeblich reitet ihm ein leiblicher Zwillingsbruder, wie dem Suworow ein Kosak, nach und hat den leichten Nachtstuhl für ihn am Halse hängen, so dass er sich nur setzen brauchte aufs Gestelle – er tuts nicht, sondern er zeigt sich – und mehr dazu – der Welt –"
"An Menschheit glauben", versetzte Walt, "an fremde und eigne – durch sein Inneres ein fremdes ehren und kennen – das ist es, worauf das Leben und die Ehre ankommt; alles übrige hole der Henker. Wie, grössere Leute haben in grösseren Gefahren auf Leben und Tod vertrauet, ein Alexander hat sein Schein-Gift während der Brief-Lesung seines Arztes getrunken; und ich sollte den heissen Tränen eines menschenfreundlichen Mädchens nicht glauben? Nein, lieber nehm' ich diesen Stab, der ein Bettelstab ist, und gehe damit, so weit mich meine Füsse tragen..."
"Weiter kann auch kein Bettler", sagte Vult, "aber du unterbrichst. So dass also, will ich nur noch zusetzen, die Alten nicht ohne Anspielung dem Gotte der Dichter einfältige junge Schafe geopfert. – Daher ein Reichs-Hofrats-Schluss jeden, der einen Band Gedichte bei Trattner verlegen lassen, sofort pro prodigo erklären sollte, da er in Betracht seiner ewigen göttlichen Apollos-Jugend von 15 Jahren zu bürgerlichen Handlungen, z.B. Schenken unter den Lebendigen, nicht fähig ist, welche Volljährigkeit befehlen Nun aber einmal gelassen, Bruder! Was ist denn das für ein Leben dahier, zum Sakrament? – Aber ganz ruhig! Vater, Mutter, Zwillingsbruder willst du Leuten opfern, von denen ich – nichts weiter sage? Bedenk alles – siebzig eben gefällte Notariats-Bäume – eine so unerwartete Verkettung so vieler Ketten – manche deiner Irrsale auf dem Weg nach Rosenhof – und in der Tat bist du auch heute ganz belebt durch den Wein. – Am Ende fliegst du wohl gar mit Sperberund mit Weihes-Fittichen um das Brauterz der Sitzerin, Fuchs, und brauchst den Pinsel-Bräutigam nur zum Lockvogel, du Raub- und Spassvogel! Doch du wirst rot. Was Raphaelens Tränen anlangt glaube mir, die Weiber haben grössere Schmerzen als die, worüber sie weinen!"
"Gott, wie desto trauriger!" rief Walt. "Weiber und Müller", sagte Vult, "halten versteckte Windlöcher, damit Mehl für sie verstäube, wenn der andere mahlt." –
"Meinetwegen!" sagte Walt. "Ich gab einem Frauenzimmer mein Wort. Ich bürge. Gott dank' ich nur, dass er mir eine gelegenheit bescherte, das Vertrauen zu zeigen, das man zu den Menschen haben soll, will man nicht das eigne verlieren. Soll es aber sein – lass mich reden in dieser Stunde –, dass kein Gefühl mehr wahrsagt, soll der Glaube und die Liebe bluten und verbluten: o so freu' ich mich, dass ich die Wunde nur empfange, aber nicht schlage. Ich bürge entschieden. Vater-Zorn – aber kennt er in seiner Dorf-Welt meine höhern Verhältnisse? – und Mutter-Zorn – und Kerker und Not: es brech' ein; ich bürge. Zürne du. Ich bürge und gehe hinab."
Vult hielt ordentlich noch an sich, ganz bestürzt und aus dem Sattel gehoben von Walts Sprüngen, der jetzt immer weniger zu regieren war, je mehr er ihn stach und trieb – vielleicht, weil der sanfteste Mensch, sobald man seiner Freiheit, statt zu schmeicheln, droht, spornstetig44wird –: "Du gehst", sagte Vult, "(ich bitte dich gewiss ruhig), gehe bloss in dich. Fahre nicht, wie ein geblendeter Vogel, gerade in die Höhe! Kehr um. Ich flehe dich, Bruder!" – "Und müsst' ich gleich ins Gefängnis,