Gewehr, eine halbe Pistole (auf alten Pistolenfuss), sagte aber: "Hr. Hecht lässt sich seine versilberten Pillen stark vergolden. Den Geburtshelfer – richt er es aus – hab' ich schon saldieret." – "Guter, guter Mann!" sagte Walt. – "Die Frau war ja in den kümmerlichsten Umständen von der Welt und heute noch; und ist nicht einmal hübsch dabei", sagt' er.
Ungesehen war eben ein Heerbann eingerückt, einen Banner stark, der so anfing: "Gehorsamer! – Ein für allemal, der Mensch lässt sich in die Länge nicht hänseln. Seit Pauli Bekehrung bin ich Sein Narr und laufe nach dem bisschen Mietzins. Herr, was denkt Er denn von unsereinem?" – "Weiss Er wohl", versetzte Flitte, "dass ich nur messenweise zahle und überhaupt mich gar nicht mahnen lasse, Er?" – "So?" erwiderte der Banner. "Ich und noch drei Hausherren und der Stiefelwichser haben uns schon zusammengeschlagen und die Schuld dem Armen-Leute-haus vermacht." – "Wahhas, ungehobeltes Pack?" sang Flitte dehnend. "Das ist mir ja recht lieb. Eben gab ich dem Hechtischen Subjekt (der Herr da zeugts) ein halbes Goldstück für die blutfremde blutarme Bitterlich; was geht sie mich weiter an?" – Hier hielt er ihm den einen, mit einem Ringe zugeschraubten vollen Beutelpol mit der Erklärung vor, der Zins sei hier für ihn schon bereitgezählt gewesen, jetzt bekomm' er keinen Deut; – worauf der Feind nach vergeblichen Einlenkungen, das Armenhaus habe nichts Schriftliches, ohne alles klingende Spiel abzog, äusserst verdrüsslich, dass der Beutel, wie bei den Türken, das Geld selber bedeutet habe.
Diesem folgte der 23ste Herr, der Territorialherrschaft über ihn ausgeübt – dem 23sten sukzedierte der 11te – diesem der fünfte- jeder, um den Grundzins, die Quatembersteuer, das Stättegeld für den Winkel seines Staatsgebäudchens einzutreiben. Groben Herren gab er nichts als die Antwort, unter ihnen sei in die Zimmer mehr der Wind als das Licht eingedrungen, die Aufwartung schlecht und die Möbeln alt gewesen. Höfliche bezahlte er für ihre Territorialrechte mit Territorialmandaten auf die zehn Erb-Stämme, mit den Bonbons der Bons. Darauf kam der Herr, der vor dem Türmer regiert hatte, ein frommer Huter, mit zwei grossen grauen Locken, welche aus dem knappen Lederkäppchen vorwalleten, und bat ihn um ein Darlehn, gerade die Hälfte der Schuld. Flitte gab ihm das Geld und sagte: "Ohnehin restiere ich, entsinn' ich mich recht, noch etwas, Herr Huter." – "Es wird sich finden", sagt' er.
Nach dem Vesperbrot lief ein Bücherverleiher Sturm und Gefahr. Er forderte für ein Buch à 12 Groschen und 12 Bogen genau 2 Tlr. Lesegeld auf 2 Vierteljahre. Flitte hatte nämlich nach seiner Weise, keine Sache abzuborgen, die er nicht ihrer Bestimmung gemäss wieder verborgte, das Werk so lange umlaufen lassen – denn jeder ahmte ihm nach –, dass es verloren war. Umsonst erbot er sich zum Drittel, zum Kaufe; der Verleiher bestand auf Lesegeld und fragte, ob viel mehr als ein Pfennig auf die Seite komme. Selber Walt suchte den Verleiher von seinem "Eigennutzen" zu überzeugen. "Eigennützig? das verhoff' ich eben; vom Eigennutzen lebt der Mensch", sagte der Verleiher. Flitte liess ihn ganz kurz ab- und wild in die nächste Gerichtsstube hineinlaufen, nachdem er bloss zehn Neujahrswünsche und fünf Kalender, die er zur Auswahl gehabt und behalten, grossmütig bezahlet hatte.
Kurz vor 6 Uhr wollte das Paar ein wenig in die Luft, von der Flitte am liebsten lebte; auf der Hausschwelle bebte der Pinselmacher Purzel – jüngerer Bruder des Teaterschneiders – ihnen entgegen mit einem ausgehöhlten Gesicht wie ein Hohlglas (Stirnund Kinn-Ränder waren konvex) – das verschabte Überröckchen auf die linke Seite hinübergeknöpft – mit einem langen Fadenwurm von Zopf aus Zopfhand – und wackelnd mit dem rechten Knie: "ihr gnädigen Gnaden", fing das Jammerbildchen an, "werden meinen Miniatur-Pinsel vorgestern herrlich und nett erhalten – Ich stehe davor, dass der Pinsel ganz vortrefflich einigermassen – und bitte denn um das wenige, was er kostet, und auch, dass Sie mir bei dieser gelegenheit etwas schenken." "Hier!" sagte Flitte zum stillen lebendigen Friedensfest, ja ruhigen Reichs-Friedensprotokoll, zu Purzel dem Jüngern. Abends machte den Waffentanz der Cafetier Fraisse mit einem Grossvatertanz aus. Er kam herauf, um höflich anzumerken, es sei seine herkömmliche Weise, Gästen aus der Stadt jeden Abend die Rechnung zur Einsicht vorzulegen, damit sie solche sähen und saldierten. Walt sah hier zum erstenmale einen französischen oder elsassischen Zorn ohne Ohren; es war ein stürzend-fortrollender Streit- und Sichelwagen, woran Fluche, Schwüre, Blicke, hände auf- und niederschlugen und zersäbelten. Fraissen wurde das nötige Geld vor die Füsse, ja an den Kopf geworfen, dann eingepackt und fluchend fortgezogen in des verreiseten Dr. Huts leeres Haus. Walt wehte durch seine niederblasenden Friedenspredigten die Flammen nur höher auf. Eine verlebte Stunde war für Flitte der einzige Epiktet.
Nr. 54. Surinamischer Äneas
Malerei – Wechselbrief – Fehdebrief
Licht und leicht flogen die Horen in Dr. Huts vielgehäusigem haus ein und aus und holten Honig. Hier, in diesem sonnenhellen Eiland der unschuldigen Freude, sah Walt keinen höflichgroben Fraisse – hörte