ertrank beinah in Lobes-Salböl. Über jeden Genuss, den man den Menschen wohlwollend zubereite, waltet der Zufall der Aufnahme, des Gaumens, des Magens, der ihn verarbeitet; hingegen für den Genuss eines aufrichtigen Lobes hat ohne Ausnahme jeder Mensch zu jeder Stunde Ohr und Magen aufgetan; und er sagt ausser sich: "Lob ist Luft, die das einzige ist, was der Mensch unaufhörlich verschlucken kann und muss." Flitte nicht anders; neuerfrischt zog er den Notar auf die Stadtgassen hinaus, um ihm einige Freuden zu machen und sich Platz. Nämlich die alten Gläubiger jagten ihm so eifrig nach als er neuen; da er nun die Maxime der Römer kannte, welche nach Montesquieu so weit als möglich vom haus Krieg führten: so war er selten zu haus. Beide durchstrichen die Morgenstadt; und Walten wurde sehr wohl. Da Flitte der Stadt sich zeigen wollte – nämlich den Kabels-All-Erben Harnisch in der Probewoche –, so sprach er mit vielen ein Wort; und der Notar stand glücklich dabei. Vor jedem Parterre-Fenster – "parterre", sagte Flitte, "sprechen die Deutschen ganz falsch aus", klopft' er wie an einer Glastüre an und sagte dem aufmachenden Mädchenkopfe, dem noch die halbe Aurora des Morgenschlafs anschwebte, hundert gute Dinge, und die Tochter in der Morgenkleidung musste am Fensterrahmen fortnähen. Oft gab er ohne weiteres fragen Küsse von aussen hinein – was Walt für einen Grad von Lebensart hielt, den nur einige Günstlinge Frankreichs erreichten. Rauchte ein ansehnlicher Mann in der Schlafseide mit der Pfeife aus dem zweiten Stock herab: so sprach oder ging Flitte hinauf, und Walt tats mit. Jener kannte jeden lange; denn bei dem Hochbürgerstande lehrte er die Kinder tanzen und beim Adel die Hunde; letzterem ging er auch auf heiligern Wegen nach, nämlich zur AltarPartie. Denn da der Hasslauer Adel, wie bekannt und sonst gewöhnlich ist, in corpore öffentlich auf einmal als eine heilige Tischgesellschaft und Kompaniegasse das Abendmahl genoss: so war er hinterdrein und der letzte Mann, wie hinter den Bürgerlichen der Scharfrichter; das einzige Mal ausgenommen, wo er wie ein Schieferdecker es bloss nahm, weil er einen Turm bestiegen. Walt betrat nie mehr Zimmer als an diesem Morgen. Sprengte ein Herr vorbei: Flitte wusste ein Wort über den Gaul nachzuschicken, etwa dieses: er hinke. Stand ein Wagen fahrfertig: Flitte passte, bis man einstieg, und verhiess nachzukommen aufs Landgut. Kehrten verspätete Kaufleute von der Leipziger Messe zurück: Flitte liess sie auf die Mess- Neuigkeiten von Hasslau nie so lange warten, bis sie unter Dach und Fach waren, sondern er packte aus, während sie auspackten.
Walt wurde aller Welt vorgestellt und redete mehrmals.
Es wäre schwer zu glauben, dass beide an einem Morgen so viele Besuche abgestattet haben, wäre nicht die Gewissheit da. Sie gingen zu dem Spitzenoder Klöppelherrn Hrn. Oechsle und besahen die Sachen und die hübschen Klöpplerinnen aus Sachsen und viele Knöpfe aus Eger, in welche Vögel halb mit Farben, halb mit eigenen Federn gefasset waren. Walt hatte dessen schöne Fusstapeten ganz mit Stiefelspuren verschont durch einen einzigen tapfern Weitschritt, den er über sie sogleich in die gebohnte stube tat.
Sie gingen ins Gartenhaus des Kirchenrat Glanz, wo Flitte seine Latinität an dem Kupferstich eines Kanzelredners schwach zu zeigen suchte, indem er die darunter gesetzten lateinischen Verse und Notizen fertig und mit gallischer Aussprache ablas, ausgenommen bis zu den Worten mortuus est anno MDCCLX. Denn wer solche fremde Zahlen-Zeichen mehr in eigner als in fremder Sprache ablesen muss, weil er diese nicht versteht, fällt halb ins Lächerliche bei aller sonstigen Gelehrsamkeit. –
Er ging mit Walt zum Postmeister, bloss um, wie er gewöhnlich tat, nach Marseiller Briefen vergeblich zu fragen. Dem Postsekretär las er eine schwere französische Aufschrift vor. Walt pries dessen Accent und Prononciation aufrichtig. Auf der Strasse macht' ihm nun Flitte zehn vergebliche Male vor, wie er wenigstens beide Worte zu akzentuieren und zu prononcieren habe. Walt gestand, dass ihm mehr Ohr als Zunge fehle, drückte ihm die Hand mit dem Bekenntnis, dass er die meisten Franzosen gelesen, aber noch keinen gehört, und dass er deswegen so eifrig auf jeden laut von Flitte horche; indes berief er sich auf den General Zablocki, ob er nicht vielleicht eine erträgliche Hand von Schomaker davongebracht. Darauf zeigte ihm Flitte gegenseitig Germanismen der Phrasen, die ihm noch anklebten.
Sie gingen zur Stückjunkerin, bei welcher Walt neulich saiten aufgezogen hatte. Diese sprach von dem tod ihres Mannes und der Einäscherung eines Palastes, den sie im belagerten Toulon gehabt, aus welchem sie nichts gerettet, als was sie zur Erinnerung ewig aufbewahrte, einen Nachttopf aus feinstem Porzellan. Der Zug entzückte den Notar durch den vornehmen Zynismus, womit er im Hoppelpoppel Leute von Welt kolorieren konnte. Selten sieht ein romantischer Anfänger einen alten General oder jungen Hofjunker im Zwielicht z.B. pissen, ohne sich an den Schreibtisch niederzusetzen und niederzuschreiben: "Herren vom hof stellen sich gemeinhin im Zwielicht in Ecken." Man sprach viel französisch; und Walt tat, was er konnte, und sagte häufig: comment? – Flitte zeigt' ihm nachher den Germanismus in der Frage.
Sie gingen in die weibliche, ihm durch Vult bekannte Pensions- Anstalt, worin noch mehr Gallizismen und noch mehr Schönheiten regierten. Flitten war nicht nachzufliegen im freien Artig- sein; doch war es ihm genug, nur