Nachkommen zu bringen, Reich oder Reichtum, und welche wie hohe Staatsbediente Atens zum Zeichen ihrer Vaterlandsliebe nichts hinterlassen als Nachruhm und Schulden.
Walt zog ohne weiteres das aus der Kabelschen Operationskasse für die Probewoche bewilligte Goldstück hervor und legt' es mit den Worten auf den Tisch: "Dies bestimmte der Testator; ich wollte gern, es wäre mehr." – Wenige Menschen wurden noch so stark angefahren als er von Flitten, der ihn fragte, ob er denn beim Henker nicht sein Gast sei.
Aber nun hatte' er noch einen feinern Punkt, nämlich den testatorischen Zweck seines Wohnens zu besprechen. Er nahm folgende Wendung: "Es wird ordentlich schwer, in diesen kostbaren heitern Zimmern und bei Ihnen an etwas so Juristisches wie das Testament und dessen Haupt-Klausel zu denken; da ich aber meine Freude nicht meiner Obliegenheit gegen meine Eltern opfern darf: so – darf ich eben schwerlich, sondern ich muss Sie um den Vorschlag dessen bitten, worin ich etwa Fehler begehen könnte. Wahrlich, es wird mir schwerer zu fragen als zu handeln."
Der Elsasser fasste ihn nicht sogleich mit seinen Feinheiten: "Pah!", sagt' er, "was ist zu sakrifizieren? Wir parlieren und tanzen zusammen; das geht den alten Kabel nichts an." – – "Parlieren und tanzen?" versetzte der vom Notariat zusammengescheuchte Walt. "Und zwar beides zusammen? – Ich kann hier nichts sagen, als dass schon eines von beiden einen unabsehbaren Spielraum zu Fehlern auftäte, geschweige – Wahrlich, an und für sich oder für mich, lieber Herr Flitte – aber..." – – "Sacre –! wovon reden wir denn eigentlich? – Wird denn ein Mensch auf der Erde prätendieren, dass man zum langnasigen Bürgermeister läuft und ihm es vorsingt, wie man lustig gewesen ist?" – Walt fasste schnell die Hand und sagte: "ich vertraue"; und Flitte umarmte ihn.
Sie frühstückten unter freudigen Gesprächen. Die langen Fenster und Spiegel füllten das geglättete Zimmer mit Glanz; ein kühler blauer Himmel lachte hinein. Der Notar verspürte sich in vornehmer Behaglichkeit; das Glücksrad dreht ihn, nicht er das Rad, und er brauchte es nicht wie ein Wagenrad erst rot zu malen. Flitte las ihm zwei für den Reichs-Anzeiger in wenigen Tagen ausgearbeitete Inserate vor; – im ersten forderte er einen Generalkriegszahlmeister, Hrn. von N. N. in B., auf, ihm die Summe von 960 Albustalern für Wein innerhalb 6 Monaten zu bezahlen, wenn er nicht gewärtig sein wolle, dass er ihn öffentlich an den Pranger in dem Reichs-Anzeiger stellte. Dem Notar entdeckte er gern den Namen des Mannes und der Stadt; indessen war an der Sache nichts. Das zweite Inserat entielt mehr ungefärbte Wahrheit, nämlich die Nachricht, dass er einen Compagnon mit 20000 Tlr. zu einem Weinhandel suche und wünsche.
Walts Gesicht glänzte von Freude, dass der gutmütige Mensch so viele Mittel habe, und erhob dessen vergoldete Wetterstangen des Lebens recht stark.
Flitte aber versetzte: "Sagen Sie mir aufrichtig, ob keine Stil- Fehler darin sind. Ich warf die Dinge in der Zeit einer kleinen Stunde hin." Walt erklärte, je kleiner eine Anzeige sei, desto schwerer werde sie; er wolle leichter einen Bogen für den Druck ausarbeiten als dessen 1/24 Bogen. "Schadet wohl überhaupt Lukubrieren viel? An der Makrobiotik sahen mich oft die Nachbarn bis 3 Uhr aufsitzen", sagte Flitte, nicht ganz unwahr, da er bisher durch seine Nachtmütze auf einem Haubenstock und durch ein Licht daneben einen makrobiotischen Leser auf die leichteste und gesündeste Weise vorgestellt hatte. Darauf schnürte er vor dem Notar, dessen herzliches aufrichtiges Bewundern und einfältiges Vertrauen ihn mit süsser Wärme durchzog, ein Bündel seiner Liebesbriefe an sich auf, worin er, sein Herz und sein Stil sehr geschätzet wurde. Der Elsasser hatte das Paket von einem jungen Pariser, an den es geschrieben war, zum sichern Verschlusse bekommen.
Walt wusste sich so wenig zu lassen vor Beifallklatschen über den Stil der schönen Schreiberin, dass der Elsasser am Ende beinahe selber glaubte, die Sache sei an ihn geschrieben; aber jener tats sehr deshalb, um nicht über die Liebe selber viel zu reden. Da er als ein unerfahrner verschämter Jüngling noch glaubte, die Empfindungen der Liebe müssten hinter dem Klostergitter, höchstens in einem Klostergarten leben, so sagt' er nur im allgemeinen: "Die Liebe dringt wie Opferrauch, so zart auch beide sind, doch im dicken Regenwetter durch die schwere Luft empor" – wurde aber ungemein rot. "Surement", sagte der Elsasser, "die Liebe strebt jeden Tag immer weiter."
Flitte ging noch weiter und zeigte sich seinem gast gar gedruckt; er wies ihm nämlich die feinsten liebes-Madrigale, die er, wie er sagte, drucken lassen in Centesimo-Vigesimo-Format und nie über einen 1/20 Bogen stark; es waren Verseblättchen, aus Pariser Zuckerwerk ausgeschält, wahre Süssbriefchen, deren Plagiat Flitte sich dadurch erleichterte, dass er den süssen Einband aufass. Warum lässt die deutsche Poesie der französischen den Vorzug der süssesten Einkleidung; warum wollen wir nämlich, wenn die Franzosen Zucker und Gebäck um ihre Verse wickeln, es umkehren und mit den unserigen Zucker und Gewürz einkleiden und einpacken? – könnte man hier fragen, wenn es der Ort wäre, hier zu antworten. – Walt pries unmässig; der Elsasser schwamm auf Freudenöl,